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29. November 2011  | kaw

„Auch mal den Ärger raus lassen“

Evangelische Hochschule: Diskussion über die Praxis der Sozialarbeit


Die ersten Stuhlreihen vor dem Podium in der Aula der Evangelischen Hochschule (EH) blieben leer. Sollte so die Kluft zwischen Theorie – vertreten durch rund 120 Zuhörer, vorwiegend Studenten – und der geballten Berufserfahrung auf dem Podium plakativ vor Augen geführt werden? Nein, lautete die einhellige Antwort der Praktiker, die den angehenden Sozialarbeitern Mut machten, auf ihre im Studium erworbenen Kenntnisse zu vertrauen und ein professionelles Selbstverständnis zu entwickeln.
Dazu gehört, so der bei der Caritas-Wohnungslosenhilfe arbeitende Klaus Störch, sich auf die Lebenswelt der jeweiligen Klienten einzustellen, diese so zu nehmen, wie sie sind. Dem pflichtete die in der Kinder- und Jugendarbeit tätige Birgit Schütz bei. Wichtig sei, die Grenzen des Machbaren zu erkennen und zu akzeptieren. „Und natürlich kann man in schwierigen Situationen auch mal ganz unpädagogisch seinen Ärger raus lassen.“

Horst Miltenberger vom Darmstädter Caritasverband riet den Studierenden: „Suchen sie sich Rat und Hilfe, wenn es mal nicht so rund läuft. Wenden sie ihr erworbenes Wissen an, um ihre Situation zu analysieren und überlegen sie mit ihren Kollegen, welche Lösungsmöglichkeiten es gibt und welche Ressourcen dafür bereitgestellt werden müssen.“
Denn auch das machte die anlässlich der Feier zum vierzigjährigen Bestehen der EH veranstaltete Diskussion deutlich: Soziale Arbeit hat die unterschiedlichsten Bezugspunkte. „Sie haben mit ihren Klienten zu tun, müssen mit Kollegen zusammenarbeiten, aber auch gegebenenfalls die Öffentlichkeit und politische Gremien über ihre Situation und die ihrer Klientel informieren“, sagte Pia Schadt-Saiko, die straffällig gewordene oder gefährdete Männer betreut.
Die aus Ungarn angereiste Dozentin Krisztina Nagy betonte: „Gerade beim Berufseinstieg muss man noch viel lernen – vor allem die eigene Rolle zu entwickeln.“ Kathrin Klaszyk, die „Soziale Arbeit in Europa“ studiert, riet deshalb den Studenten, neugierig zu bleiben.
Auf die Frage aus dem Publikum, ob ein Master-Abschluss sinnvoll sei, gab es ein geteiltes Echo. Zum einen eröffne der Master zusätzliche Aufstiegsmöglichkeiten, gerade in Forschung und Lehre. Andererseits würden Berufseinsteiger mit Master nicht besser bezahlt als Bachelor-Absolventen.

 
 
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