Nachdem der Opferverein „Glasbrechen“ heftige Kritik an der von der Odenwaldschule ins Leben gerufenen Opferstiftung „Brücken bauen“ geübt und die Zusammenarbeit mit der Stiftung aufgekündigt hat, kommt nun auch heftige Kritik vom „Verein für Partner, Betroffene und Gegner von sexuellem Kindesmissbrauch“ aus Göttingen.
Der Verein beklagt, mit der Aufforderung die von der Stiftung entworfenen Formulare auszufüllen, verschiedene Stelle von der Verschwiegenheitspflicht zu entbinden und das an der OSO erlebte noch einmal schildern zu müssen, würden die Opfer erneut gedemütigt.
„Nicht nur der festgelegte Pauschalbetrag ist für die Opfer entwürdigend niedrig, so wird aus der Sicht der Betroffenen ihr erfahrenes Leid erneut kleingeredet“, heißt es in einer Mitteilung des Vereins. Lebenslange Folgen der erlittenen Traumata ließen sich nicht mit 1000 Euro abwenden.
Der Verein kritisiert auch die von der Stiftung angebotene Finanzierung von Therapiestunden. Das trage keineswegs zu einer angemessenen Verarbeitung des Erlebten bei.
Abgelehnt wird die von der Stiftung geplante Weitergabe der Opferdaten an die Clearingstelle des Runden Tisches der Bundesregierung, weil der Beirat der Stiftung sich eine Empfehlung von dort einholen wolle, bevor er über die Bewilligung von finanziellen Hilfen entscheide. „Auf Betroffene wirkt dies so, als ob ihre Glaubwürdigkeit infrage gestellt wird“. Dass die Glaubwürdigkeit der Opfer nochmals geprüft werden solle, „stellt für Überlebende sexualisierter Gewalt einen erneuten Missbrauch dar.“
Der Verein bezweifelt, dass die Stiftung überhaupt das Ziel verfolgt, Betroffene zu unterstützen. Seines Erachtens geht es der Odenwaldschule lediglich darum, ihr ramponiertes Ansehen wieder herzustellen.
Das ECHO hätte gerne gewusst, wie viele Opfer sich bisher bei der Stiftung „Brücken bauen“ gemeldet haben und wie viel Geld bisher ausgezahlt wurde. Auf der Homepage der Stiftung ist keine Telefonnummer eingetragen. Es gibt lediglich eine E-Mailadresse für Presseanfragen und eine für die Opfer. Über beide Adressen haben wir vor Tagen versucht, mit der Stiftung Kontakt aufzunehmen. Eine Antwort gab es bisher nicht.
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