Warum Alexa Köhler-Offierski der Evangelischen Fachhochschule (EFH) und damit Darmstadt so lange treu bleibt? Auf diese Frage muss die Präsidentin lachen. Die wohlüberlegte Antwort ist jedoch ernst gemeint: »Ich brauche meine Arbeitsstelle nicht zu wechseln, sie wandelt sich ständig von selbst.« Alexa Köhler-Offierski hat zum Wintersemester ihre fünfte Amtszeit als Präsidentin der EFH angetreten. Damit ist die Sechzigjährige in Deutschland die Hochschulpräsidentin mit der längsten Amtszeit. Die in Niedersachsen geborene Sozialmedizinerin kam bereits 1976 nach Darmstadt. Seit 16 Jahren leitet sie die kirchliche Hochschule, die für soziale und pflegerische Berufe qualifiziert. In ihre Amtszeit fällt die Einführung der Studiengänge Pflegewissenschaft, Integrative Heilpädagogik, Psychosoziale Beratung und Management in sozialen Organisationen sowie des Studienganges »Bildung und Erziehung in der Kindheit«.Darmstadt stellt für die Präsidentin einen »Kompromiss zwischen Schwarzwald und Norddeutschland« dar. Nicht nur die Landschaft habe sie lieb gewonnen, auch das kulturelle Leben genießt die Professorin, die in Bessungen lebt. Die EFH mit 1200 Studierenden und rund 40 Lehrenden ist für die ausgebildete Psychiaterin »ein toller Ort, der das Interesse an wissenschaftlicher Arbeit mit der beruflichen Praxis verbindet«.Die Auseinandersetzung mit dem Evangelischsein will Alexa Köhler-Offierski auch in ihrer neuen Amtsperiode lebendig halten. Sie selber habe Kirche immer auch als Bildungsort verstanden. Gerade erst haben die Lehrenden der EFH bei einer Klausurtagung das Leitbild der Hochschule überprüft. Konsequenz für die Gestaltung der Studiengänge ist, aus einem christlichen Menschenbild heraus die Gefährdung der Gesellschaft durch das Auseinanderdriften von Arm und Reich zu thematisieren. »Wie kann Partizipation ermöglicht und soziale Ausschließung aufgrund von Machtverhältnissen in der Gesellschaft verhindert werden?« sei eine zentrale Fragestellung. Im Zuge der Umbaumaßnahmen soll ein neuer »Raum der Stille« eingerichtet werden. Heute brauche es auch in Bezug auf Spiritualität »etwas anderes als in den siebziger Jahren«. Anders als zur Gründungszeit der EFH Anfang der siebziger Jahre nehme heute die Forschung einen höheren Stellenwert an der Fachhochschule ein. Die Verknüpfung von Forschung und Praxis zeige sich in konkreten Projekten. Die EFH-Professorin Anna-Dore Stein unterstützt etwa seit einem Jahr die Entwicklung der Wichernschule der Nieder-Ramstädter Diakonie zur inklusiven Schule. Ein weiteres Beispiel für eine Interaktion zwischen Wissenschaft und Praxis sei das Projekt »bespielbare Stadt« von Professor Bernhard Meyer. Der neue Studiengang »Bildung und Erziehung in der Kindheit« bringt wissenschaftliche Erkenntnisse in die vorschulische Bildung etwa in Kitas oder Krippen ein.Eine Herausforderung für die neue Amtsperiode sei auch die Überprüfung der Strukturen der Selbstverwaltung, eine weitere der durch G8 verursachte doppelte Bewerberjahrgang. Schon jetzt gebe es im Studiengang soziale Arbeit zehnmal mehr Bewerber als Plätze. Froh ist Alexa Köhler-Offierski, dass die Finanzierung der EFH seit der Akkreditierung durch den Wissenschaftsrat nun gesichert sei. Es habe sie und die Mitarbeitenden in der Vergangenheit stark belastet, wenn die Weiterführung der Hochschule von der Kirchensynode infrage gestellt wurde. Die Träger, die Evangelischen Kirchen in Hessen und Nassau und Kurhessen-Waldeck sowie das Diakonische Werk, decken zwei Drittel, der Anteil des Landes Hessen ist auf 23 Prozent angestiegen. Den Rest finanziert die EFH durch Fortbildungen. Dass ihre Mitarbeitenden trotz unsicherer Zeiten stets neue Studiengänge entwickelt hätten, sei ein Grund, warum die Präsidentin gern hier arbeite. »Leben bedeutet Veränderung«, weiß Alexa Köhler-Offierski.
