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20. Januar 2012  | Von Uwe Borkenau

Jugend trainiert für Olympia

TU Darmstadt – Die besten Biologieschüler Hessens experimentieren bis Samstag unter professionellen Bedingungen

Die Besten in Hessen: Zehn Oberstufenschüler nehmen derzeit an einem Mikrobiologie-Seminar der TU Darmstadt teil. Die lieferten die besten Ergebnisse des Landesentscheids der Biologie-Olympiade ab. Miriam Stricker (Mitte) aus Geisenheim und Martin Kramer aus Neu-Anspach (rechts dahinter) gehen zum nationalen Entscheid nach Kiel. Aus Südhessen stammen zwei Teilnehmer: Lukas David (rechts) und Sascha Braun (Vierter von links) vom Starkenburg-Gymnasium in Heppenheim. Foto: Roman Grösser
| Vergrößern | Die Besten in Hessen: Zehn Oberstufenschüler nehmen derzeit an einem Mikrobiologie-Seminar der TU Darmstadt teil. Die lieferten die besten Ergebnisse des Landesentscheids der Biologie-Olympiade ab. Miriam Stricker (Mitte) aus Geisenheim und Martin Kramer aus Neu-Anspach (rechts dahinter) gehen zum nationalen Entscheid nach Kiel. Aus Südhessen stammen zwei Teilnehmer: Lukas David (rechts) und Sascha Braun (Vierter von links) vom Starkenburg-Gymnasium in Heppenheim. Foto: Roman Grösser


Überall stehen Petrischalen, Reagenzgläser und Erlenmeyerkolben. Eine Rüttelmaschine tut quietschend aber tapfer ihren Dienst. Es herrscht rege Betriebsamkeit im Labor. Die zehn Schüler, die Besten des Landesentscheids der Biologie-Olympiade, sind dabei, verschiedene mikrobiologische Versuche durchzuführen. Während einer gerade die Dichte von Escherichia-Coli-Bakterien misst und das Ergebnis an die Tafel schreibt, setzt ein weiterer Schüler in Petrischalen einen Nährboden für Bakterien an.
Die ganze Szenerie wird aufmerksam beobachtet von Arnulf Kletzin. Er ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der TU Darmstadt und Mikrobiologe. Vier Tage lang macht er mit den Schülern Versuche zur Trinkwasser-, Nahrungsmittel- und Gentechnologie. Er vermittelt ihnen forschungsrelevante Grundlagen, zeigt ihnen die Funktionsweise eines Elektronenmikroskops und bespricht mit ihnen die gemeinsam erarbeiteten Ergebnisse. „Wir untersuchen auch den Bakteriengehalt in Joghurts, mit denen häufig geworben wird“ nennt er ein Beispiel.
Unter den Teilnehmern befinden sich die beiden neunzehnjährigen Schüler Sascha Braun und Lukas David vom Heppenheimer Starkenburg-Gymnasium. Das Seminar macht ihnen sichtlich Spaß. „Die Schule ist mehr theoretisch und hier steht man mehr im Labor“, erklärt Sascha. Die Praxis macht einfach mehr Spaß.

Um überhaupt an dem Seminar teilnehmen zu können, mussten die beiden Abiturienten mit Bio- und Chemie-Leistungskurs zunächst zwei Runden der Biologie-Olympiade überstehen. Bei einer Projektwoche an ihrer Schule bearbeiteten sie erfolgreich vier Aufgaben zu den Themen Pflanzenphysiologie, Biochemie, Stoffwechselphysiologie und Zoologie. Dabei waren sie so gut, dass sie in die zweite Runde kamen. Dort galt es, eine sehr komplexe Biologie-Klausur zu schreiben. „Das ging weit über das Schulwissen hinaus“, erläutert Sascha das Leistungsniveau und Lukas ergänzt, „wir haben gar nicht damit gerechnet, dass wir so gut sind“.
Die Ergebnisse waren gut genug, um zu Hessens zehn Besten zu gehören und so zum Seminar des Instituts für Mikrobiologie und Genetik der TU Darmstadt eingeladen zu werden. Insgesamt hatten 130 hessische Schüler an der Biologie-Olympiade teilgenommen. Die ersten beiden Plätze in Hessen belegen der 18 Jahre alten Martin Kramer aus Neu-Anspach und die erst 17 Jahre alte Miriam Stricker aus Geisenheim.
Für diese beiden Schüler ist das Seminar nicht nur eine lehrreiche Erfahrung, sondern gleichzeitig ein Training für die nächste Runde des Wettbewerbs Ende Februar in Kiel. Dort nehmen 45 Schüler aus ganz Deutschland teil. Sie müssen ihr Wissen erneut in praktischen und theoretischen Tests unter Beweis stellen. Zehn Schüler erreichen schließlich die vierte und letzte Runde Anfang Juni ebenfalls in Kiel. Die vier Sieger qualifizieren sich für die 23. Internationale Biologie-Olympiade in Singapur.
Richard Knapp betreut als Landesbeauftragter des Kultusministeriums den hessischen Wettbewerb. Hauptberuflich unterrichtet der Studiendirektor in Michelstadt, wie sollte es anders sein, Biologie und Chemie. „Es macht Spaß, jedes Jahr wieder auf diese Art und Weise Menschen zusammenzubringen, die eigentlich auf einer Wellenlänge sind – von den Interessen her als auch menschlich“, sagt er. „Man sieht hier, wie gut sich Schule und Hochschule in der Begabtenförderung ergänzen“.

 
 
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