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27. September 2010  |  lex

Laufen statt Aufzug fahren

Gesundheit: Wirtschaftsrat diskutiert über Prävention - »Diäten bringen überhaupt nichts« - Auch erholsamer Schlaf sorgt für Fitness

| Vergrößern | Sportlich auf dem Laufband zeigt sich Hessens neuer Sozialminister Stefan Grüttner auf der Diskussionsveranstaltung der Darmstädter Sektion des Wirtschaftsrates. Daneben Karin Wolff und Thomas Hein. Foto: Roman Grösser

Karin Wolff ging mit gesundem Beispiel voran: Im Landtag laufe sie zu Fuß, statt nur den Aufzug zu nehmen. »Ich hab' auch meine 25 Kilo abgenommen, mit den restlichen fünf kämpfe ich noch«, gestand die Landtagsabgeordnete und ehemalige Kultusministerin. Und nun trank sie als Moderatorin ganz bewusst Wasser, während im Publikum eher Wein dominierte. »Ich darf Sie bitten, zum Wasser zu greifen«, animierte sie ihre Gesprächspartner. »Das gehört auch zum Thema.«

Das Thema war Gesundheitsprävention, und eingeladen dazu hatte die Darmstädter Sektion des Wirtschaftsrats Deutschland - ein CDU-naher Verband von Unternehmen, der in den sechziger Jahren gegründet wurde zur Gestaltung und Förderung der sozialen Marktwirtschaft. Entsprechend ökonomisch war die Ausrichtung der Diskussion in den Räumen von »Remedia«, einem physiotherapeutischen Gesundheitszentrum in der Kasinostraße.

Dorthin gefunden hatte auch Stefan Grüttner, der als Hessens neuer Gesundheitsminister in die Diskussion einleitete. »Letztlich geht es um die Leistungsfähigkeit der Wirtschaft«, betonte er. Jeder Krankheitsfall bedeute auch einen Verlust an Produktivität und Effizienz. Daher müsse man passende Präventionsangebote machen und gewohnte Strukturen überdenken. »Da müssen Sie vielleicht auch an der Standardausstattung mal etwas ändern«, rief er den Unternehmern zu. Warum nicht neben dem Schreibtisch auch ein Stehpult anbieten? Schöner Vorschlag auch: »Und warum stellen Sie nicht mal einen Aufzug außer Betrieb und zwingen die Mitarbeiter, die Treppe zu nutzen?«

Mehr Bewegung für mehr Gesundheit - das ist eines der Generalanliegen des neuen Präventionskonzeptes der Landesregierung, für das Grüttner hier auch warb. Unter dem Credo »Hessen bewegt sich« wolle man jeden dazu animieren, jeden Tag mindestens tausend Schritte zu gehen, also etwa zwanzig Minuten.

Das ließe sich prima in jede Mittagspause einbauen. Aber: »Wir können nur anregen«, stellte er fest. »Das ist ein Prozess, der zunächst im Kopf stattfindet.«

Das konnte Margret Bublitz, Werksärztin beim Automobilkonzern Daimler, nur unterstreichen: »Wir alle müssen uns bewegen.« Ab 35 bis 40 Jahren verändere sich der Stoffwechsel und man nehme zu. Diäten brächten überhaupt nichts, schlank bleiben sei eine lebenslange Aufgabe. »Man muss sein Ess-, Schlaf- und Bewegungsverhalten ändern und das konsequent leben.«

Ernährungswissenschaftlerin Sabine Reichhold brachte den Faktor Essen aufs Tablett und sprach in dem Zusammenhang von »neuen Herausforderungen in den letzten Jahren«. Auf der einen Seite bedingten die veränderten Arbeitssituationen einen Mangel an Bewegung. »Auf der anderen Seite haben wir eine Ernährungssituation, die noch nie so toll war.« Wie gut gesundes Essen schmecken könne, habe eindrucksvoll das Abendbüffet bewiesen. Es gab unter anderem Zanderfilet auf Blattspinat.

Doch das hilft laut Hartmut Schneider von der »American Sleep Clinic« alles nichts, wenn der Mensch nicht ordentlich schläft. Viel Schlaf allein genüge
nicht: Er müsse auch erholsam sein. Denn für viele Menschen sei er das nicht, weil sie unter gefährlichem Scharchen oder anderen Schlafstörungen litten. Häufig davon betroffen seien Übergewichtige, deren Anteil in den Industrienationen bekanntlich zunehme.

»Man tut sich keinen Gefallen, wenn man wenig schläft, weil man verfügbar sein will«, gab ihm Günter Gensrich vom Medizinischen Dienstes der »Lufthansa Medical Center« Recht. Sie versuchten im Unternehmen flexibel zu reagieren, wenn ein Mitarbeiter wegen Schlafproblemen auf bestimmte Schichten oder Flüge verzichten wolle. Auch setze man in der Kantine auf gesundes Essen. »Wir haben ein Interesse daran, dass die Mitarbeiter möglichst lange für uns im Arbeitsleben stehen«, stellte er klar. »Unsere wichtigste Aufgabe ist, uns fit zu machen für die Zukunft.«


 
 


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