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Wärmedämmende Fassaden als Risiko

Bauen – Brand in Eberstadt zeigt Gefahren auf – Bundesweit einige gravierende Fälle – Besorgte Anrufe bei der Feuerwehr

Am Wochenende haben – wie berichtet – die Flammen einer brennenden Mülltonne die wärmegedämmte Fassade eines Hauses in Eberstadt erfasst. Solche Brände können gefährlich sein, warnen Fachleute.
Ein Feuer hat die wärmegedämmte Fassade dieses Hauses in Eberstadt zerstört.  Ursache war, wie berichtet, eine brennende Mülltonne.  Solche Fälle sind bundesweit nicht selten.  Foto: Roman Grösser
Ein Feuer hat die wärmegedämmte Fassade dieses Hauses in Eberstadt zerstört. Ursache war, wie berichtet, eine brennende Mülltonne. Solche Fälle sind bundesweit nicht selten. Foto: Roman Grösser


Hunderttausende Hausbesitzer dämmen jährlich im Bemühen, Heizkosten zu senken, ihr Gebäude von außen mit Wärmedämmplatten. In 80 Prozent der Fälle werden dabei Hartschaumplatten aus Polystyrol verwendet, besser bekannt unter dem Handelsnamen Styropor. So war es nach Angaben von Feuerwehr-Einsatzleiter Edgar Karach auch bei dem Brand in Eberstadt. In der Nacht zum Samstag war dort an dem Haus an der Modaupromenade nach Schätzung der Feuerwehr ein Schaden von 50 000 Euro entstanden.

Sind solche Polystyrolplatten, die als „schwer entflammbar“ klassifiziert sind, im Brandfall gefährlich, wirken sie gar als Brandbeschleuniger? Diese Frage stellte sich der Norddeutsche Rundfunk und kam in einer am 4. Dezember 2011 ausgestrahlten Sendung in der ARD („W wie Wissen“) zum Urteil, dass erhebliche Risiken bestehen.
Der TV-Bericht erinnerte an einen verhängnisvollen Zimmerbrand 2005 in Berlin-Pankow, bei dem ein Fenster geborsten war und die Flammen die wärmegedämmte Fassade in Brand setzten. Zwei Menschen kamen damals ums Leben.
„Dass die Fassade anfängt zu brennen, von sich aus den Brand mit einer ganz starken Intensität weitertreibt und dann von der Fassade aus das Feuer in weitere Wohnungen rein läuft – das ist schon ein Fall, der Gott sei Dank sonst nicht vorkommt“, zitierte der NDR den damaligen Leiter der Berliner Feuerwehr. Die Bauweise und Bauausführung der Fassade sei „möglicherweise brandfördernd“ gewesen, befand die Staatsanwaltschaft Berlin, stellte aber ihre strafrechtlichen Ermittlungen ein.
Die TV-Sendung griff einen zweiten Fall, der dem in Eberstadt sehr ähnelt, wenngleich er wesentlich schwerwiegendere Folgen hatte. Jugendliche hatte im Juni 2011 im niedersächsischen Delmenhorst zwei Müllcontainer einer Wohnanlage angesteckt. Die mit Polystyrol gedämmten Fassaden fingen Feuer, der Brand griff auf die hölzernen Dachstühle mehrerer Gebäude über. Fünf Mehrfamilienhäuser brannten aus, über 200 Menschen mussten in Sicherheit gebracht werden.
Klaus Busecke, Technischer Einsatzleiter bei der Berufsfeuerwehr Darmstadt, bestätigte, dass es bundesweit bereits einige gravierende Fälle von brennenden Fassaden gegeben habe, so auch vor zwei Jahren im Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen.

Der Brand in Eberstadt vom Wochenende sei aber der erste derartige Fall in Darmstadt gewesen. Danach hätten drei, vier besorgte Bürger bei der Feuerwehr angerufen. Ihnen habe er geraten, ihre Hausverwaltungen anzusprechen, damit die dafür sorgten, dass keine Mülltonne gefährlich nahe an Fassaden stehe.
Die zur Wärmedämmung verwendeten Materialien seien nach dem Baurecht zugelassen, sagte Busecke: „Da können wir als Brandschutzbehörde wenig machen“. Lediglich beim Sonderbau wie Hochhäusern sei man mit im Boot. Man verlange dann meist ein Müllmanagement; die Mülltonnen müssten eingehaust werden, um gefährliche Zündeleien zu verhindern. Er betonte, Klassifizierungen von Dämmplatten wie „schwer entflammbar“ heiße eben nicht „unbrennbar“.
Der NDR zitiert in seiner Sendung den Juristen und Spezialisten für Baurecht, Wolfgang Haegerle, mit dem Rat: „Nur nicht brennbares Material verwenden.“ Doch das ist wesentlich teurer als die Polystyrol-Platten.
Busecke warnte vor einem weiteren Risiko: „Ständig sind ausländische Handwerker unterwegs und bieten billige Fassadendämmungen an. Ob die allerdings immer so hochwertige Materialien verwenden wie deutsche Betriebe, ist doch eher zweifelhaft. Dieses Risiko wird uns irgendwann einholen.“

 

Artikel Text Laenge: 3579

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  • 25. Januar 2012
  • Von hap
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