Seit 30 Jahren stellen italienische Familien und ihre deutschen Freunde an Karfreitag in der Bensheimer Innenstadt den Leidensweg Christi dar. Mehr als 2000 Zuschauer verfolgten an Karfreitag die vier Szenen. Mit 98 Darstellern meldeten die Veranstalter einen Rekord.
„Vater, in Deine Hände lege ich meinen Geist“, seufzte Hartmuth Lux in der Rolle des Jesu, als er am Kreuz die Augen schloss. Wenig später wurde er mit den beiden Leidensgenossen auf dem Bensheimer Marktplatz von den Frauen betrauert. Danach war Beifall zu hören. Eineinhalb Stunden Passionsspiel mit musikalischer Begleitung des Katholischen Kirchenmusikvereins Fehlheim waren eindrucksvoll zu Ende gegangen.
Der Beauner Platz war Schauplatz der Festnahme Jesu. Am Rinnentor wurde der Messias dem Hohen Rat gegenübergestellt. Am Hospitalbrunnen verurteilte ihn Pilatus zum Tode. Bei den Texten handelte es sich jeweils um Bibelzitate. Insgesamt wird trotz der populären Darstellungsweise die Würde der Handlung in jedem Moment gewahrt.
Für die Laiendarsteller war die Karfreitagsprozession der Abschluss wochenlanger Proben. In der Turnhalle der Liebfrauenschule versammelten sich die Akteure, legten die historischen Gewänder an, bekämpften – jeder auf seine Art – das Lampenfieber. Wie in den vergangenen Jahren spielten Manfred Schneidt den ruppigen, römischen Hauptmann, Edgar Mößinger und Michael Zehnbauer die wortführenden Hohepriester. Unter den Akteuren waren wieder Rocco Aquaro aus Heppenheim, dessen Schwager Antonio Novellino sowie weitere Verwandtschaft aus Süditalien. Sie kennen diese Art des Laienspiels, das in italienischen Gemeinden die ganze Nacht dauern kann.
Regie führte wieder Paolo Lippiello. Zu den Akteuren hinter den Kulissen gehörte Carmelo Torre, der viele Aufgaben von seinem Vater Giovanni übernommen hat.
Zum ersten Mal wurden die Darsteller von Pfarrer Heinz-Jürgen Förg begrüßt. Er ist als Seelsorger der italienischen Gemeinde Nachfolger von Pfarrer Don Luciano Candiollo, der im Juni 2011 in den Ruhestand getreten ist. Der Pfarrer ermutigte die Akteure, mit ganzen Herzen ihre Rollen zu spielen, denn dieses Rollenspiel sei eine besondere Form, die christliche Botschaft zu verkünden. Mit einem Gebet schickte er die Spieler zu ihrem Auftritt unter freiem Himmel. „Das Volk“ wurde in diesem Jahr wieder von Bernd Assmus angeführt. Er sorgte dafür, dass die große Schar der Darsteller zu einem Szenenbild wurde. Auch Assmus ist – wie Jesusdarsteller Hartmuth Lux – seit 20 Jahren dabei; ebenso Barbara Lux, die Ehefrau, sowie die Söhne und Enkelkinder.
Zu den Männern und Frauen der ersten Stunde zählen zudem Michele Rigliette, Cosimo Carlucci, Albert Geiß, Raffaele Maietta, Maria Maietta, Luigi Nestola, Vincenzo Quartararo, Natale Radogna, Salvatore Santamaria, Giovanni Quiete, Karl-Heinz Wahlig, Ursula Wahlig und Wolfgang Lässig.
Abschluss und Lohn für die Mühe der Akteure und Helfer bildete wie in jedem Jahr das gemeinsame Mahl in der Liebfrauenschule. Viele Darsteller nutzten dort auch die Gelegenheit, sich aufzuwärmen. Vor allem die drei Gekreuzigten waren dem kalten Wind ausgesetzt. Hartmuth Lux war nur mit einem Tuch bekleidet.
Doch wie seine Frau Barbara versicherte, hat sich Lux in den vergangenen 20 Jahren nicht ein einziges Mal als Jesus erkältet.
2000 Zuschauer bei Karfreitagsprozession
Zum ersten Mal wurden die Darsteller von Pfarrer Heinz-Jürgen Förg begrüßt




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