Internet: www.fotoclub-darmstadt.de
Eine Spiegelreflexkamera für fünf Euro, fünf Kameras für 22 Euro, zehn für 44 Euro. Neben zahlreichen Tischen, dicht vollgestellt mit edel blitzenden Objektiven und Kameras, gibt es beim Händler Thomas Rieck auch Grabbelkisten mit Sonderangeboten.
Am Sonntag gab es die 62. Auflage der Fotobörse des Foto-Clubs Darmstadt. In die Mensa auf der Lichtwiese war auch Thomas Rieck aus Kiel gekommen. „Das ist Ware aus Geschäftsauflösungen“, erklärt der Norddeutsche die Sonderangebote in seinen Kisten. „Das sind weitgehend analoge und nicht weiter geprüfte Kameras.“
Viel wert scheinen Analog-Kameras nicht mehr zu sein? „Das kommt auf die Bauserie an“, erklärt er. Beispielsweise könne eine Minolta X-700 je nach Serie noch zwischen 30 und 100 Euro wert sein. Doch wenn beispielsweise die Dichtungsgummis schwarz abfärbten, sei nicht mehr viel zu holen.
Der Fotoclub, der in diesem Jahr 60 Jahre alt wird, feiert sein Jubiläum im September, so Zweiter Vorsitzender Theo Jansen. Im Sommer richte der Verein zum Jubiläum einen Fotowettbewerb für Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren aus. Thema: „Mein Leben. Meine Wünsche. Meine Sichtweise.“
Bei der Börse kauften die Händler auch Ausrüstung. Ein Besucher etwa hat ein – vor 25 Jahren legendäres – 28-200er Tamron-Objektiv. 40 Euro sind seine Vorstellungen. „Das ist etwa mein Verkaufspreis“ antwortet ein Händler und bietet 20 Euro. Die Nahgrenze des Objektivs liege bei 2,10 Meter, das sei „nicht so der Knaller“, sagt er. „Ich geh' mal eine Runde“, hofft der Verkäufer auf ein besseres Angebot.
Der Bremer Händler Rainer Böhnert ist zum ersten Mal in Darmstadt, seine Spezialität ist Astro-Fotografie. Für ein Sternenfoto brauche man aber eine Montierung, die die Erddrehung ausgleiche, sagt der Händler. „Wir sind es ja gewohnt, dass die Erde sich mit 30 Meter die Sekunde rotiert.“ Aber wenn man das für ein Foto nicht kompensiere, sehe man auf einem Bild Striche anstelle Sterne.
„Früher musste man das peinlich genau auf den Polarstern, den Himmelspol selbst ausmessen“, verweist Böhnert auf Vorteile der modernen Technik. Heutzutage könne man die Optiken mit GPS-gesteuerten Elektromotoren ausrichten und die Himmelskörper auch verfolgen lassen. „Interessant sind die Objekte, die man mit bloßem Auge nicht sehen kann“, erinnert er daran, dass längere Belichtungszeiten Sternenhaufen und ferne Galaxien sichtbar machen.
„Wenn man es richtig falsch macht, sieht es richtig gut aus“, beschreibt Fotograf Uli Gasper in einem der Vorträge auf der Börse experimentelle Fotokunst, wie beispielsweise Lomografie. Mit der Begründung „Man sollte richtig fotografieren“ lehnt er für diese Fälle Digitalfotografie ab.
„Digitalfilter drüberjagen“ sei nicht dasselbe wie Fotografieren mit abgelaufenen oder durch Salzwasser gezogenen Filmen. Oder mit nicht-perfekten Apparaten zu arbeiten. „Ich fotografiere mit einer Kamera, die ist kaputt“, beschreibt er seine „Diana“-Kamera in einem Plastikgehäuse, das nicht mehr ganz lichtdicht ist.
„Ich mache viel mit analoger Fotografie“, sagt ein junger Mann, der zum ersten Mal auf der Börse ist und nun eine Mittelformatkamera mit nach Hause nach Mainz nimmt. „Ich habe auch eine Lomo-Kamera und experimentiere viel mit analogem Bildmaterial.“ Er vermutet, dass wegen der künstlerischen Möglichkeiten, mit Film und Fotochemie herumspielen zu können, viele junge Leute auf der Börse sich wieder für die klassische Fotografie interessieren. Was ihn aber überrascht hat: „Es gibt alles für analoge Kameras, aber einen Kleinbild-Farbfilm habe ich nicht gefunden.“
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