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,,Hundert Mal stärker als die Sonne"

Gedenken: Im Herrngarten und im Carree wird an die Opfer der Atombombenabwürfe vor 65 Jahren erinnert

Am 6. und am 9. August vor 65 Jahren explodierte die Atombomben über den japanischen Städten Hiroshima und Nagasaki. Am Freitag und Samstag gedachten das Darmstädter ...

Am 6. und am 9. August vor 65 Jahren explodierte die Atombomben über den japanischen Städten Hiroshima und Nagasaki. Am Freitag und Samstag gedachten das Darmstädter Friedensforum und die Evangelische Erwachsenenbildung im Herrngarten sowie im Carree dieser zivilen Kriegstoten und informierten über die Folgen, der von den Amerikanern abgeworfenen Atombomben in beiden japanischen Städten. Wer wollte, konnte im Carree aus buntem Papier kleine Origami-Kraniche falten.

Origami-Kraniche sind ein Symbol der internationalen Friedensbewegung. Sie erinnern an die Japanerin Sadako Sasaki. Das Mädchen war zwei Jahre alt, als die Atombombe über Hiroshima explodierte. Sadako überlebte, aber neun Jahre später wurde bei der erfolgreichen Schulsportlerin Leukämie festgestellt. Sie hoffte auf eine japanische Legende, dass die Götter dem, der 1000 Origami-Kraniche falte, einen Wunsch erfüllen. Nach einem Monat hatte das Mädchen im Krankenhaus 1000 Vögel gefaltet, aber ihr Überlebenswunsch sollte sich nicht erfüllen. Sie starb 1955 und hatte insgesamt 1600 Kraniche gefaltet. Das 1958 in Hiroshima errichtete Friedensdenkmal zeigt Sadako mit einem Kranich.

,,In diesem Moment, es war inzwischen 8.15 Uhr, blitzte ein riesiges Licht über dem Zentrum auf, doch im gleichen Augenblick hatte ich das Gefühl, das Licht - hundert Mal stärker als die Sonne - sei über und um mich", las die Mainzer Schauspielerin Luise Kinder aus dem Augenzeugenbericht des Jesuitenpaters Helmut Erlinghagen. ,,Plötzlich fühlte ich eine starke Hitze", schilderte Erlinghagen was er in Hiroshima erlebt hatte. Und nach zwei oder drei Sekunden habe ein Knall das Haus erschüttert. Die Hitze- und Druckwelle verbrannte Menschen, zerfetzte Lungen, entfachte Brände und ließ Gebäude einstürzen.

In einem Zwei-Kilometer-Radius um die Explosion waren alle Gebäude zerstört, die meisten Menschen verbrannt und tot. Auf Darmstadt übertragen: Wäre die Hiroshima-Bombe über dem Luisenplatz detoniert, wäre das Gebiet zwischen Nordbahnhof und Moosbergstraße, Esoc und Rosenhöhe sowie Hochschulstadion und dem Tacke-Knoten ausradiert.

Luise Kinder verlas auch das Grußwort des Bürgermeisters von Hiroshima. Tadatoshi Akiba sieht in den Gedenkveranstaltungen einen Beitrag, eine atomwaffenfreie Welt zu schaffen. Er warb dafür, die Staaten zu Verhandlungen zu drängen um 2020 alle Atomwaffen abzuschaffen.

,,Weder die militärische Nutzung, noch die zivile Nutzung der Atomkraft hat Zukunft", sagte Sozialdezernent Jochen Partsch (Grüne) in seinem Grußwort des Magistrats. Er erinnerte daran, dass die Darmstädter Oberbürgermeister seit 1997 Mitglieder der ,,Bürgermeister für den Frieden"-Initiative seien und der Magistrat sich einig sei, Atomwaffen abzuschaffen und zu ächten.

Weltweit existierten noch mehr als 20 000 Atomwaffen, sagte Regina Hagen vom Darmstädter Friedensforum. ,,Wir haben die hoffnungsvolle Botschaft aus Barack Obamas Prager Rede", blickte sie auf das Versprechen des US-amerikanischen Präsidenten, eine Welt ohne Atomwaffen schaffen zu wollen. Die Abrüstung bei den Atommächten sei zugleich die Möglichkeit, Nordkorea und den Iran doch dazu zu bringen, ihre laufenden Atomprogramme zu beenden.


 

Artikel Text Laenge: 3187

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  • 09. August 2010
  • Von mawi
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