„Besserverdienende zetteln einen Klassenkampf von oben an“, sagt Wilhelm Heitmeyer. Der Pädagogikprofessor untersucht als Leiter des Instituts für Gewalt- und Konfliktforschung an der Uni Bielefeld, wo sich die Gesellschaft spaltet. Seit zehn Jahren befragt er repräsentativ ausgewählte Personen nach ihren Vorurteilen und hat bei einem Nettoeinkommen ab 2600 Euro einen Anstieg von „gruppenspezifischer Menschenfeindlichkeit“ ermittelt. Am Freitag sprach er im Rahmen der Konferenz „Inklusion im Widerspruch zur gespaltenen Gesellschaft“ an der Evangelischen Hochschule Darmstadt.
Unter Inklusion verstehen Soziologen die Teilhabe von Minderheiten an materiellen und kulturellen Gütern – aber auch die Teilnahme an politischen Diskussionen. Nach Heitmeyers Worten empfinden Langzeit-Arbeitslose die fehlende Anerkennung als besonders schmerzlich – und wer nicht anerkannt werde, lehne auch gesellschaftliche Normen ab.
„Wenn es nur noch um Nützlichkeit unter Effizienzgesichtspunkten geht, sind Hartz-IV-Empfänger nutzlos“, sagte Heitmeyer. „Die Logik des Kapitals ist an Integration nicht interessiert.“
Die alte Bundesrepublik war aus Sicht des Pädagogen ein soziales Erfolgsmodell. Nun sei der Gesellschaftsvertrag aufgelöst; seit der Wiedervereinigung beklagt er einen Kontrollverlust der Politik und einen Machtgewinn des Kapitals. Nach Heitmeyers Eindruck sieht ein großer Teil der Deutschen heute Fairness, Gerechtigkeit und Solidarität als nicht mehr realisierbar an. Am wenigsten werde die Spaltung der Gesellschaft von Besserverdienenden wahrgenommen. Vertieft werde der Bruch durch deren Lobbyisten, aber auch durch Politiker. So habe ausgerechnet der damalige SPD-Arbeitsminister Wolfgang Clement 2005 gegen „Missbrauch, Abzocke und Selbstbedienung im Sozialstaat“ gehetzt.
Gefährlich werde die Situation, wenn Gewalt die einzige Möglichkeit darstelle, anerkannt zu werden. Wie ernst die Lage sei, zeige sich in einem Artikel des FAZ-Herausgebers Frank Schirrmacher zum Zustand der Gesellschaft mit dem Titel „Ich beginne zu glauben, dass die Linke Recht hat.“
„Klassenkampf von oben“
Evangelische Hochschule: Pädagoge Wilhelm Heitmeyer spricht über Inklusion
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