„Das Schneckenhaus-Prinzip zieht sich durch alle Ebenen“, sagt Thorsten Schmidt und zeigt auf einen großzügigen Aufgang. Der Neubau der Universitäts- und Landesbibliothek (ULB), der seit 2009 an der Magdalenenstraße entsteht, ist eine der Baustellen, die der Leiter des TU-Baudezernats derzeit zu betreuen hat.
Die ULB ist ein gewaltiges Projekt, rund 74 Millionen Euro teuer und zumindest äußerlich – bis auf kleine Lücken in der Klinkerfassade – fertig. Gewaltig nicht nur wegen der Kosten, sondern auch wegen der rund 1,4 Millionen Medien, die vom jetzigen ULB-Standort im Schloss im Hochsommer in die neue Bibliothek umziehen werden.
Ein Prozess, den der Leiter der Universitätsbibliothek, Hans-Georg Nolte-Fischer, schon vor längerer Zeit als „große logistische Herausforderung“ bezeichnet hat. Schließlich muss jedes Medium – neben Büchern sind das Filme, Zeitschriften, Dokumente – in die Hand genommen, neu systematisiert und für den Umzug erfasst werden. Seit drei Jahren bereiten die ULB-Mitarbeiter den Umzug vor, ein Spezial-Unternehmen ist mit der Umzugs-Logistik beauftragt.
Zum Wintersemester soll die neue ULB ihre Türen öffnen, sagt TU-Kanzler Manfred Efinger. Er ist sehr zufrieden mit dem Neubau – nicht nur wegen der Einhaltung des Kosten- und Zeitplans. Auch das Gebäude gefällt ihm gut: Mit Fenstern, die bis zum Boden reichen und einem über fünf Stockwerke reichenden offenen Innenhof mit rautenförmigem Glasdach ist die neue Bibliothek wirklich ein architektonisches Highlight.
Wie ein kleines „b“ sieht der Neubau aus, der sich zwischen Altem Hauptgebäude, Magdalenenstraße und Mensa erstreckt und vom Nürnberger Architekturbüro „Bär – Stadelmann – Stöcker“ geplant wurde. In einem Lesehof mit Baumhain werden neben den Studenten auch die nicht-studentischen Nutzer im Freien vor einer in der ULB integrierten Cafeteria sitzen.
Auch wird es neue Wegebeziehungen und laut Schmidt ein neues „Raumgefühl auf dem Campus“ geben: So kommt man vom Alten Hauptgebäude über einen Steg in die Bibliothek, von der Mensa über einen neuen Hof, vom Karo 5 über eine Freitreppe. Hell und freundlich präsentiert sich das Foyer der Bibliothek, durch die bodenhohen Fenster fällt auch hier viel Licht.
Im Freihandbereich werden etwa 700 000 Medien aufgestellt. Im Lesehof, dem Zeitschriftenraum, in sich auffächernden Lesegalerien und Fachlesesälen kann man darin schmökern. Entlang der Balustraden können die Studenten außerdem an Tischen sitzen, sozusagen mitten im Geschehen. Oder sie ziehen sich in einen der rund 700 ruhigen, zum Teil räumlich voneinander getrennten Arbeitsplätze zurück.
Was an Technik in dem etwa 200 000 Quadratmeter Nutzfläche bietenden Neubau versteckt ist, kann man derzeit stellenweise noch sehen. Unter den Böden ist 60 Zentimeter Spielraum, um Anschlüsse für Strom, EDV, Heizung und Belüftung zu verlegen. Nicht mehr zu sehen hingegen ist das 2100 Quadratmeter große Erdluftregister in der untersten Ebene: Ein Ansaugkanal temperiert dort die Luft, kühlt sie im Sommer leicht vor und erwärmt sie im Winter. Eine Ebene darüber sind die Handwerker gerade mit der Montage der Kompaktmagazine beschäftigt, wo Platz für rund 1,4 Millionen Medien zur Verfügung steht.
Wenn alles termingerecht fertig wird, atmen nicht nur Baudezernatsleiter und Kanzler auf. Auch die Anwohner werden froh sein, wenn die ULB fertig und die nebenan liegende historische Maschinenhalle umgebaut ist. „Bei den Anwohnern müssen wir uns für ihre Geduld bedanken“, sagt Manfred Efinger.
02. Februar 2012 | Von AnnetteWannemacher-Saal
Lesen in luftigen Räumen
Neubau – Innenausbau der Universitäts- und Landesbibliothek läuft – 1,4 Millionen Medien ziehen im Sommer um
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