E-Paper | Mobil | Newsletter | RSS RSS
 
 
| |
 
SUCHE: | Erweiterte Suche |
 
| Suchen |
 
 

Dagger-Komplex: Spazierengehen am Eberstädter Weg nicht erlaubt?

Dagger-Komplex: Griesheimer Bürgermeisterin will Klärung von der Militärverwaltung in Wiesbaden

Neue Schilder am Dagger-Komplex weisen darauf hin, dass man sich als Fußgänger jetzt auch nicht mehr auf dem Eberstädter Weg bewegen dürfe. Oder sind etwa nur die amerikanischen Angestellten gemeint – warum auch immer?  Foto: Carmen-Ramona Erlenbach
Neue Schilder am Dagger-Komplex weisen darauf hin, dass man sich als Fußgänger jetzt auch nicht mehr auf dem Eberstädter Weg bewegen dürfe. Oder sind etwa nur die amerikanischen Angestellten gemeint – warum auch immer? Foto: Carmen-Ramona Erlenbach
Hinweisschilder am Dagger-Komplex, die Spaziergänge auf dem Eberstädter Weg verbieten, sorgen für Verwirrung. Griesheims Bürgermeisterin ist empört. Die Schilder seien an das US-Personal gerichtet und dienten lediglich der Verkehrssicherheit, sagen die Amerikaner.
DARMSTADT/GRIESHEIM.

Dass die US-Amerikaner durch die regelmäßigen Spaziergänge vor dem Dagger-Komplex genervt sind, zeigte sich am vergangenen Samstag. Nachdem der Dagger-Sicherheitsdienst geglaubt hatte, eine Spielzeugdrohne statt über dem Eberstädter Weg über dem abgeschirmten Gelände gesehen zu haben, alarmierte er die deutsche Polizei und die Militärpolizei. Schließlich rückte die Ordnungsmacht mit fünf Einsatzfahrzeugen und einem Hubschrauber zum Komplex an, wo der US-Geheimdienst NSA aktiv sein soll (wir berichteten). Sollte diese Präsenz der Einschüchterung dienen?

Für wen gilt das Schild?

Aufgefallen ist nun gestern am Zaun des Dagger-Komplexes neben zahlreichen Hinweisschildern auch ein Schild, das Spaziergänge auf dem Eberstädter Weg verbietet. Doch an wen richtet sich das?

Es handele sich um eine öffentliche Straße. Und weil das so ist, dürften die Amerikaner auch niemandem verbieten, sich dort aufzuhalten, sagte Griesheims empörte Bürgermeisterin Gabriele Winter (SPD) im Gespräch mit dem ECHO. Nach den jüngsten Vorkommnissen hat sich Winter in einem Schreiben an das Hauptquartier der Amerikaner in Wiesbaden gewandt. Sie wolle endlich wissen, was auf dem Dagger-Komplex passiere, weil sie ständig von Bürgern und Medien angesprochen werde, aber keine konkrete Auskunft geben könne. Dass der Eberstädter Weg gesperrt werde, hält sie für ausgeschlossen. „Jeder darf dort fahren, radeln oder spazieren gehen“, betonte sie. „Das bleibt eine öffentliche Straße“.

Auch die Stadt Darmstadt, auf deren Gemarkung sich der Komplex befindet, sieht keinen Grund, auf dem Eberstädter Weg irgendetwas zu verbieten. Oberbürgermeister Jochen Partsch (Grüne) betonte, es handle sich um öffentliches Gelände, auf dem sich jeder bewegen dürfe. „Wir sehen keinen Anlass, dort irgendetwas abzusperren“. Zudem gebe es dafür keinerlei Rechtsgrundlage.

Gabriele Winter telefonierte gestern mit den amerikanischen Streitkräften in Wiesbaden. Dort habe man ihr versichert, dieses Schild gelte nur für das Personal. Auch die ECHO-Redaktion erhielt auf Anfrage diese Antwort. Das Verbot diene lediglich der Verkehrssicherheit und hänge dort schon über ein Jahr, sagt Sprecherin Teri Viedt. Kenner des Areals sind sich sicher, dass das Schild erst kürzlich aufgehängt wurde.

Griesheims Bürgermeisterin Winter ist mit der Erklärung nicht zufrieden. Die Formulierung „Achtung Personal, Fußgängerverkehr entlang des Eberstädter Weges ist nicht erlaubt“ könne auch als Hinweis angesehen werden, dass niemand dort spazieren gehen dürfe, sagt sie. „Das kann man so nicht machen.“ Offenbar ist dies auch bei den US-Amerikanern angekommen. Um weitere Missverständnisse zu vermeiden, soll das Schild nun abgehängt werden, meldete Viedt.

Drohne „Willi“ ist wieder frei

Derweil hat die Polizei die am vergangenen Samstag beschlagnahmte Drohne „Willi“ wieder freigegeben. Ihr Besitzer Bernhard Kern von der Piratenpartei hat einen Brief bekommen und will „Willi“ heute bei der Polizei abholen. Ein Ergebnis der Drohnen-Untersuchung gibt es laut Polizei noch nicht.

Polizei-Pressesprecherin Andrea Löb versichert, dass die Polizei keinen Grund habe, nun jeden Spaziergang am Dagger-Areal zu überwachen. Es werde wegen eines Schildes auch keine Platzverweise geben. Das Recht der Amerikaner ende am Zaun des Dagger-Geländes.

Wachdienst agiert auch außerhalb des Geländes

Verbrieft ist jedoch, dass der Wachdienst des Komplexes auch außerhalb des Geländes agiert. Wie berichtet, wollten die Wachleute vor einigen Wochen den früheren Bürgermeister Norbert Leber (SPD) und einen Reporter des Hessischen Rundfunks verjagen und verlangten deren Ausweise, als beide sich vor dem Dagger-Komplex zu einem Interview trafen. Zwei Fahrzeuge des ECHO, auf einem Feldweg gegenüber des Komplexes geparkt, wurden wenige Tage später von einem Fahrzeug der Amerikaner blockiert, fotografiert und die Kennzeichen notiert. Später folgte ein schwarzer Van einem der ECHO-Fahrzeuge bis zum Darmstädter Verlagshaus.

 

Artikel Text Laenge: 3984

ANZEIGE
 
  • 21. August 2013
  • Von Hans Dieter Erlenbach
x Artikel verlinken

Wenn Sie auf diesen Artikel von echo-online.de verlinken möchten, können Sie einfach und kostenlos folgenden HTML-Code in Ihre Internetseite einbinden:

Bitte beachten Sie unsere AGB, die Datenschutzerklärung und das Impressum. Sämtliche Rechte für Artikel liegen bei der Echo Medien GmbH. Beiträge dürfen als Textkopie, Pdf-Datei oder Bild-Scan nur nach Absprache in das Layout anderer Seiten eingebunden werden.

Mehr zum Thema:
 
SCHON GESEHEN?
 
 
ANZEIGE