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22. Februar 2011  | Von Peter Engels

Von der Reithalle zum Hofopernhaus

Gastbeitrag: Die Anfänge des Theaters in Darmstadt: Die darstellenden Künste waren in ihrem Beginn eine Liebhaberei des Hofes, Bürger waren nur Zaungast

 
Theater gibt es in Darmstadt seit 300 Jahren. Von „ihrem Theater“ können die Darmstädter aber erst seit etwa zwei Jahrhunderten sprechen. Foto:
| Vergrößern | Theater gibt es in Darmstadt seit 300 Jahren. Von „ihrem Theater“ können die Darmstädter aber erst seit etwa zwei Jahrhunderten sprechen. Foto:


Theater gibt es in Darmstadt seit 300 Jahren. Von „ihrem Theater“ können die Darmstädter aber erst seit etwa zwei Jahrhunderten sprechen. Bis ins 18. Jahrhundert hinein war der Bürgerschaft der Residenzstadt der Theaterbesuch verwehrt. Theateraufführungen bewegten sich seit dem späten 16. Jahrhundert, in dem erstmals Nachrichten über Aufführungen vorliegen, immer im Rahmen fürstlich-höfischer Repräsentation.
Ludwig V. (1596-1626) verschaffte als erster Darmstädter Landgraf dem höfischen Theater Geltung. Anlässe für Aufführungen boten große politische Zusammenkünfte, Hochzeiten, Siegesfeiern, Jagden oder ritterliche Turniere. Dabei wurde Theater nicht um seiner selbst willen gespielt, also wegen des ästhetischen Genusses, sondern es bildete einen festen Bestandteil des höfischen Zeremoniells in Darmstadt.

Was später geschah

Peter Engels leitet das Darmstädter Stadtarchiv. Sein Beitrag, dessen Anfang wir hier wiedergeben, ist vollständig in dem Buch „Staatstheater Darmstadt - 300 Jahre Theatertradition 1711 - 2011“ nachzulesen, das zum Theater-Jubiläum im Surface-Verlag erscheint. Der 312 Seiten starke, Band enthält weitere Texte sowie viele Fotos; er ist im Theater, im Buchhandel und unter www.surface-book.de für 12,80 Euro erhältlich.


In der Zeit vor dem Aufkommen der Berufsschauspieler traten Mitglieder der Hofgesellschaft als Schauspieler in Erscheinung, die Festteilnehmer gestalteten die Aufführungen. Unter Landgraf Ludwig VI., dem eigentlichen Schöpfer des Darmstädter Theaters, setzte eine Professionalisierung des Theaterbetriebes ein. Er errichtete durch Umbau der alten Reithalle einen der ersten festen Theaterbauten Deutschlands (1670). Landgraf Ernst Ludwig (1688-1739) ließ den Baumeister Louis Rémy de La Fosse das alte Theater zu einem neuen Hofoperntheater umbauen, warb 1711 aus Hamburg den Kapellmeister Christoph Graupner und seine Primadonna Johanna Elisabeth Döbricht an und engagierte eine französische Schauspielertruppe, die das klassische französische Theater nach Darmstadt brachte. Gut zehn Jahre später musste wegen Geldmangels alles wieder geschlossen werden.
Die Darmstädter Bevölkerung war bei den erwähnten Festen und Theateraufführungen meist Zaungast. Nur ausnahmsweise waren Mitglieder des Stadtrates und der führenden Bürgerschicht geladen. Der breiteren Öffentlichkeit blieb der Theaterbesuch verwehrt. Immerhin kamen die Darmstädter seit Anfang des 17. Jahrhunderts gelegentlich in den Genuss von Laienaufführungen.
Landestheater im Mollerbau mit Fürstenloge.  ArchivFoto: Echo
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Landestheater im Mollerbau mit Fürstenloge. ArchivFoto: Echo
Die Darmstädter nahmen erst lebhafteren Anteil am Theatergeschehen, als im späteren 18. Jahrhundert, nach der Wiedereröffnung des Theaters durch Landgraf Ludwig VIII., umherreisende Wanderbühnen die Theaterkunst verbreiteten und auch vom Hof unterstützt wurden. Die Schauspielgesellschaft des Direktors Leppert, der Ludwig VIII. von Juli bis Oktober 1768 sein Opernhaus zur Verfügung stellte, spielte auch für die bürgerliche Bevölkerung, die gegen allerdings recht hohe Eintrittspreise Zugang zum Theater hatte. Gleiches galt für die Gesellschaft des Direktors Nestrich, die 1777/78 fast ein Jahr im Opernhaus gastierte, und die Truppe von Felix Berner, die im Oktober 1778 und im Juni 1781 in Darmstadt weilte.

FOTOGALERIE
 
 
300 Jahre Theater in Darmstadt

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