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Aufruhr am Dagger-Komplex

Protest – Ein Dutzend Spaziergänger sorgt für aufsehenerregenden Polizeieinsatz

Was macht Ihr hier? Die Polizei erscheint bei den Demonstranten vor dem Dagger-Kompklex und redet mit Daniel Bangert. Foto: Hans Dieter Erlenbach
Was macht Ihr hier? Die Polizei erscheint bei den Demonstranten vor dem Dagger-Kompklex und redet mit Daniel Bangert. Foto: Hans Dieter Erlenbach
Es war nur ein kleiner Spaziergang von etwa einem Dutzend junger Menschen aus Griesheim. Doch plötzlich rückten Polizei und Militärpolizei und sogar ein Polizeihubschrauber an.
DARMSTADT/GRIESHEIM.

Wie fast jeden Samstag spaziert Daniel Bangert aus Griesheim gegen 15 Uhr zum Marktplatz, um dort ein Bierchen zu trinken. Und wie jeden Samstag gesellen sich etwa ein Dutzend junger Menschen dazu. Sogar ein Fernsehteam der ARD ist diesmal gekommen. Denn Bangert ist bundesweit bekannt, seit er über Facebook eine Demonstration vor dem US-Gelände auf Darmstädter Gemarkung organisiert hatte. Da die Fernsehleute den Dagger-Komplex mal kennenlernen wollen, macht man sich auf zu einem kleinen Spaziergang.

Zur gleichen Zeit sitzen zwei Wachleute des Komplexes seelenruhig auf der Bank der Bushalltestelle vor ihrem Wachhäuschen und genießen die Sonne. Das Gelände wirkt wie ausgestorben. Doch als die Überwachungskameras auf dem Gelände die wenigen Spaziergänger erfassen, bricht Hektik aus. Das Zufahrtstor wird verschlossen und mit einer dicken Kette gesichert. Ihr Einsatzfahrzeug fahren die Wachleute in das Innere des Areals, bevor sie sich in ihr mit verspiegelten Scheiben versehenes Wachhäuschen zurückziehen. Und dann wird hektisch telefoniert.

Die jungen Leute spazieren derweil an dem Gelände vorbei. Aus Spaß lassen sie eine kleine Drohne fliegen, die surrend über der Straße steht. Sie fotografieren mit ihren Handys das Gelände, die Fernsehleute drehen ihre Bilder. Neben dem Haupeingang zum Dagger-Komplex breitet Daniel Bangert eine gelbe Decke aus. Andere packen Proviant und Getränke aus und lassen sich zu einer Pause auf dem Boden nieder.

Es dauert nicht lange, bis die erste Polizeistreife erscheint. Was das hier soll, wollen die beiden jungen Beamten wissen. „Nur ein Spaziergang und ein kleines Picknick“, versichern Bangert und seine Mitstreiter. Die Polizei will nicht gefilmt und nicht fotografiert werden. Von den Amerikanern hat die Polizei auch Kenntnis von der kleinen Drohne. Ein Spielzeug für nicht einmal 300 Euro. Der Besitzer packt das Plastik-Fluggerät in seinen Rucksack und alles scheint gut.

Inzwischen ist ein zweites Polizeifahrzeug aufgetaucht und steht mit einigem Abstand zu der kleinen Gruppe am Straßenrand. Und dann knattert es in der Luft. Ein Polizeihubschrauber der Egelsbacher Hubschrauberstaffel kreist plötzlich über der Wiese vor dem Dagger-Komplex. Die Fernsehleute sind glücklich. So tolle Bilder mit Polizei am Boden und in der Luft hätten sie gar nicht erwartet. Fast zehn Minuten lang steht der Hubschrauber über dem Areal. Die kleine Gruppe wird von oben fotografiert und gefilmt. Dann dreht der Hubschrauber wieder ab.

Plötzlich rasen kurz hintereinander zwei Autos der Militärpolizei heran. Die Insassen nehmen Kontakt mit ihren etwas abseitsstehenden deutschen Kollegen auf. Ein drittes Polizeiauto kommt. Spätestens jetzt sind mehr Polizisten als Spaziergänger vor Ort. Es geht wohl immer noch um die Drohne. Die Amerikaner glauben, das kleine Ding habe den Dagger-Komplex überflogen und Aufnahmen gemacht. Schließlich kommen die beiden jungen Polizeibeamten zurück zu der Gruppe und beschlagnahmen die Drohne. Mit welchem Recht sie das tun, können sie nicht so genau erklären. Denn die kleinen Spielzeuge sind nicht verboten. Jeder Knirps kann sich so etwas zulegen und damit spielen. Doch Ordnung muss sein. Immerhin teilen die beiden Beamten jetzt mit, dass gegen den Spaziergang und das Picknick nichts einzuwenden sei.

Nun öffnet sich das schwere Tor zum Dagger-Komplex und die beiden Fahrzeuge der Militärpolizei werden eingelassen. Drinnen steigt einer der Militärpolizisten aus und fotografiert oder filmt die Gruppe, die sich wieder auf dem Rückweg macht.

Dass ein paar junge Leute, die nicht einmal ein Protestplakat mit sich führen und nichts Verbotenes getan haben, die Staatsmacht derart in Bewegung bringen, amüsiert sie später noch, als sie in Griesheim wieder gemeinsam bei einem Bier sitzen.

 

Artikel Text Laenge: 3785

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  • 17. August 2013
  • Von Hans Dieter Erlenbach
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