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29. März 2011  |  mand

Unternehmensberater für diakonische Betriebe

Auszeichnung: Evangelische Fachhochschule Darmstadt verleiht den Hochschulpreis 2011 an Christine Falkenberg

Zwei Ausgezeichnete: links Christine Falkenberg (Hochschulpreis 2011), rechts Bettina Raab (Anerkennungspreis).   Foto: Roman Grösser
| Vergrößern | Zwei Ausgezeichnete: links Christine Falkenberg (Hochschulpreis 2011), rechts Bettina Raab (Anerkennungspreis). Foto: Roman Grösser


Die Gilde der Unternehmensberater ist eine Boom-Branche. Ihr Umsatz in Deutschland betrug im vergangenen Jahr fast zwanzig Milliarden Euro. Dabei sind ihre Dienste meist nicht unter achthundert Euro am Tag zu bekommen – was vermutlich auch an den steuerlichen Subventionen für Beratungsleistungen liegt. Sozialen Organisationen stehen diese kaum zur Verfügung, weswegen die Studentin Christine Falkenberg sich für ihren Abschluss dieses Thema vornahm. Damit errang sie, am Freitag in der Evangelischen Fachhochschule Darmstadt überreicht, den mit tausend Euro dotierten Hochschulpreis 2011.
Die Diplom-Pädagogin war nach einer fünfjährigen Baby-Pause in die Nieder-Ramstädter Diakonie zurückgekehrt und übt schon einige Zeit dort eine leitende Tätigkeit aus. „Wie suchen diakonische Betriebe, die seit über hundert Jahren bestehen, Unternehmensberater aus?“ fragt sie in ihrer Arbeit und antwortet: „Sie lassen sich solche meist empfehlen.“ Dazu muss allerdings zuerst eine klare Ausgangsfrage gestellt werden, damit nicht reagiert, sondern agiert wird. An die Berater soll auf keinen Fall eine Leitungsfunktion abgegeben werden – und das muss den Mitarbeitern ebenfalls kommuniziert werden.
Andererseits sollen Unternehmensberater auf keinen Fall unangenehme Management-Entscheidungen legitimieren. Darüber hinaus arbeiten manche Beratungsunternehmen vor allem auf Folge-Aufträge hin und möchten am liebsten ständig in diesem Betrieb tätig werden. Es ist also ganz schön knifflig, was sich soziale Unternehmen verstärkt seit den neunziger Jahren vornehmen. „Frau Falkenberg hat angeregt, einen informellen Berater-Pool anzulegen“, freut sich Udo Lück von der Jury des Hochschulpreises, „die von ihr erarbeiteten Interviewfragen könnte man dafür sofort als Auswahl-Raster unterlegen.“
„Mit diesem Preis belohnen wir normalerweise bedeutende Arbeiten im diakonischen, kirchlichen oder sozialen Bereich“, erläutert Wolfgang Paul von der Hochschulgesellschaft, „doch in diesem Jahr vergeben wir einen Anerkennungspreis für eine Arbeit außerhalb dieser Kriterien.“ Gemeint ist eine Untersuchung über Familienbetriebe von Bettina Raab. In mittelständischen Unternehmen mit Umsätzen von mehr als einer Million Euro fand sie heraus, warum sie so erfolgreich sind: Der kleine Eigentümerkreis, gute Produkte, fähige Mitarbeiter und langjährige Kunden sorgen hier für gute Geschäfte.
Der Aufbau-Studiengang trägt den englischen Titel „Management in Social Organisations“ und dauert fünf Semester. „Es soll insbesondere auch eine Werte-Orientierung vermittelt werden“, erklärt Studiengangsleiter Michael Vilain, „das sogenannte Darmstädter Managementmodell hat als Grundlage eine ethische Reflexion.“ Derzeit treffen sich hier 58 Studierende, die sich alle persönlich kennen. Vielleicht liegt es daran, dass 95 Prozent der Teilnehmer auch tatsächlich den Master-Abschluss schaffen.

 
 
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