Mit Statistiken ist das so eine Sache. Während sich viele Politiker wegen des vermeintlichen Rückgangs der Kinderarmut feiern, sieht die Wirklichkeit anders aus. Das haben Schüler der Birkenauer Sonnenuhrenschule aus erster Hand erfahren. „Wir als Tafel-Arbeiter können die Wahrnehmung der Politik nicht teilen“, stellt Jürgen Meyer fest. Der Mann aus Bensheim muss es wissen – er setzt sich seit 30 Jahren für die Benachteiligten der Wohlstandsgesellschaft ein.
Im Kreis Bergstraße koordiniert der Diplom-Sozialpädagoge die Tafeln in Lampertheim, Bürstadt und Rimbach. „Unsere Arbeit ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein, wenn man bedenkt, dass allein im Bereich der Arbeitsagentur Mörlenbach über 3000 Menschen Sozialleistungen wie Arbeitslosengeld II beziehen. Sie alle sind berechtigt, zur Tafel zu kommen“, verdeutlicht Meyer die Situation. Aktuell kümmere man sich um 201 Haushalte mit knapp 500 Personen. „191 Kinder werden über die Tafel in Rimbach mit Lebensmitteln versorgt“, kennt der Mitarbeiter der Diakonie seine Kunden.
Und er ist dankbar über Initiativen wie die der Sonnenuhrenschule Birkenau. „Bei der Aktion Sternenhimmel ging es uns darum, den Advent mit Inhalten zu füllen“, beschreibt Sabine Schumacher, Lehrerin und an der Birkenauer Grundschule für die Schulseelsorge zuständig, die Grundidee. Dabei konnten die Schüler in der Vorweihnachtszeit kleine Sterne kaufen, die dann auf ein großes Plakat geklebt wurden. Jetzt, nach den Weihnachtsferien, ist die Zeit, das Geld zu übergeben.
im Internet unter www.diakoniebergstrasse.de.
„Es war für uns alle schön anzusehen, wie sich der Himmel immer mehr gefüllt hat“, freut sich die Pädagogin. „Wir wollten etwas für die Region und für Kinder tun, deshalb sind wir an die Tafel in Rimbach herangetreten“, blickt Sabine Schumacher zurück. „Es war klasse, dass Kinder des Schülerrates bei uns in Rimbach waren und sich für unsere Arbeit interessiert haben“, bedankt sich Meyer für die Unterstützung und den Scheck über 350 Euro, den ihm die Schüler überreichen.
„Wir haben viel gelernt und sind froh, dass wir Kindern helfen können“, erklärt Schulsprecherin Tara Grebe. „Ich denke, wir haben Schülern, Eltern, aber auch uns selbst einen Denkanstoß gegeben, denn die Zahlen, die Herr Meyer mitbringt, sind schockierend“, unterstreicht Schulleiter Harald Purkert.

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