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27. August 2010  |  simo

Ein Leitfaden für Zukunftsfragen

Materialforschung: Bundesbildungsministerium und Acatech stellen an der TU erstmals ihr Zehn-Punkte-Programm vor

»Das Problem der Materialwissenschaft ist, dass sie als wenig sexy gilt«, flüstert eine Dame der anderen zu. Und kurz darauf heißt es auch auf dem Podium im TU-Hauptgebäude selbstkritisch: »Materialwissenschaft und Werkstofftechnik ist sperrig«, sagt Henning Kagermann, Präsident der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (Acatech).

Nachwuchsprobleme plagen die Branche, dabei sei ihre Arbeit wichtig: Immerhin beruhten siebzig Prozent aller neuen Produkte in irgendeiner Form auf Werkstoffen, etwa Stahl, Aluminium oder Kupfer. Am Rande des Kongresses »Materials Science & Engineering«, des internationalen Leitkongresses der Branche im Darmstadtium, demonstrierte Acatech deswegen gemeinsam mit dem Bundesbildungsministerium, wo überall im täglichen Leben Werkstoffe vorkommen und künftig vorkommen werden.

»Ohne Materialforschung können wir die gesellschaftlichen Herausforderungen der Zukunft nicht lösen«, sagt Wolf-Dieter Lukas, Ministerialdirektor im Bildungsministerium, der erstmals das Zehn-Punkte-Programm seines Ministeriums zur Förderung von Materialwissenschaft und Werkstofftechnik vorstellte: Eine Art Leitfaden zu Zukunftsfragen der Branche.

380 Millionen Euro investiere das Ministerium hier jährlich, 240 Millionen davon in die Forschung. Fünf Prozent mehr Geld soll es künftig geben, ab 2012 stehen laut Wolf-Dieter Lukas »erhebliche Investitionen« in die Elektromobilität an. Ein Förderplus von zehn Prozent sei denkbar.

»Die Elektromobilität wird kommen«, ist sich Henning Kagermann sicher. Das Verdienst der Materialwissenschaft dabei könne sein, die größte Bremse des Elektroauto-Durchbruchs zu lösen: die niedrige Reichweite der Batterien. »Wir müssen die Lithium-Ionen-Technik optimieren und uns gleichzeitig fragen: Was kommt danach?«, schildert Henning Kagermann die Herausforderung. Im Flugzeugbau könnten optimierte Hüllen dafür sorgen, Kraftstoff zu sparen und so die Umwelt zu schonen.

Merck-Forscher Thomas Geelhaar hat zwei LED-TVs mitsamt Brillen dabei, demonstriert dem Publikum neue Generationen von 3-D-TVs und kündigt holographische Displays an Fernsehern an, deren technische Voraussetzungen ebenfalls von Materialforschern stammen würden.

Eine wichtige Rolle soll die Materialforschung laut Zehn-Punkte-Programm auch in der Gesundheitstechnik spielen. Thomas Schmitz-Rode vom Institut für angewandte Medizintechnik an der RWTH Aachen zeigt das Modell eines künstlichen Herzens. Hocheffiziente Magnete würden dafür sorgen, dass das Gerät nicht verschleiße, spezielle Sensoren messen Blutdruck und die Bewegung des Trägers. Diese Sensoren geben dem Kunstherz Informationen darüber, wie schnell es zu schlagen hat.

Henning Kagermann zeigt schließlich, dass selbst aus Beton mehr werden kann als graue Wand: Er hält einen Flakon hoch, in dem Parfümflaschen Platz finden. Sexy geht also doch.


 
 
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