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Stolpersteine des Bildhauers Gunter Demnig sollen – wie hier in Offenbach – auch in Bensheim verlegt werden. Foto: dpa
BENSHEIM.
Zwischen Pflastersteinen schimmern sie hervor, heben sich ab von der grauen Masse: Gedenktafeln aus Messing, eingelassen ins Trottoir. Die Stolpersteine des Kölner Bildhauers Gunter Demnig sind kleine, dezentrale Mahnmale, die in mittlerweile mehr als 500 Städten von ihm verlegt wurden.
Sie kennzeichnen Häuser von Opfern des Nationalsozialismus, die letzte freigewählte Wohnstätte, bevor die Bewohner von den Nazis während des ,,Dritten Reiches" verschleppt und in den meisten Fällen umgebracht wurden. Auch Bensheim möchte sich dem kollektiven Erinnern im öffentlichen Raum anschließen. Stadtrat Peter E. Kalb beschäftigt sich seit einiger Zeit mit dem Projekt.
Ihm geht es zunächst darum, Ängste abzubauen und Aufklärungsarbeit zu leisten. Denn in anderen Kommunen gab es bei Hausbesitzern Bedenken, die Stolpersteine könnten sich zu einem Anziehungspunkt für Rechtsradikale entwickeln. Diese Befürchtung hat sich bisher nicht bestätigt.
Kontakt
Wer sich für die Aktion interessiert, selbst Dokumente besitzt oder Info-Material (auch für Schulen) benötigt, kann sich über das Rathaus an Peter E. Kalb wenden. E-Mail: gremien@bensheim.de oder Postanschrift: Kirchbergstraße 18, 64625 Bensheim.
Die Eigentümer bräuchten auch keine Bedenken zu haben, dass durch die Tafeln Fragen aufkommen, wie sie oder ihre Vorfahren in den Besitz der Immobilie gelangen konnten. Kalb dazu: ,,Anfang der fünfziger Jahre wurden alle Immobilien, die während der Diktatur unter Zwang verkauft wurden, neu bewertet. Es musste nachgezahlt werden."
Bevor die Stolpersteine ihren Weg ins Bensheimer Pflaster finden, steht eine detaillierte Recherchearbeit an. Diese läuft bereits in Zusammenarbeit mit Manfred Berg vom städtischen Archiv. Nach jetzigem Stand lebten in der Kernstadt 44 jüdische Bürger, die in Konzentrationslagern ermordet wurden. ,,Ungefähr 22 Wohnstellen, die überprüft werden müssen", so Peter E. Kalb. Die Geschichtswerkstatt Jakob Kindinger hatte vor Jahren eine Liste mit Namen von Opfern erstellt. Aus Auerbach bekam der Stadtrat Unterstützung vom Synagogenverein. Aus den Stadtteilen liegen keine weiteren Informationen vor. ,,Wer etwas weiß oder Informationen hat, kann sich gerne melden."
Dabei geht es nicht nur um Juden, die umgebracht wurden, sondern allgemein um Opfer der Nazis - von unbequemen Oppositionspolitikern bis hin zu Behinderten, die nicht in die verquere und gemeingefährliche Rassenideologie von Hitler passten. In kleinen Schritten soll das Projekt umgesetzt werden. Mit fünf oder sechs Steinen wollen Kalb und seine Mitstreiter anfangen. Nach Abschluss der Recherche will der Stadtrat mit den Hausbesitzern Kontakt aufnehmen, um mögliche Ängste abzubauen. ,,Mir ist an Konsens gelegen", betont das ehrenamtliche Magistratsmitglied.
In anderen Städten lief der Prozess nicht immer reibungslos ab, in Bensheim setzt Kalb aber auf die Offenheit und Aufgeschlossenheit der Bürger. Um die Stolpersteine zu verlegen, bedarf es übrigens keiner Einverständniserklärung der Hausbesitzer, weil die Tafeln im öffentlichen Raum angebracht sind.
Rund 100 Euro pro Stein nimmt Künstler Demnig, wenn er mit seinen Werken anrückt und die Maurerkelle zückt. Finanziert wird die Aktion durch Patenschaften von Bürgern. Der Stadt liegen bereits zehn verbindliche Zusagen vor, weitere sollen folgen. Sponsoren sind jederzeit willkommen.
Peter E. Kalb will in den nächsten Monaten außerdem die Schulen verstärkt einbinden. Seine Idee: Schüler aus Leistungskursen sollen Projekte initiieren und aus den Archiven mehr über die Menschen in Erfahrung bringen, deren Namen auf den Tafeln zu lesen sein werden.
Die Ergebnisse können dann bei der feierlichen Verlegung der Stolpersteine präsentiert werden. Zudem setzt er auf eine Verbreitung über das Internet. ,,Es wäre schön, wenn wir Kontakt mit Familien beispielsweise in Israel oder den USA bekommen würden und ein langsam wachsendes Netzwerk aufbauen könnten", erklärt der engagierte Heimatforscher.
Wann in Bensheim die ersten Stolpersteine liegen, steht noch nicht fest. Gunter Demnig ist dieses Jahr nahezu ausgebucht, zumal er sein Projekt über den deutschsprachigen Raum hinaus erweitert hat.
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