REINHEIM.
Ob Kinder sich im Kindergarten gut einleben, hängt wesentlich davon ab, wie entspannt die erste Ablösung vom Elternhaus gelingt. Je größer das Vertrauen, das Eltern in die Betreuungseinrichtung haben, umso sicherer die Schritte des Kindes zur Selbstständigkeit. Die Erzieherinnen vom Kindergarten am Stadtpark unterstützen diesen Prozess einfühlsam. Heike Rehnert, Leiterin der Einrichtung, sagt: ,,Eltern bleiben bei uns nicht draußen vor der Tür. Sie sind in einen intensiven Prozess des Austauschs und Kennenlernens mit Erzieherinnen und Elternbeirat eingebunden." Seit Ende 2008 bietet der Kindergarten Schnuppernachmittage für Zweijährige und Eltern an. Jetzt wurde ein weiteres Angebot initiiert: Angehende Kindergartenkinder und ihre Eltern sowie ,,alte Kindergartenhasen" sind jeden ersten Freitag im Monat vormittags in die ,,Kaffeestube" eingeladen.,,80 Prozent unserer Familien kommen aus anderen Kulturkreisen - wie haben Kinder italienischer, türkischer, kurdischer, afrikanischer oder russischer Herkunft", erklärt Rehnert. Sprachbarrieren zu überwinden, brauche Zeit. Teils sei es zudem für Mütter einfacher, tagsüber zu Gesprächen zu kommen. ,,Elternabende allein greifen nicht." 75 Kinder ab drei Jahre besuchen den Kindergarten. Das sind deutlich weniger als früher, so dass ein frei gewordener Gruppenraum Kapazität für neue Aktivitäten bietet. ,,Hier richten wir das Frühstücksbuffet für die Kinder aus, machen Kreativitätsangebote und bieten nun auch die Kaffeestube an", erklärt Rehnert. Gut ein Dutzend Mütter und Großeltern folgen bislang der Einladung regelmäßig. Nougattorte, Muffins und Götterspeise-Kuchen stehen zum Schmaus bereit. Gebacken wird im Turnus von Müttern und Elternbeiratsmitgliedern der verantwortlichen Gruppe. ,,Der Erlös ist ebenfalls hilfreich - die Haushaltskasse ist leer und wir decken dringenden Materialbedarf zunehmend selbst ab", so die Leiterin. Sandy Beyer, Mitglied des Elternbeirats, lobt die ,,Kaffeestube": ,,Sie bietet Forum zum Austausch über Kindererziehung. Projekte werden besprochen und die Eltern lernen die Erzieherinnen besser kennen, denen sie ja schließlich ihr Kind anvertrauen."
Gabi Neugebauer, stellvertretende Leiterin, begrüßt liebevoll die kleine Lena (1). Sie ist ein Geschwisterkind. Ihr Bruder Felix besucht den Kindergarten schon. Neugebauer erzählt, dass die Kommunikation in lockerer Atmosphäre für alle Beteiligten hilfreich sei und der pädagogischen Arbeit zugute komme. ,,Wir Erzieherinnen bekommen mehr Einblick in das Leben gerade ausländischer Familien. Mit Händen und Füßen kommunizieren wir, was oft auch lustig ist", sagt sie. Ewelina Altin ist mit ihrer Tochter Jenny (2) dabei. ,,Meine Kleine ist jedes Mal begeistert und fühlt sich schon jetzt wie ein großes Kindergartenkind", sagt sie. Neugebauer kommentiert: ,,Wir sorgen für Familienatmosphäre und haben ein offenes Ohr für Sorgen und Nöte. Das schafft Vertrauen."Rumänin Daniela Adam holt ihre Tochter Selina (4) ab und trinkt gern eine Tasse Kaffee mit. ,,Das Engagement der Erzieherinnen ist wirklich toll", sagt sie. Auch Beyas Demirel genießt den Austausch: ,,Meine Kinder sprechen zuhause kurdisch, hier deutsch. Ich finde es schön, die anderen Mütter kennen zu lernen." Kindergartenleiterin Heike Rehnert hat für jeden Gast ein freundliches Wort. ,,Wir beobachten, dass die Eingewöhnungszeit auf diese Weise einfacher verläuft. Mütter von Kindern, die schon dazu gehören, helfen, Unsicherheiten abzubauen. Kurzgespräche beim Abholen müssen meistens schnell-schnell gehen. Hier bieten wir Zeit und Raum."

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