Als sich der nächste Regenguss verzogen hat, setzt erneut tapferes Zwischentrockenlegen ein: Hier wird über eine Bodenlampe gefeudelt, dort über Gartentische und -stühle gewischt und eine Polsterauflage von der nassen auf die trockene Seite gedreht.
„Gartenlust“, die Open-Air-Ausstellung am Wochenende im Bessunger Orangerie-Garten, wurde zwischenzeitlich auch mal zum Gartenfrust. Besucher und Händler hatten mit dem April zu kämpfen. „Das Wetter ist gruselig“, befand am Samstag eine Standbetreiberin, vor dem Regen geschützt unter einem großen Schirm, gegen die Kälte eingemummelt in eine Decke. Einen gut gelaunten Eindruck machte sie dennoch, ging man nach ihrem Dauerlächeln.
Auch die Schwestern Doris Friedrich und Gisela Drumm lassen sich nicht die Petersilie verhageln. Beziehungsweise den portugiesischen Lorbeer abspenstig machen. „Den nehme ich“, entscheidet Drumm. „Dann würde ich Ihnen den vorbeibringen“, sagt der Händler ihres Vertrauens, wegen dem sie immer wieder kommt. „Weil er ein Gefühl für ganz spezielle Pflanzen mit besonderem Charakter hat“, findet sie. Und es hier „nicht so diese Massenware aus den Baumärkten“ gebe.
Ein Beispiel: „Eine normale Kiefer kennt man ja“, stellt die Kundin aus Gernsheim fest. Aber so ein „Pinus Sherwood Compact“, mit dem sie soeben Bekanntschaft gemacht hat, ein besonders knubbeliges und kugeliges Exemplar von einem Nadelbäumchen, das gibt’s nicht alle Tage. „Und dann diese Anlage“, schwärmt die Gartenliebhaberin mit schweifendem Blick über den mit Blumen und Brunnen gespickten Park. „Das nehmen wir obendrein mit als wunderbare Kulisse.“
Zum ersten Mal dabei ist hingegen Nicole Müller. „Wir legen gerade den Garten neu an und da macht es Spaß, sich Anregungen zu holen“, sagt die Bergsträßerin. Möglichst naturnah wolle sie ihn gestalten und ein bisschen romantisch. Und sie ist bereits fündig geworden: Eine weiße Keramikschale hat sie erstanden. „Allerdings mehr für drinnen als für draußen.“
Profi Andreas Büchner lässt sich gerade zwei Wasserpflanzen für den heimischen Teich einpacken. „Etwas edler“ sei es im Vergleich zu Großmärkten, meint er. „Die Fachberatung ist natürlich besser als im Baumarkt“, befindet der Arheilger, der im beruflichen Leben stellvertretender Revierleiter der städtischen Rosenhöhe ist. „Und das Ambiente in der Orangerie ist natürlich genial.“
Wenn auch diesmal etwas arg verregnet. Tropfnass sind Zitronen- oder Feigenbäumchen, Riesenfarn oder Rosmarin, der dennoch seinen intensiven Kräuterduft absondert. Tropfnass sind aufgestellte Sonnen- und herumgetragene Regenschirme. Und tropfnass wäre auch die Polsterung der Outdoor-Couch, wäre sie nicht aus jenem synthetischen Spezialmaterial, das die Nässe nicht aufnimmt, sondern so durchschleust, dass das Sofa trotz Regenguss so gut wie trocken ist. Magie? Nein: „Das hat etwas mit der Geometrie der Zellen zu tun“, klärt Eberhard Uhland auf, der das Möbelstück anbietet.
Interessant für Familie Heß, die sich nach neuen Gartenmöbeln umschauen will. Und die Wünsche des achtjährigen Sohnes Marvin? Keine Frage, was er am liebsten von der „Gartenlust“ mit nach Hause nehmen würde: „Den Rollrasen!“
„Gartenlust“ trotzt dem Regenwetter
Händler und Besucher im Orangerie-Garten lassen sich vom Wetter nicht die Petersilie verhageln




Merken
|


























