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21. Juli 2009  | Annette Krämer-Alig

Zum Design geht es in den Keller

Inhaltliche Möglichkeiten mit 50 Stichworten von Objektpaaren

CARINA GROLL
| Vergrößern | Modellausstellung: Carina Groll zeigt hier ihre Vision für ein neu gestaltetes Darmstädter Design-Institut. Im Institut für Neue Technische Form (Friedensplatz 10) sind die Modelle von Studenten der Hochschule Darmstadt derzeit auch zu sehen. Umgesetzt werden sie nicht. Foto: Günther Jockel
CARINA GROLL
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Modellausstellung: Carina Groll zeigt hier ihre Vision für ein neu gestaltetes Darmstädter Design-Institut. Im Institut für Neue Technische Form (Friedensplatz 10) sind die Modelle von Studenten der Hochschule Darmstadt derzeit auch zu sehen. Umgesetzt werden sie nicht. Foto: Günther Jockel
Die Riesenmenge an Material braucht Raum und kommt deshalb in einen Keller vor dem Haus am Friedensplatz. Darin sind sich die 14 Innenarchitektur-Studenten der Darmstädter Hochschule einig, deren Entwürfe für eine zukunftsweisende Gestaltung des Instituts für Neue Technische Form (Intef) in dessen Institutsräumen im barocken Vielzweckgebäude „Langen Bäuche“ am Darmstädter Friedensplatz gezeigt werden. „Design und Raum“ heißt die Schau. Denn neben den Pappmodellen für ein umgebautes Haus stehen auch viele Beispiele des Intef-Sammlungsguts für mögliche neue Säle.

Groß ist die Wahrscheinlichkeit nicht, dass das Intef auf Dauer im „Langen Bäuche“ bleiben kann, und noch haben die Tausende von Design-Stücken nur einen provisorischen Platz in verschiedenen Darmstädter Kellern, wohin sie wegen des erzwungenen Auszugs der großen Intef-Design-Sammlung aus dem Alfred-Messel-Haus am Darmstädter Eugen-Bracht-Weg gelangten. Die Dauer-Unterbringung mit einem schlüssigen, aber sehr teuren Konzept wäre freilich gut, wie diese Ausstellung im Gegenüber ihrer Teile zeigt.

Es herrscht Ausstellungs-Gedränge: Alles in allem mag dieses Intef-Provisorium nur rund vierzig Ausstellungsquadratmeter groß sein, seine inhaltlichen Möglichkeiten werden aber mit 50 Stichworten von Objektpaaren vorgeführt.

„Design und Fortschritt“ heißt es da – als Beispiele stehen sich der mechanische Handrührer des frühen 20. Jahrhunderts mit der schwingenden Metallfeder und das elektrische Handrührgerät der Nachkriegsjahrzehnte gegenüber. Oder: „Design und Verpackung“ – dazu gehören viele Parfümflaschen mit ihren rasch erkennbaren, weil produkttypischen Gestaltungen. Und zu „Design und Lehre“ sind längst legendär gewordene Designs der Ulmer Hochschule für Gestaltung zu sehen.

Die Darmstädter Hochschulstudenten und ihre Professorin Anke Mensing haben es vor diesem Materialgedränge um so leichter, ihre Ideen vorzustellen. Die Besucher können erleben – abnehmbar Stockwerk um Stockwerk – wie sich die Designstücke sehr viel weiträumiger und dabei der Sammlung angemessener zeigen könnten.

Dem architektonischen Gedankenspiel, das jeweils auch in zugehörigen Plänen an der Wand entwickelt wird, ging eine Fragestellung voraus: „Wie lässt sich ein zeitgemäßes neues Institut mit Sammlungs- wie Veranstaltungsnotwendigkeiten in den historischen Räumen aufbauen?“, war die Aufgabe Anke Mensings.

Daran wurde von November bis Februar gearbeitet. Mensing hat den Studenten Vorgaben mit auf den Weg zum Entwurf gegeben: „Bedingung war nicht nur, die Sammlung unterzubringen, sondern beispielsweise auch vom Dach her natürliches Licht ins Haus zu bringen oder Toiletten, Garderobe und Fluchtwege zu schaffen“, sagt sie.

Dafür wurden die Sammlungen in allen Entwürfen in das neue Untergeschoss gebracht. Davor oder an Hausseiten entstanden gläserne Anbauten, die barocken Fenster wurden bis zum Boden verlängert oder wichen sogar einer modernen Glasfront. Die Eingriffe sind augenfällig. Doch auch im Inneren zeigen die 14 kommenden Innenarchitekten eine Menge Neues.

Alle gehen davon aus: Die Zwischenwände haben zu fallen, damit aus kleinen Räumen durchgängige Stockwerke und Funktionseinheiten werden; wo nötig, muss zugunsten von Licht und Weite auch eine Hälfte der Raumdecke herausgenommen werden.

Carina Groll beispielsweise lässt Licht zusätzlich vom Platz aus in den Sammlungsraum im Keller dringen. In ihr Haus gelangt man durch einen neuen Einweg an der Südseite, von dort aus geht es hinter einer neuen Glaswand an der Längsfassade des Barockhauses am Platz entlang.

Bis zu zwei Treppen, dann fällt die Entscheidung – entweder führt der Weg hinunter zur Ausstellung, die dank eines aufwendigen Schranksystems ganz untergebracht ist, oder der Besucher bleibt im Erdgeschoss mit Shop- und Café-Bereich.

Hinauf geht es unters barocke Mansard-Dach, wo sich Arbeitsbereiche für die Mitarbeiter des Intef und ein Besprechungsraum befinden sollen. Es ist eine schlüssige Lösung, ein anderer Student wird jedoch weitaus radikaler: Durch den Innenbau zieht sich als Orientierung von Stockwerk zu Stockwerk und Funktion zu Funktion ein giftgrünes Signalband. „Starke Ideen sollen tragen, es sollen sich Regeln entwickeln“, sagt Anke Mensing zu Allem.

„Out of Campus – Design und ... ... Raum“

19. Juli bis 22. August 2009
Langes Bäuche
Friedensplatz 10
64289 Darmstadt

Öffnungszeiten:
dienstags bis samstags
von 10 bis 18 Uhr
und sonntags
von 11 bis 13 Uhr.

Im Internet: www.intef.de

 
 


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