700 Gramm wiegen die Eisenkugeln, die die Spieler beim Boule möglichst nah an eine kleine Holzkugel namens „Sau“ zu werfen versuchen. Das erfordert Geschicklichkeit, Konzentration und Präzision. Im Dieburger Schlossgarten war am Sonntag allerdings vor allem eins gefragt: Spaß.
Zur zweiten Dieburger Stadtmeisterschaft des CdP waren 38 Teams aus Hobbyboulespielern gekommen. Bei Sonnenschein wurde die Jagd auf die „Sau“ zum echten Vergnügen. Die „Wild Boys“ hatten sich mit Leib und Seele vorbereitet: Mit roten Baskenmützen auf den Kopf und Baguette und Käse im Gepäck frönten sie dem „Franzosensport“, wie Teammitglied Erik Hertkorn (43) erklärte: „Es ist einfach ein großer Spaß.“ Mit dabei waren auch die Betreuer der Dieburger Jugendfeuerwehr als Spielneulinge: „Boule ist leicht zu verstehen und mitzumachen, für den Anfang ging es ganz gut“, so die Brüder Tobias (23) und Christian (28) Thomas.
Der CdP hatte vor Turnierbeginn eine Unterweisung im Spiel gegeben, während der „Aufnahmen“, wie ein Spieldurchlauf genannt wird, waren auch stets Vereinsmitglieder zugegen, um weiterzuhelfen. Die Triplettes, Teams aus je drei Spielern, fanden sich in der Lindenallee des Schlossgartens zusammen und richteten ihre „Aufnahmen“ in Eigenregie aus: Ein Münzenwurf entschied, welches Triplette beginnt. Während des Spiels wurde untereinander lustig gefrotzelt aber auch gegenseitig beraten. Nach 45 Minuten ertönte jeweils der Schluss über eine Vuvuzela. „Eigentlich wird ein Spiel nicht zeitlich begrenzt“, erklärte der Vorsitzende des CdP, Achim Weißbäcker. Eine „Aufnahme“ könne schon mal zwei Stunden dauern, doch beim Jedermannturnier wollte man die Spiele nicht in die Länge ziehen. Nach jedem Durchgang ging es zum Treffpunkt am Boulodrom zurück, um den Punktestand durchzugeben.
Dort veranstaltete der CdP auch eine Tombola zugunsten der zwölfjährigen Ayleen Jelinek aus Groß-Umstadt. CdP-Mitglied Anouk Haentjens-Bonifer hatte sich für die Benefiz-Aktion starkgemacht, da ihre Tochter mit der leukämiekranken Ayleen zur Schule geht.
Dass Boule auch ein barrierefreier Sport ist, veranschaulichte Martin Schlitt (45): Der Curling-Spieler von der Eintracht Frankfurt sitzt im Rollstuhl und war mit seinen Mannschaftskollegen auf Einladung nach Dieburg gekommen. Curling und Boule seien sich im Reglement sehr ähnlich: „Man kann im Sitzen genauso gut werfen, wie im Stehen, da bin ich gegenüber einem Fußgänger nicht benachteiligt.“
Bianca Bonn (35) war zum Anfeuern ihres Freundes und ihrer Familie mit dabei, die mit der Fastnachtsgruppe „Schlappmailer“ von der DJK am Start waren: „Es ist ein spannendes Spiel, weil sich selbst in der letzten Sekunde noch alles ändern kann“, beschrieb sie. Außerdem gefalle ihr das Miteinander der Teams, wenngleich gegeneinander gespielt wird. Letztlich entschieden die Teams „Bouleshit Orwisch“ und „Schlappmailer der DJK I“ das Finale vor rund 100 Zuschauern unter sich. Den von der Stadt Dieburg gestifteten Wanderpokal nahmen die „Bouleshit“ mit 13:3 mit nach Hause.
Der CdP richtete außerdem bereits am Samstag eines der größten hessischen Pétanque-Turniere aus: An den Offenen Hessenmeisterschafften Doublette nahmen rund 90 Spieler in Zweierteam aus ganz Hessen und den angrenzenden Bundesländern teil. Die Topplatzierung konnten sich hier Nicholas Mari (Schweinfurt) und Patrick Reduth (Mundelfingen) sichern. Außerdem traten bei den Offenen Hessischen Jugendmeisterschaften Doublette am Sonntag paralell zum Jedermannturnier Kinder zwischen 7 und 17 Jahren an.
Dieburger machen Jagd auf die „Sau“
Boule-Sport – Jedermannturnier des Club de Pétanque lockt viele Spieler – Meisterschaften ausgetragen

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