Kurz nach der Gründung im Jahre 1987 hatte Gwup gleich ihren medienwirksamsten Fall. Der Vorsitzende Amardeo Sarma erinnert sich: „Wir haben 19 Wünschelrutengänger getestet. Das war mit großem Zeit- und Geldaufwand verbunden.“ In einem Zelt vor dem Studio der HR-Wissenschaftsredaktion in Kassel wurden Leitungen unter dem Boden verlegt. Die Personen, die von sich behaupteten, Wünschelrutengänger zu sein, sollten eine gewisse Strecke ablaufen und angeben, ob gerade Wasser durch die Leitung unter ihnen fließt oder nicht. „Jeder bekam 30 Durchgänge.“
Das Ergebnis: „Alle Teilnehmer lagen zwischen 11 und 20 richtigen Angaben“, sagt Sarma. Das sei auch statistisch so erwartet worden. „Was wir durch den Versuch erreicht haben: Da ist nichts dran.“ Einige Teilnehmer hätten sich damit abgefunden, dass sie keine übernatürlichen Fähigkeiten hätten. Andere hätten die ausbleibende Vorhersagekraft mit Störfeldern und mangelnder Konzentration aufgrund der Wettbewerbssituation zu erklären versucht.
Verbogene Löffel, Stimmen aus dem All oder Kornkreise: Die Gwup-Mitglieder möchten aufzeigen, was es mit den Phänomenen auf sich hat. Sie sehen sich als Entlarver von vermeintlich Übernatürlichem. „Löffel, die scheinbar mit übernatürlichen Kräften verbogen werden, sind vorher präpariert worden“, sagt Sarma. Und räumt sogleich mit einem weiteren im Fernsehen bekannt gewordenen Spektakel auf: Alte, stehen gebliebene Uhren nur mit geistigen Kräften wieder zum Laufen zu bringen.
Sobald die Personen die Uhren in ihren Händen hielten, erwärmten sie dadurch das Material. „Bei 100 Uhren können dann durchschnittlich 15 Uhren wieder laufen – aber nur für kurze Zeit.“ Sarma zieht daraus einen Schluss, den er für etliche Phänomene gültig sieht: „Das sind natürliche Vorgänge, die paranormal umgedeutet werden.“
Die Roßdörfer betätigen sich auf mehreren Feldern. Zum Einen bringen sie den „Skeptiker“, eine Zeitschrift für Wissenschaft und kritisches Denken heraus, Erscheinungsweise vierteljährlich. Dadurch soll ein Beitrag geleistet werden, um eine kritische Öffentlichkeit herzustellen. „Nicht alles glauben, was einem so serviert wird“, sagt Sarma. Inhaltlich befasst sich die Zeitschrift mit populären Themen wie etwa Alternativmedizin, Ufo-Forschung und Esoterik.
Außerdem hat Gwup am Standort in Roßdorf eine Bibliothek eingerichtet. Zu den Werken zählen „Sie sind mitten unter uns – Die Wahrheit über Vampire, Zombies und Werwölfe“, „Das sockenfressende Monster in der Waschmaschine – Eine Einführung ins skeptische Denken“ sowie „Die andere Medizin – ,Alternative‘ Heilmethoden für sie bewertet“ von Stiftung Warentest.
Herr über die Bücher ist Martin Mahner, der sich selbst als „einzigen bezahlten Skeptiker in Deutschland“ bezeichnet. Er ist seit 13 Jahren einziger Hauptangestellter der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften. „Einen Großteil meiner Arbeitszeit verbringe ich damit, Anfragen von Öffentlichkeit und Presse zu bearbeiten“, sagt Mahner.
Ein Trend in der Gesellschaft, über den Mahner nur seinen Kopf schütteln kann, ist die Übertragung der Alternativmedizin auf Tiermedizin. Wenn Hundehalter ihren Tieren Telepathiestunden verordnen, stößt das bei Mahner auf Unverständnis. So kämpft Gwup auch nach 25 Jahren weiter für ihre Positionen und leistet Aufklärungsarbeit.
Die Entzauberer der Wünschelrute
Parawissenschaften – In Roßdorf deckt ein Verein die Wahrheit hinter ungeheuerlichen Geschichten auf

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