Ein Auto als Hundehütte
Tierhaltung: Unbehagen in der Heimstättensiedlung über das Hausen dreier Vierbeiner im Wagen ihrer Besitzerin
Ist es Tierquälerei, drei Hunde regelmäßig in einem Auto zu halten? Oder ist das in Ordnung, solange die Tiere genug Futter, Sauerstoff und Auslauf bekommen? Über diese Frage scheiden sich die Geister hinsichtlich eines Falls in der Heimstättensiedlung, wo eine Frau schon seit Monaten einen Bordercollie, einen Rottweiler-Riesenschnauzer und einen Tibet-Terrier in ihrem Wagen hausen lässt - auch bei winterlichen Minusgraden wie jetzt.Nurçan Köten, in der Siedlung bekannt als ,,Uschi" vom gleichnamigen ,,Lädchen" im Heimstättenweg, beobachtet das als Anwohnerin schon länger mit Unbehagen und schritt irgendwann ein. Bereits mehrfach hat sie sich an die Stadt und die Polizei gewandt - ihren Aussagen zufolge erstmals im Sommer, als sie die Hunde im heißen Auto entdeckt hat. Getan habe sich seither nichts. Und nun, als Minusgrade und Schnee über das winterliche Darmstadt hereinbrachen, griff die Kauffrau erneut ein. ,,Das bricht mir das Herz", klagt sie. Doch andere scheinen den Fall nüchterner zu betrachten. ,,Wir sehen nicht, dass diese Hundehaltung Schmerzen, Leiden oder Schäden verursacht, haben aber ein Auge drauf", teilt Pressesprecher Frank Horneff für die Stadt mit. Die Stadt habe erstmals Ende Oktober Kenntnis von der Sache bekommen und sich die Situation umgehend angeschaut. Ergebnis: ,,Am Allgemein- und Pflegezustand sowie dem Verhalten der Hunde ist nichts zu beanstanden", fasst Horneff das Urteil der Tiergesundheitsaufsicht des Veterinäramts zusammen. Die drei Hunde gehörten einer Frau, die ihren Freund in der Heimstättensiedlung besuche und die Tiere nicht mit in dessen Wohnung nehmen könne. Die Hunde würden regelmäßig ausgeführt und bekämen ausreichend Nahrung, das sei von der Halterin glaubhaft versichert worden. Auch bei einer zweiten Kontrolle ein paar Wochen später sei nichts zu beanstanden gewesen. Und die extreme Kälte? Die sei Hunden absolut zuzumuten. Das Fell wärme ausreichend, zudem heizten die Tiere sich gegenseitig. ,,Problematisch wird's im Hochsommer", betont Horneff. Da seien in ähnlichen Fällen schon Bußgeldverfahren eingeleitet worden. Aber hier sieht die Stadt derzeit keinen Grund, einzuschreiten. ,,Rechtsgrundlage ist die Tierschutzhundeverordnung", sagt der Pressesprecher, ,,und in der gibt es keine Regelung, die das Halten von Hunden in Autos verbietet."Christian Zentgraf, Leiter des Tierheims, findet die Sache dennoch ,,fragwürdig" , wie er sagt. ,,Hunde überstehen das zwar unbeschadet, aber es ist keine Freude für sie." Problematisch seien weniger die niedrigen Temperaturen, sondern die Platzverhältnisse. Ein Auto sei ein beengtes Transportmittel, und hier werde ein Ausnahmezustand zur Normalität. ,,Wenn das keine einmalige Sache ist, sondern ein Dauerzustand", findet der ausgebildete Tierarzt das ,,grenzwertig". Auch Nurçan Köten, selbst Hundebesitzerin eines Yorkshireterriers namens ,,Candy", will das nicht akzeptieren. Sie gesteht zwar zu, dass die Hunde von ihrer Halterin versorgt werden. ,,Aber trotzdem ist das kein Zustand für die Tiere. Das ist armselig."
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