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22. Februar 2012  | ats

„Wir spinnen einfach mal“

Architektur – Studenten präsentieren Vorschläge für einen Neubau des Waldkunstzentrums

Das Modell von Student Nour Aldebssi zeigt, wie das Waldkunstzentrum  aussehen könnte. Foto:  Kristof Lemp
| Vergrößern | Das Modell von Student Nour Aldebssi zeigt, wie das Waldkunstzentrum aussehen könnte. Foto: Kristof Lemp
DARMSTADT. 


„Wir spinnen einfach mal“, sagt Kerstin Schultz über die ungewöhnliche Kooperation zwischen Universität und IWZ. Vor ihr stehen acht Modelle ihrer Studierenden, die derzeit in den Räumen des Waldkunstzentrums ausgestellt sind. Ein Semester lang hatte die Professorin, zuständig für den Fachbereich Architektur, ihre Bachelor-Anwärter über der Frage brüten lassen, wie sich die 600 schlauchförmigen Quadratmeter des IWZ-Geländes architektonisch verwandeln und in ihrer Nutzung optimieren lassen.
Die Schwierigkeit lag darin, das unförmige, zum Waldsaum hin abschüssige Grundstück so sensibel zu bebauen, dass einerseits die Idee der Kultur-Natur-Verschmelzung zum Ausdruck käme. Andererseits müssten sämtliche Nutzungsoptionen des vielseitig aktiven Vereins gewährleistet sein: Es sollte Ausstellungsflächen im Innen- und Außenbereich sowie Büros für die Verwaltung, eine Werkstatt sowie ein Gästehaus für Künstler geben. Und das alles in der Größenordnung „eines anspruchsvollen Einfamilienhauses“, präzisiert Kerstin Schultz den Umfang.

Die Modelle

sind bis 15. März dienstags bis freitags von 10 bis 14 Uhr im IWZ Darmstadt, Ludwigshöhstraße 137 oder nach Absprache (06151 7899537) zu sehen.


Der benachbarte Wald, der malerisch ins Grundstück wuchert, diente den vor Ort ausschwärmenden Studenten als primäre Inspirationsquelle, wie die Ergebnisse zeigen: Holzleichtbau, Fassaden aus Rinde, Dach- und Wandbegrünungen nehmen Farbigkeit und Materialität der Umgebung auf. Eine schwebende Konstruktion mit Glas-Holz-Fassaden macht das Hausinnere durchlässig für Licht und Laubgrün.

Ein anderer Entwurf fantasiert den Eingang des Gebäudekomplexes unterirdisch: Besucher pirschen sich über terrassierte Ebenen vom öffentlichen in den für Künstler vorbehaltenen Raum vor, der von Grün umschmiegt über der Erde liegt. Als Künstlerdorf, das mit Ästen und Laubhainen die Waldstruktur spiegelt, ließe sich das IWZ ebenso vorstellen wie als Landschaftsfaltung, welche die Besucher in ein Labyrinth aus Höfen und Wänden, durchdrungen von Naturwuchs, entführt. Erweiterbarkeit und Transparenz, Schlichtheit, Flexibilität und Charme bilden den kleinsten gemeinsamen Nenner der Exponate. Sie zeigen, dass zeitgenössische Architektur und Natur harmonieren können.
Eine Prämisse von Kerstin Schultz ist es, Studierenden Experimentierfelder unter authentischen Bedingungen zu ermöglichen. Bei einem Besuch des IWZ hatte es ihr die waldnahe Lage und die urwüchsige Atmosphäre des Vereinsgeländes angetan. „Das Zentrum ist international bekannt geworden und das trotz seiner bescheidenen Räumlichkeiten.“ Seit Jahren floriert dort die Kunst, obwohl die Gebäude auf dem Gelände marode, die Räume für die vielen Mitarbeiter zu eng und das unebene Gelände für Ausstellungen schwer bespielbar ist. Dennoch: Rund 1500 Besucher ließen sich 2011 über das Gelände führen und für die Arbeit des Vereins begeistern lassen, sagt Ute Ritschel, Initiatorin von Waldkunst und Vereinsvorstand.
Doch so schön die Vorstellung eines naturdurchlässigen Neubaus ist: Es bleibt ohne Aussicht auf Verwirklichung. Der Nutzungsvertrag für das Grundstück läuft 2012 aus. Ohnehin darf auf dem Gelände wegen Bestandsschutz nicht gebaut werden. Schultz hat trotzdem angebissen: „Wir haben ein Pilotprojekt entwickelt, bei dem es uns darum ging, die Waldqualität in die Bebauung einzubeziehen, ohne etwas anderes zu verdrängen.“

 
 
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