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Zu viel Holz vor der Hütte

Naturschutz – Behörde verlangt Räumung, weil Brennholz nicht außerhalb der Gemarkung gelagert werden darf

Auch ein Forstwirt darf Brennholz nicht einfach außerhalb des Ortes stapeln. Diese Erfahrung hat Walter Nicklas aus Modautal-Lützelbach gemacht. Immerhin könnte einer der zwei Lagerplätze legalisiert werden.
MODAUTAL.
Das ist zuviel: Ein Brennholzstapel von Forstwirt Walter Nicklas kurz vor Modautal-Lützelbach. Die Gemeindevertretung soll nun entscheiden, ob das Grundstück in die Gemarkung aufgenommen wird. Bei einem weiteren Lagerplatz am Waldrand geht das nicht, er muss auf jeden Fall bis 2014 geräumt werden. Foto: Karl-Heinz Bärtl
Das ist zuviel: Ein Brennholzstapel von Forstwirt Walter Nicklas kurz vor Modautal-Lützelbach. Die Gemeindevertretung soll nun entscheiden, ob das Grundstück in die Gemarkung aufgenommen wird. Bei einem weiteren Lagerplatz am Waldrand geht das nicht, er muss auf jeden Fall bis 2014 geräumt werden. Foto: Karl-Heinz Bärtl

Gut 600 Raummeter betrug die Holzmenge, die Walter Nicklas auf zwei seiner Grundstücke, am Orts- und am Waldrand, lagerte. Ein Raummeter ist die Holzmenge, die in eine Kiste mit dem Inhalt eines Kubikmeters passt. Die Lagerung hat die Naturschutzbehörde des Landkreises Nicklas nun untersagt und mit ihm einen Vertrag geschlossen, der die Räumung bis 2014 verlangt.
Nicklas wundert sich. „Wenn ich Landwirtschaft hätte, dürfte ich Heuballen auch auf Grundstücken lagern“, sagte er im Gespräch mit dem ECHO. Die Gesetzeslage ist allerdings etwas komplizierter, wie Thomas Fischbach von der unteren Naturschutzbehörde erklärt. Wild lagern dürfe grundsätzlich niemand, jeder Lagerplatz sei baugenehmigungspflichtig. Im Außenbereich, also außerhalb der Gemeindegemarkung, könne laut Hessischer Bauordnung die Genehmigung erteilt werden, wenn es dem Flächennutzungsplan nicht widerspreche. Das ist vor dem Wald aber der Fall, damit scheidet ein Lagerplatz aus. Warum der Flächennutzungsplan zu beachten ist, zeigt Fischbach mit einem Beispiel: „Stellen Sie sich vor, der Landwirt treibt seine Rinder einfach in den Wald.“

Noch aus einem anderen Grund darf Nicklas im Außenbereich kein Brennholz lagern. Die Scheite seien von Gesetz wegen einfach nicht vergleichbar mit Heuballen, erklärt Fischbach. Die Ballen dürfen gelagert werden, sie sind Teil der landwirtschaftlichen Tätigkeit. Dafür genehmige man typischerweise Hallen im Außenbereich. Das ergibt sich aus dem Baugesetz, das Land- und Forstwirtschaft privilegiert und deshalb Bauten auch im Außenbereich zulässt. Heu und Stroh dürfen dort aber nur zum Verbrauch zwischengelagert werden, so wie auch der Forstwirt sein Langholz im Wald zwischenlagern kann.
Verkauft ein Forstwirt Brennholz an Privatleute, gehört das wiederum nicht zu seinen privilegierten Tätigkeiten, es begründet einen eigenen Betriebszweig. Und dafür darf im Außenbereich kein Lager errichtet werden. Einzige Ausnahme: Es dient dem Direktverkauf. „Da müsste der Forstwirt das Holz, das er schlägt, direkt verkaufen. Das ist vergleichbar mit Blumen oder Erdbeeren zum Selberpflücken, wo am Feldrand eine kleine Verkaufsstelle steht“, sagt Fischbach.
Um wenigstens den Lagerplatz direkt am Ortsrand zu legalisieren, soll das Grundstück nun in die Gemeindefläche aufgenommen werden, sagt Modautals Bürgermeister Jörg Lautenschläger (CDU) dem ECHO. Die Gemeindevertretung soll dazu in der nächsten Sitzung entscheiden. Bei Zustimmung erfordere das dann eine Änderung des Flächennutzungsplanes, die Kosten müsse Nicklas tragen.
Ganz verstehen kann Lautenschläger das alles nicht. „Ein Holzstapel ist ja kein landschaftlich fremdes Bild.“ Und der Natur schade er nicht. Nicklas verfüge noch über Lagerplätze im Ort, die er bewusst nicht vollgestapelt habe – er wollte Anwohnern nicht die Aussicht vollstellen.


 

Artikel Text Laenge: 2870

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  • 22. Mai 2012
  • Von jbü
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