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13. Januar 2012  | chur

Praktisches Wissen prägt sich besser ein

Maschinenbau – In der Prozesslernfabrik lernen Studenten, wie sie ihr theoretisches Wissen anwenden können

Komplexe Vorgänge: Die Studenten Johannes Eckardt und Julia Reiß lernen in der Prozesslernfabrik, pneumatische Zylinder zu montieren. Foto: Roman Grösser
| Vergrößern | Komplexe Vorgänge: Die Studenten Johannes Eckardt und Julia Reiß lernen in der Prozesslernfabrik, pneumatische Zylinder zu montieren. Foto: Roman Grösser

Als 2004 rund 50 Personal- und Produktionsleiter befragt wurden, wie sich Maschinenbau-Absolventen der Technischen Universität Darmstadt (TU) im Arbeitsleben schlagen, war die Antwort der Arbeitgeber ernüchternd: Bei 70 Prozent der ehemaligen Studenten fehlten grundlegende Kenntnisse über Produktionssysteme und Arbeitsabläufe.
Eberhard Abele, seit 2001 Professor an der TU im Fachbereich Maschinenbau und Leiter des Instituts für Produktionsmanagement, Technologie und Werkzeugmaschinen (PTW), wollte das Ergebnis nicht hinnehmen und für mehr Praxisbezug sorgen: „Zehn Prozent von dem, was wir lesen, behalten wir, dafür aber 90 Prozent der Dinge, die wir tun“, so der Institutsleiter. Er überzeugte Unternehmen, eine Prozesslernfabrik auf der Lichtwiese mitzufinanzieren.
Eine Fertigungshalle wurde an der Petersenstraße errichtet und für zwei Millionen Euro mit Dreh- und Fräsmaschinen ausgestattet, seit Mai 2007 ist die Lernfabrik in Betrieb. Auf einer Fläche von 500 Quadratmetern wird die gesamte Wertschöpfungskette, also vom Eingang des Rohmaterials bis zum versandfertigen Produkt, simuliert. Die Einrichtung stößt international auf große Resonanz und gilt als innovatives Lehr- und Weiterbildungszentrum. 2011 schloss sich der Fachbereich mit anderen europäischen Hochschulen zu einer Initiative zusammen, um den Studenten mehr Praxisnähe zu ermöglichen. Erst vergangenen Monat wurde das Projekt mit dem Hessischen Hochschulpreis für Exzellenz in der Lehre in Höhe von 100 000 Euro prämiert – und findet Nachahmer: „Vor ein paar Wochen wurde in Atlanta eine weitere Prozesslernfabrik in Betrieb genommen, die nach Darmstädter Vorbild gebaut wurde“, sagt Abele.
Mittlerweile hat sich die Fabrik zu einem kleinen Unternehmen gemausert, acht wissenschaftliche Mitarbeiter und 25 studentische Hilfskräfte halten den Betrieb aufrecht.
Jedes Erstsemester wird durch die Prozesslernfabrik geführt und hat zu einem späteren Zeitpunkt seines Studiums die Möglichkeit, die Produktion als Vertiefungsgebiet zu wählen. Sie lernen beispielsweise, einen Pneumatik-Zylinder zu produzieren.

Der Fachbereich Produktion habe vorher bei den jungen Leuten kein gutes Image gehabt, mittlerweile sei die Zahl kräftig gestiegen, erklärt Abele. Besonders attraktiv sei die enge Verbindung zu Unternehmen, die mit der TU kooperieren. „Die Firmen schulen ihre Mitarbeiter bei uns oder nehmen Kontakt zu uns auf, sobald sie ein Problem in der Produktionskette haben“, erklärt der Leiter der Prozesslernfabrik, Sven Bechtloff. Praktiker der Firmen erarbeiten mit den Studenten Lösungen. Häufig wurde ein Absolvent direkt von einem Unternehmen übernommen.
Die TU ist mit ihren Plänen noch lange nicht am Ende, ab 2013 sollen die Bauarbeiten für eine Logistik- und eine Energieeffizienz-Lernfabrik an der Lichtwiese beginnen.

 
 
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