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06. Oktober 2011  | Von Annette Wannemacher-Saal

Auch Professor sein kann man üben

Pädagogik-Training: Mit einem hochschuldidaktischen Programm werden Lehrende auf ihre neue Rolle vorbereitet

Lernbereit: HDA-Professorin Nicola Erny und Professorenkollege  Christopher Almeling haben  von der Fortbildung profitiert. Foto: Roman Grösser
| Vergrößern | Lernbereit: HDA-Professorin Nicola Erny und Professorenkollege Christopher Almeling haben von der Fortbildung profitiert. Foto: Roman Grösser


Nicht nur knapp 3000 Studenten beginnen derzeit ein neues Semester an der Hochschule Darmstadt. Auch manch ein Lehrender betritt Neuland und steht das erste Mal vor einer Gruppe mit 50, 60 Studenten, um eine Vorlesung zu halten oder ein Seminar zu leiten. Werden neu berufene Professoren darauf vorbereitet? Gibt es eine Art Referendariat wie bei den Lehrern?
„Das nicht“, sagt Oliver Glindemann, Bildungsreferent an der HDA und Leiter des Kompetenzzentrums „Lehre plus“. Wohl aber bietet die HDA neu berufenen Professorinnen und Professoren in einer hochschuldidaktischen Woche ein maßgeschneidertes Programm, um ihnen den Einstieg ins Professoren-Dasein zu erleichtern.
Veranstaltet wird die Woche vom Verbund der fünf Hessischen Fachhochschulen, die seit Jahren ein gemeinsames Fortbildungsangebot für Lehrende und Mitarbeiter auf die Beine stellen. Wochen- und Tagesseminare zur Einbindung von Lehrbeauftragten gehören dazu oder Workshops für Studierende und Lehrende zu Grundsätzen guter Lehre.
Christopher Almeling hat solch eine hochschuldidaktische Woche gerade hinter sich. Der 36 Jahre alte Betriebswirt, der bis 2010 als Wirtschaftsprüfer gearbeitet hat, ist seit gut einem Jahr Professor für Rechnungswesen und Wirtschaftsprüfung an der HDA. Der Wechsel aus der Wirtschaft an die Hochschule war gewollt und sei „ausgesprochen reizvoll“, sagt Almeling: „In der Lehre blickt man immer wieder über den Tellerrand, hat unglaublich viele Möglichkeiten“ – vor allem in Zusammenarbeit mit anderen Fachbereichen.
Seine Kollegin Nicola Erny, 50 Jahre alt und Psychologin, ist ebenfalls seit einem Jahr Professorin an der HDA im Fachgebiet Philosophie. Sie genießt die Lehre und freut sich über zahlreiche Anknüpfungspunkte etwa bei Fragen der Wirtschafts-, Forschungs-, Wissenschafts- oder Biologie-Ethik.
Die beiden haben das Angebot ihrer Hochschule gerne angenommen und einen Platz bei der stark nachgefragten Fortbildung ergattert. Generell ist die Warteliste lang, das Angebot kann den Bedarf nicht decken und Professoren müssen sich etwas gedulden, bis sie sich wie Erny und Almeling dem „Einstieg“ in die Lehre widmen können.
Die beiden reisten nach Fulda, auf den Frauenberg ins Franziskaner-Kloster, wo laut Erny „Entschleunigung“ groß geschrieben wird. Fünf Tage lang wurde ihre Rolle als Hochschullehrer, die Planung von Lehrveranstaltungen, die Reduktion der Stofffülle, das Arbeiten mit Gruppen und problemorientiertes Lernen trainiert.
Beide haben nicht nur die Abgeschiedenheit auf dem Klosterberg genossen – „es gab nur einen Computer und wir haben Tür an Tür mit den Brüdern gewohnt“ (Erny) – , sondern auch von dem praxisnahen Programm und dem Austausch mit den anderen Professorinnen und Professoren profitiert.
Da beide schon zwei Semester Lehrtätigkeit hinter sich haben, reisten sie mit einer Reihe von Fragen nach Fulda. „Wir waren ganz erpicht darauf, uns auszutauschen“, sagt Christopher Almeling. Zunächst war es für jeden Teilnehmer wichtig, die eigene Rolle zu reflektieren: „Was für ein Lehrtyp bin ich, introvertiert oder extrovertiert? Wie will ich eigentlich sein und wie gehe ich mit bestimmten Situationen um?“, ergänzt Kollegin Nicola Erny.
Patentrezepte habe man keine erarbeitet, wohl aber über Veranstaltungsplanung, Lehrkonzepte, Gruppendynamik gesprochen. Was die Professoren in Fulda praktizierten – beispielsweise einen Spaziergang machen und dabei komplexe Themen nicht nur sitzend, sondern beim entspannten Gehen zu lösen – , das kann auch an der Hochschule umgesetzt werden. So wird Nicola Erny in Zukunft bei Blockseminaren Entspannungsübungen und Gänge in die Natur einschieben.
Bewegung will auch Almeling in seine Seminare einbauen und Exkursionen anbieten, bei denen die HDA an anderen Hochschulen Studierende und Vertreter aus der Praxis trifft.

Kompetenzzentrum

Angebote des Kompetenzzentrums sind zu finden auf www.h-da.de/kompetenzzentrum

Dabei profitiert er von Kontakten, die er als Wirtschaftsprüfer aufgebaut habe. Almeling ist wichtig, dass er einen „Mehrwert gegenüber einem Buch“ bietet und dass er sich selbst konkrete Ziele steckt, um zu wissen, wohin er mit den Studenten in einem Semester kommen will.
Auch werden die beiden HDA-Professoren künftig eine Erkenntnis aus der Hirnforschung berücksichtigen. Dass nach vier bis fünf Minuten im Hörsaal die Aufmerksamkeit nachlässt, sei wichtig zu wissen. „Da muss man sich eben etwas Pfiffiges einfallen lassen“, sagt Erny. Ob sie die Anregungen aus der hochschuldidaktischen Woche erfolgreich umsetzen, werden die beiden nun merken. Darüber austauschen können sie sich bei einem Workshop aller Fulda-Teilnehmer, die Ende des Jahres erneut zwei Tage zusammenkommen.                             

 
 
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