Fulton-Smith ist einem breiten Publikum bekannt durch seine Rolle in der TV-Serie „Familie Dr. Kleist“. Der Münchner ist seit seiner Zeit an der Schauspielschule bekennender Fan von Karl Valentin, dem er am Wochenende unter dem Dach der ausverkauften Theaterscheuer auf der Tromm nacheiferte. Dabei entzündete der Protagonist ein Feuerwerk aus Wort, Witz und Charme – oder umgekehrt. Die skurrilsten Sketche hatte Fulton-Smith zu einem vergnüglichen Abend zusammengefasst.
Das spartanische Inventar auf der Bühne stand dabei in einem wunderbar abstrusen Kontrast zu der expressiven Gestik des Künstlers, der sich regenbogenbunte Gedanken über den Sinn und Unsinn kleinbürgerlicher Alltagsrhetorik machte. Wortreich philosophierte er über eine der vielen Fragen aller Fragen: „Zu mager, oder vielleicht doch zu dick?“ Der fehlende Speck könne von Nachteil sein, wenn man etwa auf eine Feuerbestattung aus ist. „Die kostet dann schon mal mehr, weil sie dann durch den Rost fallen“, merkte der Vorleser eloquenterweise gegenüber seinem Publikum an.
Das lauschte zunehmend zwerchfellgepeinigt den Anekdoten des Maestro, der sich im weiteren Verlauf seine tiefschürfenden Gedanken über die Unsterblichkeit der Seele machte. „Wenn aber die Seele tatsächlich unsichtbar ist, wie können sich dann verstorbene Pärchen im Jenseits überhaupt wiederfinden?“, dachte er laut nach und wurde immer lauter, als es um die Frage ging, wie denn jene, die sich schon im Diesseits nicht riechen konnten, ausgerechnet im Jenseits miteinander klarkommen sollen?
Auch die weitverbreitete Mär, dass nach dem Tode alle Neid und Missgunst verschwinden würden, sei nicht haltbar. Sie widerspreche dem gesunden Menschenverstand: „So einen Zustand halten Schauspieler doch gar nicht aus!“ Die Ewigkeits-Vorstellung sei auch ein Aspekt, den es zu hinterfragen gelte, wie Fulton–Smith mit erhobenem Zeigefinger anmerkte: „Man stelle sich nur einmal vor, bis ans Ende aller Tage durch die Gegend fliegen zu müssen, um Hosianna zu singen – da wird man doch nach acht Tagen verrückt“.
Nein, so einfach könne das mit dem Leben nach dem Tode gar nicht sein. Kein Wunder, ist doch das Leben vor dem Tode alleine schon kompliziert genug. Zum Beispiel im Biergarten, auch so eine Institution bajuwarischer Gemütlichkeit, wo alleine schon die wahre Technik des Trinkens eine Religion sei. Voller Überraschungen ist demnach auch der traute Alltag in der Ehe, wo schon mal der Tierschutzverein alarmiert werden müsse, wenn vor lauter Gequatsche um die kalte Suppe der Hasenbraten im Ofen schwarz wird.
Und wann ist ein Fremder ein Fremder – beziehungsweise im eigenen Lande? „Den meisten Münchnern ist das Hofbräuhaus nicht fremd, die meisten Museen hingegen schon“, zitierte Fulton-Smith die Antwort aus Valentins Kosmos, der sich zu Lebzeiten auch seine Gedanken über das Demokratiebewusstsein des ein oder anderen bajuwarischen Mandatsträgers machte: „Je mehr man trinkt, umso mehr werden die Geister der Demokratie sichtbar.“ So viel zu den Folgen der jahrzehntelangen absoluten Mehrheit im tiefen Süden Deutschlands.
Das Publikum in der Theaterscheuer adelte den Vortrag mit absolutem Applaus. Fulton-Smith gastierte zum dritten Mal auf der Tromm. Folgt man dem Willen seiner zahlreichen alten und neuen Fans, wird er um weitere Gastspiele gar nicht herumkommen.
Wortwitzige Sketche wie bei Karl Valentin
trommer sommer – Francis Fulton-Smith erinnert an den bayrischen Komiker

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