Mit einem stolz erhobenen Finger und prachtvoll strahlenden Zwiebeltürmen links, neonfarbenen Kruzifixen und irritierend großen Glühbirnen rechts wird der Besucher des Kunstmarkts begrüßt. Zahlreiche Bildhauer, Maler, Grafiker, Foto- und Objektkünstler aus der Region präsentieren sich so erstmals im Darmstadtium. »Mein Darmstadt« ist auf einem Banner zu lesen, und dass es in der Malerei nicht darum gehe, das abzubilden, was man sehe, sondern was man fühle. In diesem Sinne drückt Martin Müller seine Liebe zum Woog, zu einem Café auf dem Marktplatz und zur Mathildenhöhe aus. Angezogen durch einen grellfarbenen Jesus steht man plötzlich in der Nische der »Earl-Street«-Galerie. Hier lässt man sich auch von einer zarten, experimentellem Grafik und dem Entwurf eines multifunktionalen Möbelstücks begeistern. Bei der Kunsthandlung Langheinz lenken all die roten, gol denen und grünen Gartenzwerge von Ottmar Hörl und die farbenfrohen Bilder von James Rizzi die Blicke auf sich. Die gefallen besonders auch den beiden achtjährigen Mädchen Elisabeth und Joanna, die sich von ihren Eltern losgerissen haben, die Kunst auf eigene Faust zu erkunden. »Der Kunstmarkt ist großzügig gemacht«, lobt Bildhauer Christoph Kappesser die rührigen Veranstalter. Er hat etliche seiner Bronzefiguren ausstellt - immer die Schönheit der Frauen im Blick. Über schwingende Bilder mit dem Titel »Die Befreiung Van Goghs« wundert sich der Betrachter mehrfach. »Das ist die Hängung à la Darmstadtium«, erklärt der Galerist und Verleger Gerd Ohlhauser, »die haben wir heute morgen erfunden, passend zum schiefen Gebäude«. Die Bilder in seiner Koje habe er bei einem »Sicherungsverwahrten in Schwalmstadt in Auftrag gegeben«, der schon rund 40 Jahre im Gefängnis sitzt. Immer wieder sind hinter den Arbeiten interessante Geschichten zu erfahren. »Du musst den Flamenco schnuppern können«, betont ein leidenschaftlicher Pierre Kröger. Seine Liebe zur Folklore drückt er in flimmernden Gemälden mit wild tanzenden Körpern aus, die er mit dicker und breiiger Farbe hinzaubert. »Bei meinen Ölbildern«, sagt er, »muss die Oberfläche wie Nilpferdhaut sein.« Haptisch und strukturiert. »Durchgeformt« müssten Bilder sein, das Spontane wie beiläufig mitschwingen. Archaisch und elementar wirken die Köpfe des Bildhauers Baldur Greiner: Hier prangt eine Wetzsteinscheide als Nase im Gesicht, dort irritiert ein grüner Telefonhörer. Der »Spannerkopf« blickt mit aufgerissenen Glotzaugen drein, die einen beweglichen Schuhspanner als Riechorgan flankieren. Annegret Soltau ist mit ihren imposanten Mensch-Tier-Vernähungen vertreten, die durch ihre sensible Komposition Staunen machen. Ob Hunde- oder Pferdeauge, Katzenmaul oder Schweinskopf mit menschlichem Antlitz: So schafft sie es, alles Lebende gleichberechtigt in ihre Collagen einzubinden. Mit ihren Arbeiten hat sie zudem die Manipulation am Körper schon vor langer Zeit vorweggenommen. Bei Caroline Diefenbach steht die Abstraktion im Vordergrund, mit der sich die Künstlerin seit 1989 beschäftigt. Sehriban Köksal Kurt, die in Anatolien studiert hat, bereichert den Saal mit ihren einzigartigen Gebilden aus Pappmaché. »Mich fasziniert das strukturierte Gewebe«, sagt sie, und Henning Wittmann mag es, wie sämtliche zur Schau gestellten Arbeiten »gut zusammen passen«. Er lässt den Blick auf seine Reliefs aus dunkelgrünen Diabas und altem Kupferblech schweifen, während Oberbürgermeister Walter Hoffmann von Pierre Krögers Bauchtänzerinnen schwärmt: »Die Bilder sind so quirlig und lebendig wie Sie.«
Bunt und quirlig wie das Leben
Kunstmarkt: Vom Gartenzwerg bis zur Bauchtänzerin: Malerei, Bildhauerei und Objekte erstmals im Darmstadtium
