Obwohl „die Ludloffs“ aus Berlin noch jung sind, haben sie sich bereits als Architekten einen Namen gemacht. Wie ECHO-Redakteur Klaus Honold in seiner Anmoderation sagte, wird dies beispielhaft durch das Literaturmuseum in Marbach deutlich. Jens Ludloff: „Ich glaube, dass bisher zu wenig beachtet wurde, wie emotional Architektur aufgeladen ist.“ Das Paar ist eher ökologisch orientiert und deshalb bei seinen Projekten stets auf der Suche nach versteckter Energie. „Warum werden immer wieder Dämm-Elemente oder Isolier-Fenster aus den neunziger Jahren in den Abfall geworfen, wenn renoviert wird?“, fragt Laura Fogarasi-Ludloff.
So sollte vor zwei Jahren eine Turnhalle aus den Fünfzigern in Berlin saniert werden. Der Eingang war zu eng, die Umkleideräume waren zu klein. Außerdem sollte die Halle an die Schulgebäude sowie an einen Sportplatz angebunden werden. In den neunziger Jahren war bereits Dämmmaterial eingebaut worden, das nun normalerweise ebenfalls erneuert worden wäre. Die Ludloffs fragten sich jedoch: Wie viel graue Energie steckt in dem bereits verbauten Material? Ihr Ergebnis lag in der Energie-Bilanz 20 Prozent über den Forderungen der EnEV (Energie-Einsparungs-Verordnung).
Mit anderen Problemen hat es Kazuo Iwamura in Tokio zu tun, wo er eine Professur für Nachhaltiges Bauen innehat. „Das liegt vor allem am unterschiedlichen Klima in Japan“, erklärt er in fließendem Deutsch, „die Inseln gehen vom 45. hinunter bis zum 20. Breitengrad, wobei Tokio das untere Drittel begrenzt“. Auf dem 45. Breitengrad liegt in Europa Turin und der 20. geht bereits durch das subtropische Afrika. Kein Wunder also, dass die Japaner ihre Energie weniger für Heizung als für eine Klima-Anlage brauchen – die in praktisch jedem Haus installiert ist.
Das ist auch die Ursache, dass traditionelle japanische Einfamilienhäuser ohne Nägel gebaut werden; es handelt sich vor allem um Holzbauten. Während deutsche Häuser im Durchschnitt 70 bis 80 Jahre alt sind, halten japanische Bauten nur 30 Jahre. Doch die 1,4 Millionen Neubauten pro Jahr eröffnen neue Perspektiven: Das Schlagwort heißt „Symbiotic Housing“; in Deutschland würde man von energie-effizientem Bauen sprechen. In den vorigen 20 Jahren wurde ein Zertifizierungs-System entwickelt, nach dem Gebäude bis zu fünf Sternen erhalten.
Kazuo Iwamura berät seit 1990 die japanische Regierung. Als Beispiel zeigt er Bilder von Sozialwohnungen, die 1997 entstanden sind. Dabei wurde die Tradition beibehalten, breite Überdächer anzubringen. Diese schatten im Sommer die hohe Sonne ab und lassen sie im Winter herein, weil sie niedriger steht.
In Japan werden zwanzig
Prozent der Wohnungen von der Industrie für ihre Mitarbeiter erstellt. Große Betriebe wie Toyota und Nissan stünden mittlerweile in einem Wettbewerb, wer die energie-effizientesten Wohnungen errichten lässt. Bei 54 Millionen Wohnungen in Japan besteht großer Sanierungsbedarf. Erklärtes Ziel ist, dass in Zukunft in Japan nur noch zehn Prozent der Wohnungen neu gebaut werden.
In Japan halten die Häuser nur 30 Jahre
Architektur – Diskussion über Nachhaltigkeit mit Kazuo Iwamura
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