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27. August 2010  | wog

Stadt soll für weitere Millionen bürgen

Kongresszentrum: Stadt soll Bürgschaft über weitere vier Millionen Euro übernehmen

| Vergrößern | Die Stadt soll für das Darmstadtium erneut eine Bürgschaft übernehmen. Der Kongresszentrum Darmstadt GmbH (WKZ) fehlen vier Millionen Euro, um die Schlussrechnung der Baukosten bezahlen zu können. Archivfoto: Günther Jockel
DARMSTADT. 

Die Stadt soll erneut für das Darmstadtium eine Bürgschaft übernehmen. Um die Schlussrechnung der Baukosten bezahlen zu können, fehlen der Kongresszentrum Darmstadt GmbH (WKZ) vier Millionen Euro. Um diesen Betrag ist das Gebäude teurer geworden als zuletzt 2008 kalkuliert. Insgesamt hat der Bau 90,5 Millionen Euro gekostet. Diese Schlussrechnung präsentierte WKZ-Geschäftsführer Klaus Krumrey am Donnerstagabend im Haupt- und Finanzausschuss. Dort stimmte die Mehrheit aus SPD, Grünen und FDP der bis 2020 laufenden Bürgschaft zu. CDU, Alternative Darmstadt und Uffbasse lehnten ab. Das letzte Wort hat am kommenden Donnerstag (2.) die Stadtverordnetenversammlung.

Mit dem bei der Sparkasse Darmstadt aufzunehmenden Kredit will die WKZ die seit 2008 entstandenen zusätzlichen Kosten begleichen. Die sind durch zusätzli che Brandschutzmaßnahmen (600 000 Euro) sowie durch weitere Ausgaben für Restaurant, Café und Lounge sowie den geänderten Zugang zur Tiefgarage und höhere Firmenrechnungen (eine Million) aufgelaufen. Zudem haben Streitfälle mit Baufirmen, Architekten und Ingenieuren 2,4 Millionen Euro gekostet.

Die vier Millionen Euro muss die WKZ erst im Jahr 2020 an die Sparkasse komplett zurückzahlen. Die Zinszahlungen, über die weder der Aufsichtsratsvorsitzende, Oberbürgermeister Walter Hoffmann (SPD), noch Krumrey Angaben machen wollten, sind jedoch jährlich fällig. Beide Kostenpunkte schlagen sich letztendlich in den Betriebskosten nieder. Dass sich dadurch der städtische Zuschuss von derzeit 3,2 Millionen Euro im Jahr erhöhen könnte, schloss Krumrey nicht aus.

Schon heute machen Zins und Tilgung der anderen Kredite den Großteil des von der Stadt zu tragenden Defizits aus. Mit 2,5 Millionen Euro gab Krumrey, der aus Altersgründen zum Jahresende aus dem Amt scheidet, den Betrag des Kapitaldienstes an. Aus dem laufenden Geschäft entstehe ein Minus von 1,2 Millionen Euro. Der WKZ-Chef verwies in diesem Zusammenhang darauf, dass Gutachter im Jahr 2008 das Defizit aus diesem operativen Geschäft mit bis zu 1,8 Millionen Euro angegeben hatten.

Es ist bereits die dritte Bürgschaft, die die Stadt für das Darmstadtium übernimmt. Die erste über 27 Millionen Euro gab es 2006. Weil bis 2008 unter anderem Neuanschaffungen und zusätzliche Baumaßnahmen notwendig wurden, sichert die Stadt einen Kredit über weitere 7,1 Millionen Euro ab. Damit das Darmstadtium überhaupt gebaut werden konnte, hatte die Stadt zuvor Erlöse aus Grundstücksverkäufen und Zuweisungen der HSE in Höhe von 53 Millionen Euro in die GmbH eingebracht.

Als die Stadtverordnetenversammlung 2004 den Bau beschloss, gingen die Schätzungen von Baukosten in Höhe von 77 Millionen Euro ein. Durch die Integration der alten Stadtmauer, aber auch durch Nachbesserungen und Umkonzeptionen erhöhte sich der Betrag bis 2008 auf 86,5 Millionen Euro. Anfang dieses Jahres beliefen sich die Schätzungen gar auf 92,3 Millionen Euro. Die Kostensteigerung auf schlussendlich 90,5 Millionen bezeichnete Krumrey gestern Abend als ,,noch hinnehmbar".

Das wurde im Ausschuss zwar eher skeptisch aufgenommen. Dennoch gab es eine Mehrheit für die Bürgschaft. Hanno Benz sieht keine Alternative dazu. ,,Zudem ist das Darmstadtium auf dem richtigen Weg", erklärte er und verwies auf die Bilanz Krumreys, nach der das Haus über Monate ausgebucht ist und der Verlust aus Veranstaltungen 2011 auf eine Million Euro sinken soll.

Brigitte Lindscheid (Grüne) und Ralf Arnemann (FDP) sehen zu dem neuen Kredit keine Alternative. Kritik gab es indes von André Schellenberg (CDU), da am Ende die Stadt für den gesamten Kredit aufkommen müsse. Das sah Georg Hang (Alternative) ebenso. Er beantragte, die Bürgschaft auf zwei Jahre zu begrenzen. Kerstin Lau (Uffbasse) verwies auf die Fehler der Vergangenheit, für die die Stadt jetzt aufkommen müsse.


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