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10. März 2010  |  hap

Nur noch zwei-, dreimal pro Woche eine Zeitung?

Presseclub: Medienfachleute über die Chancen des gedruckten Worts im Zeitalter des Internets

| Vergrößern | Über die Zukunft der gedruckten Zeitung ging es bei der Podiumsdiskussion zum fünften Geburtstag des Presseclubs Darmstadt. Links Medienpädagoge Anton Austermann, daneben FAZ-Mitherausgeber Werner D’Inka, der Moderator, Medienwissenschaftler Klaus Meier, und ECHO-Chefredakteur Jörg Riebartsch. Foto: Hans-Dieter Erlenbach

,,Wir können die Zahnpasta nicht mehr zurück in die Tube bringen". Mit diesem einprägsamen Satz hat FAZ-Mitherausgeber Werner D'Inka das Problem umrissen, das Medienhäuser schon seit einiger Zeit umtreibt: Im Internet ist (fast) alles kostenlos, warum also noch Geld für Zeitungen bezahlen?

Der seit fünf Jahren bestehende Darmstädter Presseclub ging deshalb an seinem Geburtstag am Montagabend im Darmstadtium der Frage nach ,,Surfen den Zeitungen die Leser davon?". Der Dortmunder Medienwissenschaftler Klaus Meier, in Darmstadt noch bekannt als Professor für Online-Journalismus an der Hochschule, diskutierte darüber mit ,,alten Haudegen" (Presseclub-Chef Peter Zitzmann), aber auch mit dem Publikum. Die Haudegen, das waren neben D'Inka der Berliner Medienpädagoge Anton Austermann und Jörg Riebartsch, Chefredakteur der ECHO-Zeitungen.

An der Entwicklung gibt es laut Meier wenig zu deuteln: Nur 30 Prozent der Menschen unter 30 Jahren lesen die Zeitung. Alte und noch immer angewandte Konzepte der Verlage, frühzeitig junge Leser zu gewinnen, wie beispielsweise das Kinder-Echo dieser Zeitung und Aktionen wie die Zusammenarbeit mit Schulen (Zeitungsflirt), das wurde deutlich, reichen nicht aus, das Wegsurfen ins Internet zu verhindern.

,,Früher genügte das Heranführen an die Zeitung und jemand wurde ein guter Demokrat", sagte Meier. Das sei heute angesichts der sich ständig ändernden Medienwelt anders. Die lokalen Eliten würden wohl auch künftig noch Zeitung lesen, bei jungen Leuten sei er nicht so optimistisch, äußerte sich Austermann sehr skeptisch.

Würden sich die Verlage von der ,,Anhänglichkeit ans Papier" (D'Inka) lösen und ihr Geld mit Nachrichtenportalen im Internet verdienen, wäre das Ganze kein Problem, doch wie Riebartsch feststellte, ,,ist der Zug im Internet abgefahren; dort ist alles kostenlos". Außerdem suchten junge Leute im Netz keine Nachrichten im klassischen Sinn, sondern seien vorwiegend in sozialen Netzwerken wie Facebook unterwegs.

Einig waren sich die Diskutanten in der Forderung, die hohen Qualitätsmaßstäbe im Tageszeitungsjournalismus müssten ins Netz übertragen werden. Doch noch sieht die Realität dort anders aus, was D'Inka zu der Feststellung brachte: ,,Viele Veröffentlichungen sehen aus wie Journalismus, aber es ist kein Journalismus". Blogger und semijournalistische Formen setzten handwerkliche Standards wie Trennung von Nachricht und Kommentar, Unterscheidung von privaten und öffentlichen Angelegenheiten und die Überprüfung von Fakten außer Kraft.

Bei der Zeitung wisse er, wer sie ihm in den Briefkasten geworfen habe, spielte D'Inka auf die hohen Glaubwürdigkeitswerte der Presse an. Aber sei es heute noch sinnvoll, mitten in der Nacht Tonnen bedrucktes Papier durch die Gegend zu fahren.

Am Ende blieb die Erkenntnis, dass noch niemand einen Königsweg aus der Zeitungskrise gefunden hat. Die Forderung von FAZ-Mitherausgeber D'Inka - ,,Beharren auf Markenkern und Qualität" - sein von seinen Mitdiskutanten geteilter Appell an die Verleger, bei der Suche nach einem Geschäftsmodell für Qualitätsjournalismus vieles auszuprobieren, wirkte ein wenig hilflos.

Große Hoffnungen setzt die FAZ laut D'Inka auf redaktionelle Inhalte, die - gegen Geld - mit dem ,,iPad" aufgerufen werden können, ein Mini-PC der Firma Apple zum In-der-Hand-halten.

Derweil könnte die Zukunft der Zeitungen nach Ansicht von D'Inka und Austermann darin liegen, nur noch zwei-, dreimal pro Woche zu erscheinen - ,,vielleicht ohne überregionalen Teil". Riebartschs Stichworte dazu, wie die Zeitung in zehn Jahren aussieht: weniger Auflage, mehr Vertriebseinnahmen, unabhängig vom Werbemarkt und mehr Nischenprodukte.


 
 


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