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19. Januar 2010  |  db

Der Firmenerbe ein Zuhälter?

Landgericht: Heftiger Schlagabtausch zwischen dem angeklagten Anwalt Wolski und einem Zeugen im Prozess um Steuerhinterziehung

Der wegen Steuerhinterziehung in Millionenhöhe angeklagte Frankfurter Anwalt Michael Wolski hat am Montag versucht, die Glaubwürdigkeit eines wichtigen Belastungszeugen durch bohrende Nachfragen zu erschüttern. Im Zeugenstand saß wie bereits am vergangenen Donnerstag Janusz Pomer, Schwiegersohn eines Frankfurter Unternehmer-Ehepaars, das Wolskis Dienste als Berater mit Immobilien, teuren Autos und hohen Geldbeträgen honoriert haben soll. In dem seit Jahren mit harten Bandagen ausgetragenen Konflikt um Steuerhinterziehung und angebliche Untreue ist Pomer ein Hauptwidersacher Wolskis.

Wolski, der normalerweise seinen beiden Verteidigern das Reden überlässt, stellte gestern persönlich zahlreiche Fragen an den Zeugen Pomer; viele davon waren kaum verkappte Gegendarstellungen zu dessen mehrstündiger Aussage. Der gegenseitige Widerwillen, ja Hass zwischen beiden Männern war im Wechselspiel von Fragen und Antworten deutlich spürbar.

Wolski warf Pomer vor, ,,Romane" zu erzählen und ein ,,Schurkenbild" von ihm zu zeichnen; Pomer sprach von ,,Frankenstein-Fan ta sien von Herrn Wolski". Mehrfach griff Richter Rainer Buss ein, um die Kampfhähne zu trennen und weitschweifige Polemiken zu unterbinden.

Inhaltlich legte Wolski Wert auf die Feststellung, Arbeiten von existenzieller Bedeutung für die Unternehmen des Frankfurter Ehepaars erledigt zu haben; dies versuchte er mit dem Verweis auf zahlreiche Einzelprojekte zu untermauern. Pomer hatte indes erklärt, der jüdische Unternehmer habe Wolski abfällig als ,,Schammes" (jiddisch für Diener) bezeichnet.

Ausführlich befassten sich beide Männer mit dem ältesten Sohn des Frankfurter Ehepaars, der laut Pomer als Erbe der Unternehmen vorgesehen war. Wolski erklärte hingegen, der Unternehmer habe nach einer schweren Erkrankung seinen Sohn nicht mehr sehen wollen, weil dieser mehrere Bordelle in Paris und Genf eröffnet habe. In Paris habe er zeitweilig wegen Zuhälterei im Gefängnis gesessen. Zudem habe der Sohn zum Unwillen seines Vaters seine dritte Ehefrau verlassen, um mit einer Prostituierten zusammenzuleben. Pomer versicherte ungefragt, das Bordell in Paris niemals besucht zu haben.

Der Prozess wird am Donnerstag (21.) fortgesetzt.


 
 


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