Die Stiftung „Brücken bauen“, die Missbrauchsopfer der Odenwaldschule entschädigen soll, zahlt als erste Rate an alle Opfer, die sich bis zum 30. Juni 2012 schriftlich melden, einen Sockelbetrag von 1000 Euro aus. Das sagte Ingelore König-Ouvrir vom Stiftungsvorstand am Freitagnachmittag in Heppenheim vor der Presse.
Opfer können sich unter der Internetadresse www.stiftung-brueckenbauen.de ein Formular herunterladen, das sie ausfüllen und an die Stiftung schicken können. Wer anonym bleiben will, kann sich über einen Anwalt melden. Ob der Opferverein „Glasbrechen“ für seine Mitglieder ebenfalls anonym Anträge stellen kann, wird noch geprüft.
In den Anträgen müssen jedoch die Opfer nicht mehr ihre Erlebnisse schildern, weil sie dies bereits gegenüber der von der Odenwaldschule beauftragten Rechtsanwältin getan haben. Mit dieser Anwältin arbeitet die Stiftung eng zusammen.
Bei den Höchstgrenzen der Entschädigungssummen orientiert sich die Stiftung an den Vorgaben des von der Bundesregierung eingerichteten Runden Tisches, der maximal 10 000 Euro als Hilfe für therapeutische Maßnahmen vorsieht. Wie viel Geld darüber hinaus als Entschädigung für das erlittene Unrecht bezahlt wird, sei noch offen.
Die Stifung verfügt derzeit über ein Gesamtkapital von etwas mehr als 360 000 Euro. Angestrebt sind 500 000 Euro. Dieses Kapital könne bis auf einen Grundstock von 25 000 Euro komplett ausgezahlt werden.
Um zügig arbeiten zu können, müssen sich alle Anspruchsteller bis 30. Juni 2012 melden. Darüber hinaus würden nur noch sehr begrenzt Ausnahmen zugelassen. Spätestens nach 5 Jahren will die Stiftung ihre Arbeit als Opferstiftung beendet haben.
Kritik des Opfervereins „Glasbrechen“, man habe bisher keinen Kontakt zur Stiftung und dort sitze jemand im Stiftungsbeirat, der mit einem der früheren Täter befreundet sei, wiesen die Betroffenen zurück.
Bereits im August habe es ein Gespräch mit „Glasbrechen“ gegeben, bei dem der Opferverein erhebliche Bedenken an der Stiftung angemeldet habe. Danach brach der Gesprächsfaden ab, er solle jedoch wieder aufgenommen werden.
Der frühere Heppenheimer Pfarrer Dirk Römer, der im Stiftungsbeirat sitzt, gab zu, bis vor etwa acht Jahren Kontakt zu einem Pfarrerskollegen gehabt zu haben, der an der Odenwaldschule tätig war und des sexuellen Missbrauchs beschuldigt wurde. Dieser Kollege sei jedoch inzwischen nach Frankreich verzogen, einen Kontakt gäbe es seitdem nicht mehr.
Der Stiftungsrat betonte ausdrücklich, völlig unabhängig von der Odenwaldschule zu arbeiten. Niemand außer den Mitgliedern des Stiftungsrates erhalte Einblick in die Akten.
Adrian Koerfer, Vorsitzender von „Glasbrechen“, vermisst ein offen bekundetes Mitgefühl der Odenwaldschule. Durch die Fristsetzung von „Brücken bauen“ entstehe der Eindruck, die ganze Sache soll möglichst schnell vom Tisch. Zweifel hat „Glasbrechen“ auch am vertraulichen Umgang mit den Opferdaten.
Odenwaldschule: Erste Ratenzahlungen und neues Online-Angebot für Opfer
Stifung verfügt derzeit über ein Gesamtkapital von etwas mehr als 360 000 Euro

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