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17. Januar 2012 Von Stephan Görisch

Kommentar: Leben im Schadstoffmix

Ein hessisches Forscherteam hat nachgewiesen, dass gesundheitsgefährdender Feinstaub in der Luft nur zum verschwindend geringen Teil von Autoreifen stammt. Woher der überwiegende Teil des Staubes wirklich stammt, sollten unbedingt weitere Studien klären. Denn bisherige Darstellungen zu den Staub-Quellen fallen je nach Hintergrund und politischer Zielsetzung recht unterschiedlich aus – und beruhen meist auf Modellrechnungen. Eine Statistik kann aber kaum klären, ob Lungenkrebs vom über der Straße dahinwehenden Staub ausgelöst wurde – oder etwa vom Toner, der an Schreibtischarbeitsplätzen im Achtstundentakt inhaliert wird, freigesetzt von Laserdruckern, Kopier- und Faxgeräten. Ohne Frage enthält der Staub über Hessen auch Straßenverkehrs-Emissionen – nach Schätzung des Bundesministeriums für Umwelt 20 Prozent. Neben der Industrie (35 Prozent) liefern neben den Kraftwerken (elf Prozent) 30 Millionen häusliche Feuerungsanlagen 18 Prozent des Staubes: Viele Öl- und Gasbrenner springen zur Brauchwassererwärmung auch im Sommer an. Und ein Brenner mag gerade eben vom Spezialisten sorgfältig gereinigt und optimal eingestellt werden – sobald er mit der Luft in dem oft als Waschküche oder Rumpelkammer mit Katzenklo missbrauchten Heizraum eine Fluse („Wollmaus“) ansaugt, wird sich die Verbrennung durch Luftmangel schlagartig verschlechtern. Die dann einsetzende Rußbildung – beim Ölbrenner weitgehend identisch mit Dieselruß – kann sich aufschaukeln. Und was aus Feststoff-Öfen kommt (jeder sechste Deutsche betreibt einen), wird durch Vorschriften geregelt, entzieht sich aber meist der Kontrolle. Wer feuchtes oder harzreiches Nadelholz verfeuert oder gar verbotenerweise Joghurtbecher, Zeitschriften oder lackiertes Holz im Ofen entsorgt, erzeugt fette Rußflocken. Mineralstaub wird frei, wo Wind und Wetter Bauwerke erodieren. Organische Partikel steuert die Natur bei: etwa Blütenstaub und Laubfall, der zu Feinstaub zerrieben wird. Die Schaffung der „Umweltzonen“ hat sicherlich der Autobranche genutzt – aber das Problem Feinstaub kann ihre Ausweitung nicht aus der Welt schaffen. Günter Stein, der mit seinem Analyseverfahren den Autoreifen entlastet hat, sagte uns, er sei nun sehr glücklich darüber, dass er für seine Arbeit keinen müden Euro an „Drittmitteln“ aus der Industrie bekommen habe. Der Umweltanalytiker aus Leidenschaft bedauert nur, dass dies seine letzte Forschungsarbeit war – er hätte jetzt gerne noch einen Nachweis für Bremsenabrieb entwickelt. Stein geht aber Ende dieses Monats in den Ruhestand.

 
 


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