Tobias Koch ist auf dem Weg nach oben. Konzentriert blickt der Elfjährige auf den nächsten Griff seines Parcours, hangelt sich daran nach oben und arbeitet kräftig aus den Beinen. Dann zieht er das Sicherungsseil nach, hält es zwischen den Zähnen fest und fixiert es am Karabinerhaken über seinem Kopf. Zug um Zug gleitet Tobias so den Überhang entlang in Richtung Decke. Bei gut 17 Metern Höhe angekommen, kommandiert er „Ab!“ und lässt sich zurückfallen, um mit lässig wedelnden Beinen zum Boden der Halle abgelassen zu werden.
„Richtig angefangen mit Klettern habe ich etwa vor zwei Jahren“, sagt er. Seitdem trainiert er regelmäßig vier Mal die Woche und nutzt auch am Tag der Offenen Tür die Möglichkeit. „Man kann jedes Mal, wenn man Klettern geht, ein Stück weiterkommen“, begründet Tobias die Faszination dieses Sports. „Wenn man eine Route heute nicht schafft, kann man übermorgen wiederkommen und es klappt besser.“ Mittlerweile bewältige er bereits den Schwierigkeitsgrad acht – der höchste für Profis ist zwölf.
Wenn sich die Gelegenheit ergibt, übt er seinen Sport auch unter freiem Himmel aus, etwa im Urlaub. Ansonsten aber vollzieht er das tägliche Training drinnen. „Hier die Halle hat mich dazu gebracht, richtig zu klettern“, meint der Junge. Im Kletterzentrum an der Lichtwiese hat Tobias seit Neustem gleichzeitig eine zusätzliche Möglichkeit, um neue Herausforderungen zu suchen.
Mit der Ostwand sind 400 Quadratmeter zusätzliche Kletterfläche entstanden, insgesamt stehen nun 2000 Quadratmeter zur Verfügung. „Als wir die Halle 2009 eröffnet haben, hatten wir nicht genug Geld, um alles auszubauen“, blickt Stefan Reisinger vom Alpenverein zurück. Den Plan, alle Hallenwände zum Klettern zu nutzen, gab es von Anfang an.Der große Besucherandrang ermöglichte nun die Realisierung: Geplant war zu Beginn mit durchschnittlich 90 Gästen pro Tag, tatsächlich sind es 150. Dass der Hauptsponsor Entega den Vertrag vor Kurzem um drei Jahre verlängert hat, erleichtere die Planung.
Die Ostwand ist nur die größte, nicht aber die einzige Neuerung am Kletterzentrum. Hinter den Zuschauerrängen der großen Halle gibt es jetzt einen Kleinkindbereich mit Mini-Kletterwand. Der Tresenservice am Eingang soll auf nachhaltige, regionale Produkte umgestellt werden, seit rund einem Jahr gibt es einen Boulderbereich im ersten Stock.
Ebenfalls in neuem Glanz erstrahlt das Freigelände hinter der Halle: Das Dickicht ist entwildert, entstanden ist eine grüne Oase am Waldrand. Auf der Wiese stehen Slacklines zum Training zur Verfügung. Wer es entspannter mag, kann hier bei bester Atmosphäre sein Getränk im Biergarten genießen.
Profitieren kann davon eine wachsende Schar Aktiver: Allein in den ehrenamtlichen Jugendgruppen klettern mittlerweile rund 150 Kinder, hinzukommen Ferienspiele, die innerhalb kürzester Zeit ausgebucht sind. „Wir haben in den vergangenen drei Jahren viele Kinder hinzugewonnen, die richtig gut geworden sind“, freut sich Stefan Reisinger.
Mit der neuen Kletterwand bietet der Alpenverein nun vor allem Breitensportlern neue Möglichkeiten. Die Wand weist nur wenige Überhänge auf, vierzig neue Routen der Schwierigkeitsgrade drei bis neun können dort jetzt in Angriff genommen werden.
Außerdem gibt es einen Standplatz an der Empore, an dem für das alpine Klettern trainiert werden kann. Schließlich sind im Hochgebirge viele Touren meist länger als die Seillänge von 40 Meter, weshalb auch regelmäßig neu gesichert werden muss.
Auch Tobias Koch hat die neue Wand schon ausprobiert, bereits bei der Bewertung der Routen war er dabei. Ihm gefällt vor allem der Wechsel von geraden Passagen und Überhängen an der Wand, die es so in der Halle noch nicht gibt. „Ich finde das sehr schön, wenn man mehr Abwechslung erlebt.“
Ostwand als neue Herausforderung
Kletterzentrum – 400 Quadratmeter mehr, um sich in der Höhe entlangzuhangeln – Mehr Besucher als erwartet

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