Mit einem stolz erhobenen Finger und prachtvoll strahlenden Zwiebeltürmen links, neonfarbenen Kruzifixen und irritierend großen Glühbirnen rechts wird der Besucher des Kunstmarkts begrüßt. Zahlreiche Bildhauer, Maler, Grafiker, Foto- und Objektkünstler aus der Region präsentieren sich so erstmals im Darmstadtium. »Mein Darmstadt« ist auf einem Banner zu lesen, und dass es in der Malerei nicht darum gehe, das abzubilden, was man sehe, sondern was man fühle. In diesem Sinne drückt Martin Müller seine Liebe zum Woog, zu einem Café auf dem Marktplatz und zur Mathildenhöhe aus. Angezogen durch einen grellfarbenen Jesus steht man plötzlich in der Nische der »Earl-Street«-Galerie. Hier lässt man sich auch von einer zarten, experimentellem Grafik und dem Entwurf eines multifunktionalen Möbelstücks begeistern. Bei der Kunsthandlung Langheinz lenken all die roten, gol denen und grünen Gartenzwerge von Ottmar Hörl und die farbenfrohen Bilder von James Rizzi die Blicke auf sich. Die gefallen besonders auch den beiden achtjährigen Mädchen Elisabeth und Joanna, die sich von ihren Eltern losgerissen haben, die Kunst auf eigene Faust zu erkunden. »Der Kunstmarkt ist großzügig gemacht«, lobt Bildhauer Christoph Kappesser die rührigen Veranstalter. Er hat etliche seiner Bronzefiguren ausstellt - immer die Schönheit der Frauen im Blick. Über schwingende Bilder mit dem Titel »Die Befreiung Van Goghs« wundert sich der Betrachter mehrfach. »Das ist die Hängung à la Darmstadtium«, erklärt der Galerist und Verleger Gerd Ohlhauser, »die haben wir heute morgen erfunden, passend zum schiefen Gebäude«. Die Bilder in seiner Koje habe er bei einem »Sicherungsverwahrten in Schwalmstadt in Auftrag gegeben«, der schon rund 40 Jahre im Gefängnis sitzt. Immer wieder sind hinter den Arbeiten interessante Geschichten zu erfahren. »Du musst den Flamenco schnuppern können«, betont ein leidenschaftlicher Pierre Kröger. Seine Liebe zur Folklore drückt er in flimmernden Gemälden mit wild tanzenden Körpern aus, die er mit dicker und breiiger Farbe hinzaubert. »Bei meinen Ölbildern«, sagt er, »muss die Oberfläche wie Nilpferdhaut sein.« Haptisch und strukturiert. »Durchgeformt« müssten Bilder sein, das Spontane wie beiläufig mitschwingen. Archaisch und elementar wirken die Köpfe des Bildhauers Baldur Greiner: Hier prangt eine Wetzsteinscheide als Nase im Gesicht, dort irritiert ein grüner Telefonhörer. Der »Spannerkopf« blickt mit aufgerissenen Glotzaugen drein, die einen beweglichen Schuhspanner als Riechorgan flankieren. Annegret Soltau ist mit ihren imposanten Mensch-Tier-Vernähungen vertreten, die durch ihre sensible Komposition Staunen machen. Ob Hunde- oder Pferdeauge, Katzenmaul oder Schweinskopf mit menschlichem Antlitz: So schafft sie es, alles Lebende gleichberechtigt in ihre Collagen einzubinden. Mit ihren Arbeiten hat sie zudem die Manipulation am Körper schon vor langer Zeit vorweggenommen. Bei Caroline Diefenbach steht die Abstraktion im Vordergrund, mit der sich die Künstlerin seit 1989 beschäftigt. Sehriban Köksal Kurt, die in Anatolien studiert hat, bereichert den Saal mit ihren einzigartigen Gebilden aus Pappmaché. »Mich fasziniert das strukturierte Gewebe«, sagt sie, und Henning Wittmann mag es, wie sämtliche zur Schau gestellten Arbeiten »gut zusammen passen«. Er lässt den Blick auf seine Reliefs aus dunkelgrünen Diabas und altem Kupferblech schweifen, während Oberbürgermeister Walter Hoffmann von Pierre Krögers Bauchtänzerinnen schwärmt: »Die Bilder sind so quirlig und lebendig wie Sie.«
Dieses Thema kann nicht kommentiert werden.

Merken
|






















