Ein klares eigenes Profil und professioneller Umgang mit den Neuen Medien, dazu ein erweitertes Bildungsverständnis auf Politikerseite, darin liegt wohl die Zukunft der Offenen Kinder- und Jugendarbeit. Am Mittwoch war Fachtag im Muckerhaus, veranstaltet von der Arbeitsgruppe „Initiative Jugend“, in der Vertreter des HDA-Fachbereichs Soziale Arbeit und der Praxis organisiert sind. Hundert Sozialpädagogen aus Südhessen waren da, 20 mussten abgewiesen werden, wie Ludwig Seelinger vom Praxisreferat der Hochschule sagte.
Das breite Interesse zeigt, wie wichtig „Professionelles Handeln in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit“ – so der Titel des Fachtags – tatsächlich ist. Die Herausforderungen haben sich geändert und damit auch die Anforderungen an die Mitarbeiter der Jugendhäuser.
„Die Neuen Medien gehören zur Alltagskultur“, sagte HDA-Professor Franz Josef Röll. Jugendliche seien an mobile Kommunikation, SMS, Twitter, blogs, Wikis und soziale Netzwerke gewöhnt, würden dort interagieren und partizipieren.
In der Pädagogik stünden dagegen erzieherische Konzepte im Vordergrund. Die medialen Kompetenzen der Jugendlichen sind für viele Sozialpädagogen Neuland. Beim in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit üblichen ressourcenorienten Ansatz geht es darum, Stärken zu fördern, Defizite nicht in den Mittelpunkt zu stellen. Das sei auch im Umgang mit Jugendlichen und Neuen Medien so: „An den Kompetenzen ansetzen und die Ressourcen nutzen“, sagte Röll.
Letztlich müssen die Sozialpädagogen helfen, die Jugendlichen fit für die – auch mediale – Gesellschaft zu machen, „damit sie mit ihren Fähigkeiten ihren Platz einnehmen können“, wie der Darmstädter Stadtjugendpfleger Rainer Claus sagte. „Selbstwirksamkeit“, nannte es Hochschulprofessor Röll, „lernen, dass sie auch Akteure sind und nicht nur Konsumenten.“
Das ist auch deshalb nicht einfach, weil „Pädagogen oft Vorbehalte gegen dieses Thema haben“, wie Sigrid Ehrmann vom Stadtjugendring Aschaffenburg feststellte. Aschaffenburg hat inzwischen ein Medien-Netzwerk geschaffen, in dem Träger von Jugend- und Medienarbeit, Beratungsstellen und auch die örtliche Zeitung zusammenarbeiten und ihre Kompetenzen den Schulen als Dienstleister anbieten.
Schule versteht sich immer noch als Ort der Bildungshoheit, bemängelten Teilnehmer der Pressekonferenz. Bildung werde aber auch in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit vermittelt. „Die Wertigkeit muss gleich sein“, forderte Stadtjugendpfleger Rainer Claus, „es kann nicht sein, dass wir hinten runter fallen.“ Zumal die in Kindern- und Jugendhäusern geleistete Beziehungsarbeit wesentlich komplexer ist als das Richtig-Falsch-System von Schulen.
Der Trend zur Ganztagsschule erschwert diese Gleichstellung allerdings ebenso wie die chronische Finanzmisere der öffentlichen Hand, was laut Uli Kratz vom Stadtjugendring Aschaffenburg zum „Kampf um die Ressourcen“ führt. Für ihn steht fest, dass die Finanzierung nur dann gesichert ist, wenn Offene Kinder- und Jugendarbeit „ihren Wert klar definieren kann“.
Einer ihrer Vorteile: Flexibilität. Im Gegensatz zur lehrplanorientierten Schule könnten die Sozialpädagogen „sehr schnell auf einen Bedarf reagieren.“ Wenn Träger und Kommunen diese Möglichkeiten und Chancen erkennen würden, wäre das für die Offene Kinder- und Jugendarbeit gut, sagte Kratz. Für ihn ist ohnehin klar: „Keiner kann die gesellschaftlichen Anforderungen alleine lösen.“
Mehr Profil, mehr Neue Medien
Fachtag: Hochschule und Sozialpädagogen über die Zukunft der Offenen Jugendarbeit
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