Über den Unterschied zwischen Zwei- und Viertaktmotoren lässt sich lang referieren. Über technische Grundsätze, verschiedene Bauweisen, deren Vor- und Nachteile lassen sich Bücher füllen. Man kann den Gegensatz aber auch ganz einfach erklären. „Der Zweitakter macht ein Geräusch, das sich wie ,Römtömtöm‘ anhört, der Viertakter klingt eher nach , Putputput‘“, sagt Carola Sander und lacht: „Ich bevorzuge das ,Putputput‘.“
Da ist es gut, dass Hans Bessenbacher, bei dem sie als Sozia mitfährt, einen Viertakt-Motorroller hat. Nicht irgendeinen, sondern das Modell „Tourist 103 A-2“ der Marke „Heinkel“, Baujahr 1962. Durch das Gefährt lernten sich die 43 Jahre alte Hamburgerin und der zweiundfünfzigjährige Bamberger kennen. Das war vor 18 Jahren, bei einem Heinkel-Treffen. Seither kreuzen sich die Wege der beiden immer dann wieder, wenn der „Heinkel-Club Deutschland“ seine Mitglieder zum Jahrestreffen oder, wie derzeit im Fischbachtal, zur „Heinkel-Touristik“ einlädt.
Die Teilnehmer der „Heinkel-Touristik“ sind noch bis Sonntag (8.) im Fischbachtal und im Odenwald anzutreffen. Am heutigen Freitag (6.) führt ihre Tour zur Burg Frankenstein, nachmittags zum Felsenmeer bei Reichenbach. Am Samstag (7.) können die Roller in Erbach besichtigt werden. Da die Fahrer ihre Touren in kleinen Gruppen selbst organisieren, können keine verbindlichen Angaben zu den Abfahrtszeiten gemacht werden.
„Zum fünfundzwanzigjährigen Bestehen veranstaltete der Club eine Deutschlandrundfahrt, die in Göttingen startete und 3100 Kilometer durch die Republik führte“, erzählt Markus Schlaugat. Die Veranstaltung sei bei den Mitgliedern so gut angekommen, dass es eine Wiederholung geben sollte. „Bei der Deutschlandtour konnten die Teilnehmer aber nur auf Campingplätzen übernachten. Manchen wäre ein Hotelbett lieber gewesen.“ Um diesem Wunsch nachzukommen, organisierte Schlaugat 2010 erstmals ein mehrtägiges Oldtimer-Treffen an einem festen Ausgangspunkt, verbunden mit Rundfahrten durch die Region. 48 Heinkel-Fahrer kamen zum ersten Treffen nach Gommern in Sachsen-Anhalt, an der zweiten Veranstaltung am Edersee nahmen 74 Mitglieder teil. Ins Fischbachtal zog es nun 78 Oldtimer-Freunde.
Die Heinkel-Roller und -Mopeds, die zwischen 1956 und 1958 auch als Kabinenroller gebaut wurden, finden immer mehr Fans. Was die Fahrt auf den Rollern so besonders macht, erklärt Rudi Geringhoff aus Hamburg: „Man ist gemütlich unterwegs und bekommt während der Fahrt viel von der Umgebung mit.“ Hinzu komme die Gemeinschaft innerhalb des Clubs, in dem es nicht ausschließlich ums Rollerfahren gehe. Daneben hätten viele Mitglieder noch andere außergewöhnliche Hobbys, sagt Geringhoff und weist auf seinen Titel als „Norddeutscher Meister im Pfeife-Langsam-Rauchen“ hin. Mit den Heinkel-Rollern komme auch das Lebensgefühl der späten 1950er Jahre wieder auf, in der die Fahrzeuge ihre Hochphase hatten.
„1965 wurde die Produktion eingestellt, da sich immer mehr Menschen ein Auto leisten konnten. Der Roller hatte ausgedient“, sagt Schlaugat. In der Folge wurden die meisten verschrottet. Einige überdauerten jedoch die Jahrzehnte in Scheunen oder Garagen und wurden, als die Marke „Heinkel“ in den achtziger Jahren eine Renaissance erlebte, sorgfältig restauriert. Für ihn selbst sei mit seinem ersten gebrauchten Heinkel-Roller eine Kindheitserinnerung lebendig geworden. „Einen der Vorbesitzer konnte ich ausfindig machen. Es war ein recht emotionaler Moment, als er seinen Roller wiedersah“, erzählt Schlaugat.
Der Name „Heinkel“ ist für viele gleichbedeutend mit Emotion. „Meinen Roller habe ich seit der Lehrzeit“, sagt Hans Bessenbacher und fügt mit einem Schmunzeln an: „Wir sind gemeinsam älter geworden. Der Roller hat die Farbe geändert, ich die Form.“

Merken
|





















