Schön, dass sie mal wieder vorbeischauen. Das ist nicht selbstverständlich und hat sicherlich mit der Veranstalterin Margit Gehrisch zu tun und mit dem Fluidum ihres Rex, das demnächst nach Bensheim zieht.
„Hazmat Modine“, deren Name sich aus amerikanischen Slang-Begriffen für Gefahrgut und einen Heizlüfter zusammensetzt, passt perfekt hinein, auch wenn die Gruppe gerade in Europa längst größere Bühnen bespaßt. Im vergangenen Jahr reihte sie sich zum Beispiel ein in die Phalanx der Rock-Größen, die beim Mainzer Zeltfestival auftraten.
Doch es ist der herbe Charme des kleinen Lorscher Saals, bei dem das ungekünstelte Abarbeiten einer gewaltigen musikalischen Bandbreite am besten zur Geltung kommt. Jede Menge Folk ist drin bei dem, was „Hazmat Modine“ machen, Klezmer, Balkan-Brass, Reggae und Soul sowieso. Doch als gemeinsame Währung dienen der Blues – und die erstaunliche Virtuosität, die sich wie nebenbei im Rex entfaltet.
Auch wer der Mundharmonika nichts abgewinnen kann: So wie Bandleader Wade Schumann sie spielt, wie er sich in geradezu kindlicher Begeisterung in Läufen und Effekten verliert, muss man sie lieben. Sein Instrumentalkollege Bill Barrett steht dem kaum nach und auch nicht der Rest der coolen Gang.
Glanzstücke werden mit den selbstvergessenen Soli der Gitarristen Pete Smith und Michael Gomez serviert oder mit einem Bläser-Duell David gegen Goliath: Trompeterin Pamela Fleming bietet Joe Daley und seinem riesenhaften Sousafon Paroli, welche seit eh und je „Hazmat Modine“ als Hauptantriebswelle dienen. Die Bass-Linie einer Tuba zu überantworten ist nicht nur pfiffig, sondern stilprägend für eine Band, die im Mix der Stile längst ihren eigenen gefunden hat.
Was die Musiker selbst als „interkontinentale Soundcollage“ bezeichnen, lebt freilich erst in der ungemein vielfältigen Wiedergabe auf, die zugleich kaschiert, dass das Repertoire der Band ziemlich schmal ist: Die eben noch gemächliche Gangart verschärft sich urplötzlich, Tempo und Metrum wechseln, um ebenso unversehens wieder in den alten Trott zu verfallen.
Bei „Bahamut“, Titelsong des CD-Erstlings, gerät das Publikum noch ein wenig mehr aus dem Häuschen als außenrum, doch die Stücke der jüngeren Aufnahme „Cicada“ halten Tonfall und Qualität die Treue.
Es muss noch nicht einmal ein Ausbruch des fantastischen Saxofonisten Steve Elson sein, um den vollen, aber nicht brechend vollen Saal des Rex zum Kochen zu bringen. Es genügt ein kurzes Vorspiel, ein gemeinsames Eingrooven – und schon hat die Band den Blues und das Publikum seinen Spaß.
Schnell hat die Band den Blues
Konzert – Das Oktett „Hazmat Modine“ lässt beim Auftritt im Lorscher Musiktheater Rex keine Wünsche offen

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