Präsidentin mit der längsten Amtszeit
EFH Darmstadt: Alexa Köhler-Offierski geht optimistisch in ihre fünfte Amtsperiode
Warum Alexa Köhler-Offierski der Evangelischen Fachhochschule (EFH) und damit Darmstadt so lange treu bleibt? Auf diese Frage muss die Präsidentin lachen. Die wohlüberlegte Antwort ist jedoch ernst gemeint: »Ich brauche meine Arbeitsstelle nicht zu wechseln, sie wandelt sich ständig von selbst.« Alexa Köhler-Offierski hat zum Wintersemester ihre fünfte Amtszeit als Präsidentin der EFH angetreten. Damit ist die Sechzigjährige in Deutschland die Hochschulpräsidentin mit der längsten Amtszeit. Die in Niedersachsen geborene Sozialmedizinerin kam bereits 1976 nach Darmstadt. Seit 16 Jahren leitet sie die kirchliche Hochschule, die für soziale und pflegerische Berufe qualifiziert. In ihre Amtszeit fällt die Einführung der Studiengänge Pflegewissenschaft, Integrative Heilpädagogik, Psychosoziale Beratung und Management in sozialen Organisationen sowie des Studienganges »Bildung und Erziehung in der Kindheit«.Darmstadt stellt für die Präsidentin einen »Kompromiss zwischen Schwarzwald und Norddeutschland« dar. Nicht nur die Landschaft habe sie lieb gewonnen, auch das kulturelle Leben genießt die Professorin, die in Bessungen lebt. Die EFH mit 1200 Studierenden und rund 40 Lehrenden ist für die ausgebildete Psychiaterin »ein toller Ort, der das Interesse an wissenschaftlicher Arbeit mit der beruflichen Praxis verbindet«.Die Auseinandersetzung mit dem Evangelischsein will Alexa Köhler-Offierski auch in ihrer neuen Amtsperiode lebendig halten. Sie selber habe Kirche immer auch als Bildungsort verstanden. Gerade erst haben die Lehrenden der EFH bei einer Klausurtagung das Leitbild der Hochschule überprüft. Konsequenz für die Gestaltung der Studiengänge ist, aus einem christlichen Menschenbild heraus die Gefährdung der Gesellschaft durch das Auseinanderdriften von Arm und Reich zu thematisieren. »Wie kann Partizipation ermöglicht und soziale Ausschließung aufgrund von Machtverhältnissen in der Gesellschaft verhindert werden?« sei eine zentrale Fragestellung. Im Zuge der Umbaumaßnahmen soll ein neuer »Raum der Stille« eingerichtet werden. Heute brauche es auch in Bezug auf Spiritualität »etwas anderes als in den siebziger Jahren«. Anders als zur Gründungszeit der EFH Anfang der siebziger Jahre nehme heute die Forschung einen höheren Stellenwert an der Fachhochschule ein. Die Verknüpfung von Forschung und Praxis zeige sich in konkreten Projekten. Die EFH-Professorin Anna-Dore Stein unterstützt etwa seit einem Jahr die Entwicklung der Wichernschule der Nieder-Ramstädter Diakonie zur inklusiven Schule. Ein weiteres Beispiel für eine Interaktion zwischen Wissenschaft und Praxis sei das Projekt »bespielbare Stadt« von Professor Bernhard Meyer. Der neue Studiengang »Bildung und Erziehung in der Kindheit« bringt wissenschaftliche Erkenntnisse in die vorschulische Bildung etwa in Kitas oder Krippen ein.Eine Herausforderung für die neue Amtsperiode sei auch die Überprüfung der Strukturen der Selbstverwaltung, eine weitere der durch G8 verursachte doppelte Bewerberjahrgang. Schon jetzt gebe es im Studiengang soziale Arbeit zehnmal mehr Bewerber als Plätze. Froh ist Alexa Köhler-Offierski, dass die Finanzierung der EFH seit der Akkreditierung durch den Wissenschaftsrat nun gesichert sei. Es habe sie und die Mitarbeitenden in der Vergangenheit stark belastet, wenn die Weiterführung der Hochschule von der Kirchensynode infrage gestellt wurde. Die Träger, die Evangelischen Kirchen in Hessen und Nassau und Kurhessen-Waldeck sowie das Diakonische Werk, decken zwei Drittel, der Anteil des Landes Hessen ist auf 23 Prozent angestiegen. Den Rest finanziert die EFH durch Fortbildungen. Dass ihre Mitarbeitenden trotz unsicherer Zeiten stets neue Studiengänge entwickelt hätten, sei ein Grund, warum die Präsidentin gern hier arbeite. »Leben bedeutet Veränderung«, weiß Alexa Köhler-Offierski.
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