„Masterstudiengänge sind ein sich schnell entwickelnder Markt“, sagt Ralf Schellhase, tätig im Fachbereich Wirtschaft an der Hochschule Darmstadt. „Das stellt uns vor eine große Herausforderung.“ Ab dem Wintersemester nächsten Jahres wird es zum Beispiel den Masterstudiengang auch im Fach „Internationale BWL“.
Drei Unternehmensvertreter und drei Professoren der Hochschule debattierten am Mittwoch in einer Podiumsdiskussion über die Frage: „Bachelor, was dann?“ Berufsanfang – oder weiter studieren? „Wer morgen gewinnen will, muss sich heute schon über ein Konzept Gedanken machen“, sagt Holger Hiltmann, Leiter der kaufmännischen Ausbildung bei Merck.
Freilich ist der Markt der berufsbegleitenden Masterstudiengänge noch immer recht karg. Merck und Evonik werden erst in Kürze einen firmeninternen Master-Studiengang anbieten können. „Die Nachfrage ist enorm hoch“, sagt Thomas Pabst, der bei der Podiumsdiskussion Evonik vertritt. „Aber das Thema Master ist bei uns erst noch am Werden.“
Möglichkeiten der Weiterbildung für Studenten gibt es an der Hochschule Darmstadt besonders bei Informatik und Elektrotechnik. „Wir machen das schon sehr lang“, bekundet Inge Schestag, die für den Fachbereich Informatik tätig ist. Seit 1997 können Studenten neben ihrem Beruf Informatik studieren, und heute nebenher sogar einen Master machen. Die Kurse finden abends und am Wochenende statt. Vorteil dabei ist, dass den Studenten einige der entscheidenden Credit Points gutgeschrieben werden. Credit Points bekommt man für jede abgeschlossene Etappe des Studiums.
Wichtig war einigen Besuchern der Podiumsdiskussion, wie die Firmen einen Masterabschluss überhaupt bewerten. Durch die hohen Studentenzahlen an den Universitäten und Hochschulen steigt de facto die Zahl der Bachelorabsolventen, woraufhin der Abschluss an Wert verliert, und man sich mit einem Master von der Masse abheben könnte. Der Bachelor sei heute kaum noch vergleichbar mit seinem Vorgänger, dem Diplom, bemängeln Kritiker.
Thomas Pabst von Evonik stimmt dem zwar zu, betont aber, dass es meist sinnvoller sei, nach dem Bachelor erst zu arbeiten, Praxis zu sammeln, anstatt weiter zu studieren. „Es ist nicht wesentlich, das Maximale herauszuholen, sondern eher zu schauen: Wo sind meine Interessen? Brauche ich überhaupt einen Master?“, sagt er. „Lasst euch doch einfach mal Zeit!“
Holger Hiltmann von Merck ist derselben Meinung: „Einer Firma ist es egal, ob jemand einen Master hat, sie will nur, dass der Bewerber gut ist.“
Die Teilnehmer der Podiumsdiskussion bemängelten unterdessen, dass die Kommunikation zwischen Hochschule und Firmen noch nicht ausreichend sei. Für die Hochschule Darmstadt sei es oftmals schwer, den Ansprüchen der hiesigen Betriebe gerecht zu werden. Warum es noch keinen berufsbegleitenden Chemiestudiengang bei Evonik gebe, will ein Besucher am Ende wissen. „Der Bedarf ist da, das Angebot noch nicht“, sagt Thomas Pabst. „Es gibt eben noch viel zu tun.“
Erst arbeiten, dann weiterstudieren
Bildung: Podiumsdiskussion über die Frage, wie sinnvoll der Master-Abschluss ist
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