Mit dem aktuellen Doppelalbum – es beinhaltet die CDs „Free Scotland“ und „Drunk and Bad“ – hat Bandleader Michael M. Jung das sagenumwobene Thema der Piraterie für sich entdeckt. Es war die wildromantische Geschichte von Kapitän William Kidd, dem aus den schottischen Highlands stammenden Seeräuber, der im ausgehenden 17. Jahrhundert Jagd auf die Schiffe der verhassten englischen Krone machte, die den Autor der 37 Songs inspiriert hat. Wer am Samstagabend im Piraten- oder Schottenkostüm zum Konzert kam, durfte sich über einen Rabatt-Gutschein zum Kauf der CDs freuen.
„Garden of Delight“ stehen mittlerweile im 15. Jahr auf der Bühne, doch eine solche Kombination aus Celtic Rock, schottischem Folk und Shantys hat die Band ihren Fans noch nicht zu hören gegeben. Parallel zum regulären Programm von GOD tourt Michael M. Jung seit Januar dieses Jahres mit seinem musikalischen Projekt durch Deutschland. An Bord hat der Sänger und Gitarrist elf passionierte Musiker. Das Konzert am Wochenende war das Einzige im Weschnitztal.
Jungs Freundschaft mit Carsten Piwko, dem Inhaber der „Live Music Hall“ in Weiher, ließ am Samstagabend auch in der Region die Herzen der Fans höher schlagen. „Der Aufbau war ein hartes Stück Arbeit, aber der Aufwand hat sich gelohnt“, freute sich Piwko im Gespräch mit dem ECHO über die tolle Stimmung. Der Gig, der zahlreiche Besucher aus dem gesamten Kreis Bergstraße nach Mörlenbach lockte, lieferte den Soundtrack für eine durchtanzte Nacht. „Wir sind stolz, so eine spektakuläre Show ins Weschnitztal geholt zu haben“, verdeutlichte Piwko, der „GOD“ in diesem Jahr mindestens noch einmal – zum traditionellen Vorweihnachtskonzert am 22. Dezember in seiner „Hall“ – begrüßen wird.
Am Wochenende prägten verwegene Dreispitze, wehende Bärte und durstige Kehlen das Ambiente. Dazu krachende Gitarren, treibende Violinenklänge und wuchtige Trommeln. Zwölf Stücke waren reine Instrumentals. „Blackbeard“ ist im Grunde ein modernes Rock-Musical, das die Geschichte des William Kidd in den Mittelpunkt stellt. Und obwohl es sich um ein Piratenstück handelt, spielt die melodramatische Überlieferung des schottischen Freiheitskampfes immer eine wichtige Rolle. Kidd träumte schon in jungen Jahren davon, die englische Krone auf den sieben Meeren zu bekämpfen, während sein Bruder Malcolm in den Highlands blieb und dort mit dem Mut der Verzweiflung gegen die Eindringlinge focht. Das epische Stück „Brothers“ zeugt von dieser archaischen Bande.Die eingängigen Melodien und Hook-Sounds, wie man sie von den Alben von „GOD“ kennt, kommen auch auf „Blackbeard“ zur Geltung. Im Lauf des Abends holte die Band melancholische und auch rockige Up-Tempo-Songs aus den Saiten ihrer Instrumente, sorgte für stilistische Abstecher mit Gothic Downbeats und Country-Nummern. Unter der Flagge des Totenschädels, der überdimensional die Bühne zierte, ließ Violinist Dominik Roesch den Geigenbogen glühen, umwehten schottische Fahnen und satte Drums das musikalische Gedenken an Schwarzbart und seine wilden Gesellen.
Michael Jung stimmte, begleitet von wuchtigen Riffs und Chorälen, romantische Balladen und mitreißende Rock- und Folk-Songs an. Dazwischen brachte die raue Stimme eines Erzählers aus dem Off die Etappen im Leben des William Kidd den Besuchern näher. Wer es zu diesen Klängen besonders authentisch mochte, konnte an der Bar ein Guinness oder einen schottischen Whiskey ordern. Nach dem melodienreichen Piraten-Set und einer kurzen Pause rundete die Band das Konzert mit einem zweiten Teil „Best of GOD“ ab. Nichts ist für die Ewigkeit gedacht. Und so wie William Kidds Karriere 1702 auf dem Schafott endete, musste auch das Konzert am Samstagabend einen Schluss finden. Als der letzte Vorhang fiel, bezeugte der begeisterte Applaus, wie das Publikum in Mörlenbach über den Gig dachte – gerne mehr davon.

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