Wie ein Mangelberuf attraktiver wird
Erziehung: Semesterpressekonferenz der Evangelischen Fachhochschule mit Präsidentin Alexa Köhler-Offierski
Wer heute etwas über Hochschulen sagt, redet über den ,,Bologna"-Prozess. Dabei handelt es sich um den Übergang herkömmlicher Diplom- oder Magisterstudiengänge zu Europa-konformen Modulen, die zu Bachelor- und Master-Abschlüssen führen. Studierende beklagen sich über häufige Klausuren - und noch läuft das System nicht überall rund. Einige neue Ideen wären in dem alten System allerdings gar nicht zu realisieren, berichtete am Mittwoch Alexa Köhler-Offierski, Präsidentin der Evangelischen Fachhochschule Darmstadt (EFH), bei der Semesterpressekonferenz. ,,Viele Erzieherinnen haben den mangelnden Anschluss an die aktuelle Forschung beklagt", sagt die Hochschulpräsidentin, ,,darauf haben wir 2007 mit einem Verbundstudiengang reagiert." Wenn die Aspirantinnen (noch bewerben sich Männer nur zu einem Zehntel) eine zweijährige Fachschule durchlaufen haben, schließen sie mit der ersten Modulprüfung ab. Es folgt ein sechsmonatiges Berufspraktikum, an das sich drei Semester an der EFH anschließen. Nach der Abschlussarbeit ist die Ausbildung zur Erzieherin beendet - und gleichzeitig der B. A.-Studiengang. Claudia Maier-Höfer ist die Studiengangsleiterin und konnte in diesem Semester erstmalig vierzig Studierende begrüßen. ,,Da die Hälfte in Teilzeit arbeitet, haben wir die Präsenzzeiten an der Hochschule auf zweieinhalb Tage geblockt", erläutert sie. Oft finden auch samstags Seminare statt. Viele Skripte stellt sie ins Internet, über das die Studierenden auch den ständigen Kontakt mit ihr halten. Natürlich müssen sie darüber hinaus in Bibliotheken recherchieren und exzerpieren, wie alle anderen Studenten auch, aber sie können sich die Zeiten besser einteilen. Grundsätzliche Probleme gibt es dennoch, wie Lucia Rüffert vom Kasseler Fröbelseminar erzählt: ,,Leider ist es schwierig, hier ein Zimmer zu bekommen." Ihre Kommilitonin Lena Blechschmitt vom Elisabethenstift hat es da einfacher. Andrea Miotk hingegen ist schon zehn Jahre im Beruf, leitet eine Kindertagesstätte in Schwalmstadt und studiert Vollzeit. ,,Es ist unglaublich, wie sich die Pädagogik in zehn Jahren verändert hat", sagt sie, ,,aber die Kinder verändern sich genau so schnell."Denn für diesen Studiengang werden auch Menschen angesprochen, die schon einige Jahre im Beruf sind. Vier Fachschulen in Hessen warten auf 75 Bewerber im Semester, wobei es weniger auf die Noten, als auf das soziale Engagement ankommt. Die Studiengangsleiterin wird am Montag nach Berlin fahren und Bundesbildungsministerin Annette Schawan den bundesweit einmaligen Verbundstudiengang vorstellen. ,,Das ist in Ballungsräumen wie dem Rhein-Main-Gebiet ein Mangelberuf, weil er als nicht besonders attraktiv gilt", weiß die Hochschulpräsidentin, ,,doch durch die Akademisierung wird sich dies hoffentlich bald ändern."
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