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04. Februar 2011  | Von Rebecca Keller

Ein halbes Leben an der Hochschule

EFH Darmstadt: „Ich habe meine Ideen erfolgreich verwirklichen können.“

Schägt ein Kapitel zu: EFH-Professor Bernhard Meyer  geht in den Ruhestand. Foto: Claus Völker
| Vergrößern | Schägt ein Kapitel zu: EFH-Professor Bernhard Meyer geht in den Ruhestand. Foto: Claus Völker




Eigentlich war der Gedanke an den Abschied für ihn „kein Moment der Irritation“. Als er aber Anfang Januar aus seiner letzten Lehrveranstaltung an der Evangelischen Fachhochschule Darmstadt (EFHD) ging, hat ihn das doch „emotional stark bewegt“. Doch „aufhören ist manchmal auch ganz schön.“
Seinem persönlichen Forschungsprojekt für den Ruhestand hat er den Arbeitstitel „Ein Leben ohne EFH ist möglich, aber sinnlos“ gegeben. Doch schon jetzt ist sich der gebürtige Hildesheimer sicher: „Ich stehe nicht vor der Sinnkrise.“ Der Familie wolle er sich jetzt mehr widmen, das Golfspielen ausbauen und vielleicht einen Männer-Kochclub gründen. Doch er bleibt der Hochschule verbunden: Für die Hobit wird er sich weiterhin einsetzen, für die „Stiftung Diakonie in Hessen und Nassau“ und deren Unterstiftung „EFH-Studienstiftung“.
Mit 65 Semestern hat der Fünfundsechzigjährige ein „halbes Leben an der Hochschule“ verbracht. Während er 1978 seine Rolle als Hochschullehrer erst finden musste, konnte er es in der Vätergeneration ertragen, dass seine Studenten Autoritätskonflikte mit ihren Eltern an ihm abarbeiteten. Das Stadium der Großvätergeneration bezeichnet Meyer, der vier Enkel hat, als „wunderschöne Zeit“.
Vor 20 Jahren hat er als Prorektor die Zeitstruktur der Curricula an der EFHD reformiert. Mitte der neunziger Jahre führte er Studieneingangsgruppen mit Bezugsprofessoren ein - mit Erfolg: Weit über dem Bundesdurchschnitt machen an der EFH 82 Prozent der Studierenden der Sozialen Arbeit einen Abschluss. 18 Jahre lang war Meyer zudem für die Öffentlichkeitsarbeit der EFHD zuständig. Dem Professor am Fachbereich Sozialarbeit/Sozialpädagogik lag stets das Erscheinungsbild seiner Hochschule am Herzen, so dass er jeden Tag Ordnung in die Aushänge brachte, wie es ein Hausherr tut. Neben seiner Lehrtätigkeit machte sich Meyer seit 1992 mit seinen Talk-Veranstaltungen „Unterm Lampenschirm“, „SonnTalk“ und zuletzt „Talk hinterm Bahnhof“ auch außerhalb der EFH in Darmstadt einen Namen.
Den Anstoß für seinen Forschungsschwerpunkt gaben die eigenen Kinder, die heute Ende 30 sind: Spielräume für Kinder und Jugendliche sowie deren Beteiligung an einer nachhaltigen Stadtentwicklung. Durch rund 75 Kommunen ist Meyer getourt und hat für die Politik die „Perspektive von Kindern auf deren Stadt“ erschlossen.
In Griesheim, wo er seit 30 Jahren mit seiner Frau Marlies lebt, hat Meyer mit seiner „bespielbaren Stadt“ ein Exempel statuiert. Hier gibt es jetzt 111 Spielobjekte, die durch von Kindern entwickelte Wege miteinander verbunden sind. Sein letztes Projekt steht ebenfalls kurz vor der Umsetzung: die „besitzbare Stadt“ für Senioren. Hier sollen Sitzmöglichkeiten aufgestellt werden, damit auch ältere Menschen sich künftig lieber mitten in der Stadt aufhalten.

Der Bezug der Lehre zum Leben war Meyer stets wichtig. „Ich bin im Grunde immer Sozialarbeiter geblieben“. An sein Studium der Sozialarbeit hängte er ein Pädagogik-Studium an. Neben der Gemeinwesenarbeit interessiert sich der Hochschullehrer für neue Technologien, genauer für „sozialverträgliche Technologieadaption“. Er sei kein „Technikfreak“, sagt Meyer, „aber ich will das Neueste in Bezug auf Folgen und Qualität für den Nutzer herausfinden.“
Seine Bilanz nach 32 Jahren an der EFH bringt er auf den Punkt: „Ich habe meine Ideen erfolgreich verwirklichen können.“ Die nötige Haltung - Motivation und Überzeugung - habe er dabei stets mitgebracht.

 
 
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