Kontakt
Das nächste Erfinderlabor in Darmstadt steht in einem Jahr an. Wer sich dafür interessiert, der findet Information und Kontakt beim Zentrum für Chemie in Bensheim, Telefon: 06221-1808307, oder über die Internetseite: www.z-f-c.de.
Sie tragen weiße Kittel und gehen der Erbsubstanz von Lebensmitteln auf den Grund. Gerade machen sie PCR. Was das sein soll? „Polymerase-Kettenreaktion“, klärt Katharina auf. Das ist eine Methode, um mittels eines Enzyms DNS zu vervielfältigen. Auch das „Agarose-Gel“ geht der Abiturientin leicht über die Lippen, als sie über die Trennung von Substanzen spricht. Nur, aus was Agarose-Gel ist, „das“, muss Katharina gestehen, „weiß ich auch nicht so genau“.
Man kann ja auch nicht alles wissen – selbst dann nicht, wenn man zu dem ausgewählten Kreis 16 hochbegabter Oberstufenschüler aus ganz Hessen gehört, die sich diese Woche der „Faszination Biotechnologie“ annäherten. Im dafür eingerichteten Erfinderlabor, das vom Bensheimer Zentrum für Chemie zum fünften Mal in Darmstadt organisiert wurde, erhielt der Nachwuchs praxisnahe Einblicke in Arbeitswelten der Biotechnologie.
Neben Besuchen bei den beteiligten Chemieunternehmen Merck und Brain konnten die Schüler drei Tage lang am Fachbereich Biologie der Technischen Universität selbst in Teams forschen. Die Ergebnisse wurden zum Schluss vor 100 geladenen Gästen präsentiert, darunter auch Vertreter des Hessischen Wirtschaftsministeriums als einem der Geldgeber.
„Man möchte die Biotechnologie in Hessen stark machen“, erklärt Thomas Schneidermeier vom Zentrum für Chemie. „Arbeitsplätze schaffen, Innovation erreichen“, das erhoffe sich die Landesregierung von dieser Schlüsseltechnologie. Und für die Schüler biete sich die Möglichkeit, „sich mit einem Thema zu beschäftigen auf einem Niveau, das die Schule nicht leisten kann.“
Schneidermeier weiß als Lehrer aus eigener Anschauung, wovon er spricht. In den Schulen seien die Klassen in der Regel zu groß für eine intensive Beschäftigung mit dem Thema. Auch habe man nicht die Leistungsspitze wie unter dieser Bestnoten-Schülerelite. „Da kann man von Anfang an auf einem anderen Niveau arbeiten.“
Der Unterschied fällt auch den Schülern auf, die beim TU-Labor herumexperimentieren. „Es ist viel mehr praxisbezogen hier“, stellt Hanna Frühauf von der Eleonorenschule fest, die als eine von zwei jungen Darmstädterinnen unter 140 Bewerbungen für das Erfinderlabor ausgewählt wurde.
„In der Schule ist es Lernen durch Lesen und hier Lernen durch Ausprobieren“, ergänzt Regina Hartfiel von der Justus-Liebig-Schule. Obwohl sie erst wenige Tage hier seien, hätten sie schon unheimlich viel gelernt. Ihre Neigung zur Biologie begründen beide vor allem damit, dass Naturwissenschaften in ihrer Familie eine große Rolle spielen. Ihr Teamkollege Felix nennt ein anderes Motiv: „Ich mache eher mit, weil ich mir wie wohl viele Menschen nichts vorstellen konnte unter Biotechnologie.“ Das dürfte sich nun geändert haben.
Und das dürfte auch Heribert Warzecha freuen. „Die Bevölkerung weiß relativ wenig über Biotechnologie“, sagt der Professor für Pflanzenbiotechnologie. „Deswegen sind Multiplikatoren wichtig.“ Daher sei das Erfinderlabor auch gewinnbringend für seinen Fachbereich.
„Eine durchweg positive Erfahrung“ ist die Aktion für den Professor auch im Hinblick auf die wissbegierigen Teilnehmer, die zu einem Viertel aus der Region stammen: Außer den beiden Schülerinnen aus Darmstadt sind da noch Michelle Lioutikov von der Alfred-Delp-Schule in Dieburg und Malika Boussihmad von der Immanuel-Kant-Schule in Rüsselsheim.
„Die sind aktiv interessiert, und das merkt man“, bilanziert Professor Warzecha anerkennend mit Blick auf die beteiligten Schüler. „Sie fragen teilweise mehr als meine Studenten, das macht richtig Spaß.“

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