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Protest gegen riesiges Lager im Dieburger Dreieck

Logistik – Besorgte Einwohner aus der Region wollen zeitnah eine Bürgerinitiative gründen – „Zu groß für den Standort“

Die Ausmaße der geplanten Lagerhalle am Stadtrand Dieburgs in Richtung Altheim schrecken manche Beobachter auf. Sie wollen das vom Stadtparlament einhellig befürwortete Projekt stoppen. archiv: Zeichnung fiege
Die Ausmaße der geplanten Lagerhalle am Stadtrand Dieburgs in Richtung Altheim schrecken manche Beobachter auf. Sie wollen das vom Stadtparlament einhellig befürwortete Projekt stoppen. archiv: Zeichnung fiege
Gegen das geplante Großlager des Logistikunternehmens Fiege im Dieburger Dreieck Richtung Altheim regt sich Widerstand. Während die Stadtverordneten das Projekt unterstützen, wollen besorgte Einwohner aus Dieburg und umliegenden Orten nun eine Bürgerinitiative gründen.
DIEBURG.

550 Meter lang, 155 Meter breit und 17 Meter hoch soll – wie berichtet – ein dreigeteiltes Großlager des Logistikkonzerns „Fiege“ am Dieburger Stadtrand werden. Ein Mammutbau mit 90 000 Quadratmeter Nutzfläche und einer Investitionssumme von 40 bis 50 Millionen Euro, der nach Angaben des Investors etwa 480 Lkw-Bewegungen täglich rund um die Uhr nach sich ziehen wird. Zum Vergleich: Das „Loop 5“ Einkaufszentrum bei Weiterstadt ist – ohne Parkdeck – 330 Meter lang, 100 Meter breit und 18 Meter hoch.

Gründungstreffen

Die Versammlung für eine Initiative gegen das Großlager soll am Montag (12.) um 19.30 Uhr in Dieburg erfolgen; der passende Raum wird derzeit gesucht. Kontakt: bebauung-dieburger-dreieck@web.de.

Ist das geplante Mega-Lager zu groß für Dieburg? Dies ist eine der Sorgen, die am Donnerstagabend rund 30 Bürger zu einem ersten Treffen in einer Gaststätte unweit der künftigen Großbaustelle zusammenführte. Neben Dieburgern waren auch Einwohner aus umliegenden Orten und Gemeindevertreter aus Münster und Babenhausen gekommen.

Bedenken in Münster und Babenhausen

Dort werde das Vorhaben sehr kritisch gesehen, bei allem Verständnis für Dieburgs Politiker, die sich Einnahmen durch den Geländeverkauf sowie bis zu 500 Arbeitsplätze und zusätzliche Gewerbesteuer erhoffen. Aber Dieburg und das Umland werde dies durch zunehmende Belastungen (Verkehr, Lärm, Umwelt, Abwasser) zu teuer bezahlen, waren sich die Teilnehmer einig.

„Mich ärgert am meisten, dass solch ein Großprojekt so schnell von der Politik durchgezogen wird, und dass im Stadtparlament niemand sich die Zeit nimmt, auf Probleme und Bedenken tiefer einzugehen“, kritisierte ein älterer Dieburger.

Gekommen waren auch Einwohner aus umliegenden Orten, die vor allem eine stark zunehmende Lärm- und Verkehrsbelastung befürchten. Das sahen auch Gemeindevertreter aus Münster und Babenhausen so, die ebenfalls ihre Kritik am Vorhaben äußerten. Zwei neue Befürchtungen sorgten für besonders viel Gemurmel: Im Zuge des geplanten dreispurigen Ausbaus der B 26 werde die jetzige Ampel K 128/B 26 wegfallen – und damit jene Kreuzung, über die die Frachttransporte ins Großlager abgewickelt werden sollen. Die Lastwagen müssten dann in die andere Richtung stadteinwärts nach Dieburg fahren, um an der Polizeistation Kurs auf die B 45 nehmen zu können. Hierzu informierte am Freitag auf ECHO-Anfrage „Hessen mobil“.

Bei B 26-Ausbau entfällt Ampel fürs Großlager

„Im Zuge des dreispurigen Ausbaus der B 26 werden alle Ampeln an den Knotenpunkten bis Sickenhofen wegfallen, also auch die Ampel an der K 128 bei Dieburg“, sagt Markus Schmitt, Planungsdezernent für Südhessen. Dies sei auch der Stadt Dieburg bekannt. Wenn der Bürgermeister darauf nicht hinweise, liege das unter Umständen daran, dass derzeit noch kein Umbaubeginn in Sicht sei. Wegen vieler offener Fragen sei in den nächsten fünf Jahren kaum mit dem B 26-Ausbau zu rechnen. Danach müsse der Verkehr vom Dieburger Dreieck aus dann wohl am stadtnahen Polizeikreisel vorbeigeführt werden.

Zweite Befürchtung: Wenn einmal planungsrechtlich das Großlager auf dem jetzigen Acker in Dieburg genehmigt sei, könne Münster mit ihren direkt angrenzenden Flächen auf die Idee kommen, nun ihrerseits die Äcker entlang der B 26 Richtung Altheim und Babenhausen zu Gewerbeareal zu machen.

„Die angrenzenden Flächen auf Münsterer Gemarkung sind als Vorranggebiet Landwirtschaft und Regionaler Grünzug stärker geschützt als die Ackerfläche im Dieburger Dreieck“, erläutert Nicole Ohly-Müller, Sprecherin des Regierungspräsidiums, am Telefon. „Das Projekt Fiege ist planungsrechtlich kein Präjudiz für weitere Gewerbeflächen entlang der B 26.“

Gründungstreffen für eine Bürgerinitiative

Auch wenn sich so manche Bedenken auflösen, sehen Kritiker noch mehr als genug Gründe, gegen das Großlager Front zu machen. Sie wollen nun umgehend eine Bürgerinitiative gründen. Diese habe mehr Möglichkeiten und Gewicht als der Einspruch einzelner Bürger. Schon bei der jetzigen Offenlegung des Flächennutzungsplans, der für den Bau geändert werden muss, will die BI ihre Bedenken schriftlich einbringen. Zu einer Gründungsversammlung soll deshalb zeitnah eingeladen werden.

„Mir ist es wichtig darzustellen, dass wir keine Protestler sind, die gegen alles demonstrieren, sondern aus guten Gründen gegen das Vorhaben sind, das einfach nicht nach Dieburg passt“, fasste es einer der Teilnehmer zusammen.

 

Artikel Text Laenge: 4540

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  • 02. August 2013
  • Von rj
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