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21. Dezember 2011  | bif

Die neue alte Kargheit

TUD – Das Physik-Hörsaalgebäude wurde für 4,3 Millionen Euro technisch und energetisch auf den neuesten Stand gebracht

Denkmalgerecht saniert: Der  Große Hörsaal der Experimentalphysik der Technischen Universität wurde am Dienstag von TU-Präsident Hans Jürgen Prömel und Wissenschaftsministerin Eva Kühne-Hörmann  offiziell wiedereröffnet.  Foto: Roman Grösser
| Vergrößern | Denkmalgerecht saniert: Der Große Hörsaal der Experimentalphysik der Technischen Universität wurde am Dienstag von TU-Präsident Hans Jürgen Prömel und Wissenschaftsministerin Eva Kühne-Hörmann offiziell wiedereröffnet. Foto: Roman Grösser

Wo gepinselt worden war, wurde wieder gepinselt, wo mit kleinen Kellen verputzt worden war, wurde mit kleinen Kellen drübergeputzt. So blieb die Originaltextur erhalten. Der Holzrahmen, der einst kunststoffbespannte Klappsitze hielt, trägt noch die Spuren von Filzstiften und Kulis aus vergangenen Jahrzehnten. Nur die Kunststoffbespannung ist weg und durch einen Lack in derselben Farbe ersetzt.
Am Dienstagnachmittag haben die hessische Wissenschaftsmintserin Eva Kühne-Hörmann und TU-Präsident Hans Jürgen Prömel den denkmalgeschützten und nun sanierten Physikhörsaal von 1955 an der Hochschulstraße offiziell wiedereröffnet. Tatsächlich finden dort aber schon seit Vorlesungsbeginn wieder 250 Studenten auf regulären Klappsitzen und 80 Studenten auf Notsitzen Platz. Nun ist aber das komplette Gebäude saniert.

Der klare, karge dreigeschossige Bau mit seinen Natursteinwänden und der Fensterfront ersetzte 1955 das im Krieg zerstörte alte Hörsaalgebäude. Die Architekten verzichteten bewusst auf Monumentalarchitektur und vermieden jeden Bezug auf die problematische Vergangenheit, führte Architekt Jürgen Hamm aus. Die Demokratisierung der Form begeisterte den Darmstädter Architekturprofessor und Meisterbauer Ernst Neufert so, dass das Gebäude Eingang in seinen Lehrbuch-Klassiker „Die Bauentwurfslehre“ fand, wie TU-Präsident Prömel erzählte.
Dem Sanierungsarchitekten Hamm ging es darum, „die Eigenheiten und Stärken des Gebäudes zu kennen und mit den veränderten technischen Parametern in die Gegenwart zu holen“. So finden sich an den Seitenwänden wieder Paneele mit Fichtenfurnier, das liebevoll gemessert daherkommt als sei es Nussbaum.
Dahinter ist alles neu, „gefühlte Kilometer von Kabeln und Leitungen“ verschwanden in den Wänden, wie Architekt Hamm sagte. Denn der Hörsaal für experimentelle Physik ist vollgestopft mit Technik. Die zahlreichen Nebenräume dienen vor allem als Lager für Versuchsanordnungen und Material.
Die 4,3 Millionen Euro teure Sanierung wurde zum größten Teil über das Konjunkturpaket II des Landes finanziert. Angesichts der stark gestiegenen Studentenzahlen – Prömel sprach von der am schnellsten wachsenden Universität Hessens und 43 Prozent Zuwachs seit 2007, Kühne-Hörmann von zehn Prozent weniger – spiele die Sanierung des großen Hörsaals eine „zentrale Rolle“ (Prömel).

Hier gibt es nicht nur Experimentalphysik für Studenten, sondern auch die „Saturday Morning Physics“-Reihe für Schüler, Vorlesungen anderer Fachbereiche, Klausuren und sogar Konzerte, zählte Dekanin Barbara Drossel die Nutzungsvielfalt des schall- und erschütterungsisolierten Saals auf.
Von der „sehr sehr guten Akustik“ hatte auch die Wissenschaftsministerin schon gehört, die das Baumanagement der in diesem Bereich autonomen TU Darmstadt ausdrücklich dafür lobte, dass alle Maßnahmen immer im Zeit- und Kostenrahmen und für die Nutzer optimiert umgesetzt würden. „Das schaffen alle anderen nicht“, sagte Eva Kühne-Hörmann.
Vom Konjunkturpaket II (Kühne-Hörmann: „für uns ein Segen“) und seinen 114 Sanierungsprojekten sind sieben aus Darmstadt, unter anderem auch das Hochschulbad, zwei Mensen und die Neuferthalle. Da das Geld zeitlich befristet zur Verfügung steht, war es wichtig, dass das Physikhörsaalgebäude noch in diesem Jahr fertig wurde und auch noch abgerechnet wird. Das hat geklappt. Die Wissenschaftsministerin entschieden: „Wir geben nicht einen Cent an den Bund zurück.“

 
 
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