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Ruth Wagner in der Luise-Büchner-Bibliothek. Archivfoto: Claus Völker
DARMSTADT.
Zum 100. Weltfrauentag, der am heutigen 8. März begangen wird und offiziell „Tag der Vereinten Nationen für die Rechte der Frau und den Weltfrieden“ heißt, soll an einige der bedeutendsten Töchter und Repräsentantinnen Darmstadts erinnert werden. Sie sind nicht unbedingt gebürtige Heinerinnen, haben aber – in ganz unterschiedlicher Ausprägung – Strahlkraft weit über die Stadt hinaus entwickelt und stehen exemplarisch dafür, was starke Frauen schon früher erreichen konnten und deuten an, was die Emanzipation in Politik, Gesellschaft und Sport möglich gemacht hat.
Darmstädter Frauenrechtlerinnen
Eine frühe Frauenrechtlerin mit Visionen, die schon lange Zeit vor dem ersten Weltfrauentag im Jahre 1911 agierte, ist Louise Dittmar. 1807 in Darmstadt geboren, war die deutsche Frauenrechtlerin, Frühsozialistin und Publizistin die radikalste Streiterin ihrer Zeit. Wie damals üblich, war es ihr nicht vergönnt, eine höhere Schulbildung zu genießen. Das hielt Dittmar aber nicht davon ab, nach 1845 eine Karriere als politische Schriftstellerin zu verfolgen. Aus heutiger Sicht kann sie als feministische Radikaldemokratin bezeichnet werden. In ihrem bekanntesten Werk „Das Wesen der Ehe“ (1850) forderte sie tiefgreifende Reformen bis hinein ins Privatleben. Nicht nur der Staat sollte demokratisiert werden, sondern auch das Geschlechterverhältnis von Mann und angeglichen und die Vormachtstellung des Mannes aufgehoben oder zumindest eingeschränkt werden. Weiter forderte sie gesellschaftliche Reformen und die Beteiligung von Frauen an politischen Ämtern.
Weniger radikal in Erscheinung getreten, aber nicht weniger bedeutsam ist die 1821 in Darmstadt geborene Schriftstellerin Luise Büchner.
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Luise Büchner Archivfoto: Echo
Als Schwester von Georg, Alexander, Ludwig und Wilhelm Büchner konnte sie schon damals bemerkenswerte Geltung erlangen, die bis heute – mindestens in der gleichen Intensität – nachwirkt. Büchner setzte sich vor allem für den Bildungs- und Berufsanspruch der Frauen ein und gründete 1867 mit der Großherzogin Alice von Hessen-Darmstadt den Alice-Frauenverein. Als erste Frau wurde Büchner 1873 anlässlich einer Konferenz des preußischen Kultusministeriums gebeten, zu den Unterrichts- und Erziehungsfragen in der Mädchenschulbildung Stellung zu nehmen sowie ihre Auffassung und Kenntnisse zu publizieren. Heute trägt die Bibliothek in der Kasinostraße 5 ihren Namen und im Geiste Luise Büchners eine Initiative des Deutschen Frauenrings
Die unglückliche Zarin
Die letzte Zarin Russlands stammte ebenfalls aus Darmstadt. Victoria Alix Helena Louise Beatrice von Hessen und bei Rhein,
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Zarin Alexandra, ehemals Victoria von Hessen-Darmstadt: links neben Zar Nikolaus II. ArchivFoto: ECHO
1872 geboren, wurde durch ihre Heirat mit dem späteren Kaiser, Nikolaus II., zu Alexandra Fjodorowna. Ihr Schicksal war vollkommen fremdbestimmt, was sich heutige Frauen, auch adelige, kaum noch vorstellen können. Zum Ruhme ihrer Familie war eine der zahlreichen Enkelinnen der englischen Königin Victoria die Ehe mit dem russischen Monarchen eingegangen. Alexandra war als Zarin allerdings wenig beliebt, in einer unruhigen Zeit wurden ihr fehlende soziale Kompetenzen nachgesagt. Auch ihre deutsche Herkunft und das enge Verhältnis zum ominösen aber einflussreichen Rasputin war für das Ansehen am Hof wenig förderlich. Politisch unterstützte sie die Politik des Zaren und hielt, legitimiert durch das Gottesgnadentum, das russische Parlament, die Duma für überflüssig. Die Februarrevolution führte zu Nikolaus II. Sturz und zum Ende des Zarentums. Nach der Oktoberrevolution verbrachte die Familie mehrere Wochen in Gefangenschaft der Bolschewiki, die den Boden der kommunistischen Ordnung bereiteten und die Mitglieder des einstigen Herrscherclans, darunter Victoria, erschossen. Im Jahr 2000 wurde sie wie die gesamte ehemalige Zarenfamilie von der russisch-orthodoxen Kirche heilig gesprochen.
Darmstädter Adoptivkinder
Nicht in Darmstadt, sondern 1940 im nahen Wolfskehlen geboren und bedeutend für die hessische Nachkriegsgeschichte ist Ruth Wagner.
Was Anfang des 20. Jahrhunderts noch bemerkenswert war, ist in der Bundesrepublik und in den vergangenen Jahren zusehends normal: eine Frau als politische Kraft. Durch ihr Wirkens und ihre Präsenz gilt sie auch längst als Kind Darmstadts. Seit 1971 ist sie Mitglied der FDP und ihre Laufbahn beachtlich. Sie war zwischen 1987 und 1991 sowie 2003 und 2008 Vizepräsidentin des Hessischen Landtags. Von 1999 bis 2003 hatte Wagner das Amt der Hessischen Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst inne. In dieser Zeit war sie außerdem Stellvertreterin des damaligen hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch (CDU). Vor fünf Jahren wurde Ruth Wagner mit dem Großen Bundesverdienstkreuz geehrt.
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Andrea Petkovic bei den Australian Open 2011. Archivfoto: DPA
Moderne und lokale Heldinnen transportiert auch immer wieder der Sport. Im Alter von sechs Jahren emigirierte die 23 Jahre alte Tennisspielerin Andrea Petkovic mit ihrer Familie nach Deutschland, wo sie seither in Griesheim lebt. Etwa zur gleichen Zeit begann sie auf Initiative ihres Vaters mit dem Tennis. Ihre ersten großen Tunrniere gewann sie bereits im Alter von 16 Jahren. Bei den Australian Open errang sie dieses Jahr ihr bislang bestes Ergebnis mit dem Erreichen eines Grand-Slam-Viertelfinals. In der Weltrangliste steht sie auf Platz 23, schaut noch weiter nach oben und in der Weltpresse wird sie eben in aller Regel als Darmstädterin bezeichnet.
Ein echter Darmstädter Export ist auch der von ihr erfundene „Petko-Dance“ zu einem Lied des Darmstädter Musikers „Phil Fill“ alias Philipp Rittmannsperger:
Es sind heute kaum noch Bereiche vorstellbar, in denen Frauen nicht an die Spitze gelangen können, auch wenn die Debatte über Führungspositionen in Wirtschaftsunternehmen zeigt, dass noch immer Ungleichgewichte bestehen. Mit Sicherheit wird Darmstadt aber auch in Zukunft durch starke und einflussreiche Frauen geprägt werden.