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08. Mai 2012  | Von Petra Neumann-Prystaj

Familie Hahn bekämpft den Roten Hahn

Freiwillige Feuerwehr – Ein Ehrenamt von vier Generationen: Feuer löschen, Sturmschäden beseitigen

Ein Leben ohne Feuerwehr  kann sich  Wehrführer Michael Hahn nicht mehr vorstellen. Er ist seit dreißig Jahren bei der Freiwilligen Feuerwehr Arheilgen aktiv. Auch sein Großvater und  sein Vater  gehörten der Organisation an, und seine Kinder sind gerade dabei, diesen Vorbildern nachzueifern.   Foto: Claus Völker
| Vergrößern | Ein Leben ohne Feuerwehr kann sich Wehrführer Michael Hahn nicht mehr vorstellen. Er ist seit dreißig Jahren bei der Freiwilligen Feuerwehr Arheilgen aktiv. Auch sein Großvater und sein Vater gehörten der Organisation an, und seine Kinder sind gerade dabei, diesen Vorbildern nachzueifern. Foto: Claus Völker


Paradox klingt es schon: Elektriker Michael „Micky“ Hahn (47), von der Ausbildung her Kälteklimanlagenbauer, bekämpft seit Jahren das Feuer – den „Roten Hahn“.
„Einmal Feuerwehrmann, immer Feuerwehrmann“, beschreibt der Arheilger seine Beziehung zu dem Ehrenamt, das bereits sein Vater und Großvater ausgeübt haben. Es verwundert nicht, dass Hahns 16 Jahre alte Tochter und sein neunzehnjähriger Sohn von solchen Vorbildern beeinflusst sind: „Die konnte ich von der Feuerwehr einfach nicht fernhalten“, sagt der Vater in gespielter Verzweiflung.
Ein Leben ohne Feuerwehr ist für die Hahns nicht vorstellbar. Für dieses Familien-Hobby müssen aber die Ehefrauen Opfer bringen und solo an manchen Festen oder Geburtstagsfeiern teilnehmen. Denn die Brandbekämpfung hat oberste Priorität.
Vor allem bei Unwettern oder größeren Einsätzen unterstützen die vier Freiwilligen Feuerwehren die Berufsfeuerwehr. Zu dieser hat Michael Hahn einen guten Draht – auch, weil dort sein Schwager arbeitet.
Als er ein Kind war, nahm ihn der Vater nach den Löscharbeiten zu Brandstellen mit. Bald war ihm der Geruch von Verkohltem, der sich beim Feuerlöschen in die Kleidung einnistet, vertraut, nie empfand er ihn als abstoßend. Das Gerätehaus der Freiwilligen Feuerwehr Arheilgen wurde Hahns zweites Zuhause. Zum Freundeskreis gehören bis heute viele Kameraden: Die Feuerwehr ist eben mehr als nur eine Organisation zur Brandbekämpfung.
„Ich will den Leuten helfen“, lautet Hahns Motiv. Zudem machen ihm technische Aufgaben Spaß. Nur in Ausnahmefällen hat er direkt mit Brandopfern zu tun. Denn die Aufgaben am Einsatzort sind exakt verteilt, und wer nicht ins brennende Gebäude vordringen muss, arbeiten den Kameraden von draußen zu. Für das Feuerlöschen und Bergen der Anwohner ist die Feuerwehr zuständig, für die medizinische und seelische Betreuung der Menschen stehen Rettungssanitäter und Notfallseelsorger bereit. Das empfindet Hahn als Entlastung: Er kann sich auf seine Arbeit konzentrieren.
Nach der Grundausbildung bei der Feuerwehr absolvierte er knapp 30 Weiterbildungslehrgänge. In der Landesfeuerwehrschule in Kassel übte er zum Beispiel in einem mit Gas befeuerten Brandhaus unter Atemschutz das kontrollierte Vorgehen mit dem Strahlrohr. Seine Schutzkleidung hält eine Temperatur von rund 350 Grad aus.
Heute ist Hahn einer von neun Zugführern in Arheilgen und hat die Berechtigung für das Kommando über mehrere Löschfahrzeuge. Die Führungsaufgabe fällt immer dem zu, der als Erster am Einsatzort eintrifft – und die entsprechende Ausbildung hat. Manchmal ist Hahn dieser Erste und der Chef, manchmal muss er sich aber auch einem Kameraden unterordnen, der sich bei der Alarmierung gerade in der Nähe des Brandherds befand.

Hahn schätzt, dass er 40 bis 50 Stunden im Monat bei der Feuerwehr verbringt. Sein ständiger Begleiter ist ein Alarmmelder, den er vor dem Schlafengehen auf dem Nachttisch ablegt, eingeschaltet, versteht sich. Auch bei Gartenarbeiten nimmt er den Piepser mit, damit er für die Leitstelle erreichbar ist. Sein Arbeitgeber Merck stellt ihn für die Einsätze frei, das Land Hessen übernimmt die Lohnfortzahlung.
Am unangenehmsten sind Hahn Kellerbrände, „weil man da die Hand vor Augen nicht sieht.“ Er half beim Löschen von so manchem Großfeuer: im Heag-Busdepot am Böllenfalltor (2009), in der Holzgroßhandlung Gentil (1999) und in einer Merck-Lagerhalle (2000). Am stärksten blieb ihm ein Wohnungsbrand in Erinnerung, bei dem eine Frau ums Leben kam. Er sollte sich um die Nachlöscharbeiten kümmern. Die Tote war bereits fortgebracht worden, aber in der Wohnung lag noch Spielzeug herum. Deshalb fürchtete er, in einer Ecke oder unter dem Sofa auf ein totes Kind zu stoßen. Denn anders als Erwachsene rennen Kinder vor einem Feuer nicht weg, sondern verkriechen sich. Doch zur Erleichterung des Familienvaters gab es kein Kind in der Wohnung.
Seit gut 20 Jahren zieht sich die Arheilger Feuerwehr über die Jugendabteilung ihren Nachwuchs heran. Ab zehn Jahren dürfen Kinder mitmachen, bevor sie mit 17 in die Einsatzabteilung wechseln. In Arheilgen gibt es zudem – von Hahns Schwester betreut – die Wichtelfeuerwehr. Die Sechs- bis zehnjährigen treffen sich alle 14 Tage im Gerätehaus – zum Basteln und zum Erlernen der Grundkenntnisse über die Feuerbekämpfung.
Wer sich nicht mehr aktiv an der Brandbekämpfung beteiligen kann, bleibt der Wehr als Feuerwehrvereinsmitglied treu: In Arheilgen gibt es 131 Mitglieder – vom Kind, das von seinen Eltern angemeldet wurde, bis zu den „Feuerwehrrentnern“ ab 60. Der Förderbeitrag beträgt zwölf Euro im Jahr. „Das ist gut angelegtes Geld“, versichert Hahn.

 
 


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