E-Paper | Mobil | Newsletter | RSS RSS
 
 
| |
 
SUCHE: | Erweiterte Suche |
 
| Suchen |
 
 

Gericht muss Bedrohung neu bewerten

Prozess: Vergewaltiger nach Entscheidung aus Karlsruhe wieder auf der Anklagebank

Wie die Quadratur des Kreises musste das Urteil in einem Vergewaltigungsprozess auf den juristischen Laien gewirkt haben. Wegen besonders schwerer Vergewaltigung in einem minderschweren ...
BÜRSTADT.
Archivfoto: Echo Online
Archivfoto: Echo Online

Wie die Quadratur des Kreises musste das Urteil in einem Vergewaltigungsprozess auf den juristischen Laien gewirkt haben. Wegen besonders schwerer Vergewaltigung in einem minderschweren Fall hatte das Darmstädter Landgericht am 17. November 2010 einen 37 Jahre alten Mann zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt. Der Mann hatte Mitte Oktober 2009 seine damalige Freundin in der gemeinsamen Wohnung in Bürstadt zum Sex gezwungen und dies auch gestanden.
Die Staatsanwaltschaft war mit dem Urteil nicht einverstanden, beantragte Revision, und der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe hob das Urteil bezüglich der Strafe auf. Das Landgericht habe den Tatablauf korrekt ermittelt, fand der BGH, aber die Kammer habe „rechtsfehlerhaft unterlassen“, strafverschärfende Tatumstände zu erörtern. Der BGH wies das Verfahren an das Landgericht Darmstadt zurück, wo seit Mittwoch die 15. Kammer den Fall verhandelt.

Der Angeklagte hatte seine damalige Freundin um 5 Uhr geweckt und unter einem Vorwand ins Wohnzimmer gelockt. Dort forderte er Sex, drohte, die beiden Kinder – die aus anderen Beziehungen stammten – zu töten, würgte die Frau und bedrohte sie mit einem Messer mit 20 Zentimeter langer Klinge. Das Messer legte der Mann weg, nachdem ihm die Freundin zugesagt hatte, dass sie alles mache, was er will.
„Danach sei er plötzlich wieder ganz normal gewesen“, zitierte die Vorsitzende Richterin Julia Wulfmeyer die Aussage der Frau bei der Polizei. Der Angeklagte habe sich mit ihr ruhig unterhalten und versprochen, dass das nie wieder passiere. Die Frau zog dennoch mit den Kindern zu ihrer Mutter. Im November 2009 endete die Beziehung.
Der BGH kritisierte, dass die 12. Kammer die Drohung gegen die Kinder und die abgeschlossene Wohnzimmertür nicht ausreichend gewürdigt habe. Die Karlsruher Richter forderten zudem eine „eingehende Begründung“, wenn die Kammer erneut einen minderschweren Fall sehen würde.
Die Kammer hatte 2010 unter anderem strafmildernd gewertete, dass der Angeklagte angeboten hatte, 3000 Euro Schmerzensgeld zu zahlen und dass er das Messer nach Aufforderung beiseite gelegt habe.
„Es tut mir leid, dass das passiert ist“, sagte der inzwischen in Nordrhein-Westfalen in einer neuen Beziehung lebende Angeklagte. „Ich kann es mir heute noch nicht erklären.“ Er leide seitdem unter Schlafstörungen und wache nachts schweißgebadet auf. Das Schmerzensgeld sei noch nicht überwiesen, räumte er ein. Sein damaliger Anwalt habe ihm geraten, darauf zu warten, dass das Urteil rechtskräftig wird.
Der Prozess wird am 14. Oktober fortgesetzt, da die Geschädigte nicht als Zeugin erschien. Sie hatte ein Attest gefaxt. Sie sei aus psychischen Gründen nicht in der Lage, erneut auszusagen. Während Staatsanwältin Susanne Deltau-Hilgert signalisiert hatte, wegen Aussagen in den Akten auf die Zeugin verzichten zu können, hatte Verteidiger Thomas Amann um Bedenkzeit gebeten.

 

Artikel Text Laenge: 2957

ANZEIGE
 
  • 28. September 2011
  • Von mawi
x Artikel verlinken

Wenn Sie auf diesen Artikel von echo-online.de verlinken möchten, können Sie einfach und kostenlos folgenden HTML-Code in Ihre Internetseite einbinden:

Bitte beachten Sie unsere AGB, die Datenschutzerklärung und das Impressum. Sämtliche Rechte für Artikel liegen bei der Echo Medien GmbH. Beiträge dürfen als Textkopie, Pdf-Datei oder Bild-Scan nur nach Absprache in das Layout anderer Seiten eingebunden werden.

 
SCHON GESEHEN?
 
 
ANZEIGE